Emotional instabil und Borderline - Verlustängste überwinden

Florian Friedrich • 26. August 2025

Angst vor Einsamkeit, Alleinsein und vor dem Verlust von Menschen

Die Borderline-Störung ist eine weit verbreitete Persönlichkeitsstörung und stellt ein komplexes Krankheitsbild dar. Borderline kann anhand verschiedener Verhaltensweisen und bezeichnender Persönlichkeitszüge diagnostiziert werden.

Ein Kriterium für eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline ist „Verzweifeltes Bemühen, reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern“. Doch was heißt das eigentlich genau?

In meinem jungen Erwachsenenalter hatte ich leichte Züge von Borderline, d.h. eine Borderline-Akzentuierung. In diesem Artikel möchte ich hier die Angst vor dem Verlassenwerden anschaulich erläutern.


Menschen, die unter Borderline leiden und emotional instabil sind, haben massive Ängste, verlassen zu werden. Lesen Sie in diesem Artikel, wie Sie Verlustängste überwinden können.

Borderline und emotional instabil: Verlustängste überwinden

Todesängste vor Verlust von Liebespartner*innen

Eines der Hauptmerkmale von Borderline ist die massive Angst vor dem Alleinsein oder vor dem verlassen-Werden. Diese Verlustängste können ins Unermessliche ansteigen und sich irgendwann wie Todesangst anfühlen.

 In meinen schlimmsten Zeiten hatte ich im Alter von Mitte 20 Jahren das Gefühl, ich könnte es nicht überleben, wenn ich verlassen werde. Kleinigkeiten, etwa wenn mir jemand in einer Liebesbeziehung länger nicht auf eine SMS geantwortet oder mich nicht sofort zurückgerufen hatte, haben diese Angst bereits getriggert. Diese Angst hat sich in meinem Fall schleichend aufgebaut (bei vielen Menschen, die unter Borderline leiden, schießt sie auch sofort auf 100 Prozent) und ist irgendwann im Laufe von Stunden so stark geworden, dass sie sich existentiell bedrohlich angefühlt hat und meinen ganzen Körper in den Kampf- oder Fluchtmodus versetzte. Das Körpergefühl war für mich, als ob sich in meinem Magen und um mein Herz eine Schlinge aus Draht immer enger zusammenzieht und mir die Luft abschnürt. Die Angst war dann auch ein somatischer Schmerz. Zugleich wurde ich zitterig und hibbelig.
Ich habe dann vergebens versucht, gegen diese Angst anzukämpfen und sie zu verdrängen, was mich aber nur erschöpft hat. Der Verlust des Anderen hat damals für mich bedeutet, jeden inneren Halt zu verlieren. Es war für mich ein Gefühl, als ob ich es nicht überleben könnte.
 
Damals wusste ich noch gar nichts von Borderline und war der Verlustangst hilflos ausgeliefert. Mein schlechter Umgang mit meiner Angst hat dann sekundär noch zu einem Gefühl der Hilflosigkeit geführt, manchmal auch zu Hass gegen die Menschen, die nicht sofort auf meine SMS geantwortet haben. Als männlich sozialisierter Borderliner habe ich den Hass nicht gegen mich selber gerichtet, sondern manipulativ und psychisch gewaltsam gegen andere Menschen.

Filmtipp: "dasbewegt!: Wie lebt es sich eigentlich mit Borderline?"

In diesem Video wird erklärt, was ein Leben mit Borderline oder als emotional-instabile Persönlichkeit bedeutet und wie immens das Leiden und die Not der Betroffenen sind.

Skills und Ressourcen im Umgang mit Verlustängsten

Heute weiß ich als Psychotherapeut, dass man mit dieser Angst gut leben kann und dass es hilfreiche Skills gibt, wie etwa harmlose Schmerzreize, eiskaltes Duschen, Chilischoten in den Mund nehmen, welche die innere Anspannung senken können. Auch das bewusste Annehmen der Angst (radikale Akzeptanz) kann sehr hilfreich sein und das immer wieder Aushalten der Angst sowie das distanzierte Beobachten. Dabei handelt es sich übrigens um Meditationstechniken, die speziell für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung adaptiert wurden. Menschen mit Borderline können dann in einer Psychotherapie lernen, dass die Emotion der Angst ausgehalten werden kann und die Emotion allein nicht tötet. „Schmerz tötet nicht“.


Manipulationen, Selbstaufgabe und zu rasches Beenden von Beziehungen

Die Verlustangst ist so groß, dass Menschen dann alles tun, um nicht verlassen zu werden. Dies geht von manipulativem Verhalten bis hin zur totalen Selbstaufgabe, aber auch bis zur Flucht nach vorne (etwa rasch eine Partnerschaft beenden, wenn die Angst zu groß wird, nur um nicht verlassen zu werden). Dies meint das „verzweifelte Bemühen“.


„Imaginäres Alleinsein“ bedeutet, dass die Angst auch dann sehr stark wird, wenn ich nur daran denke, dass ich verlassen werden könnte. Geht etwa der/die Partner*in nicht ans Handy, dann kann das schon ein imaginäres Alleinsein auslösen und zu tiefer Verzweiflung, Ohnmacht und schwersten Verlustängsten führen.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.