Emotionsregulation - Skillstraining und Skillsliste / Borderline

Florian Friedrich • 23. Juli 2025

Was sind Skills und was ist das Skillstraining?

Erfahren Sie in diesem Artikel über Skillstraining zur Emotionsregulation.

"Skills" bedeutet im Englischen „Fertigkeiten“. Das Skillstraining geht auf die Borderline-Expertin Marsha Linehan zurück und vermittelt einen besseren Umgang mit sich selbst und dem sozialen Umfeld. Skills sind kurzfristig wirksam, ohne dabei langfristig schädlich zu sein.

Skills sollte man erst dann einsetzen, wenn die innere Anspannung und Emotionalität über 70 Prozent ansteigt. Wenn etwa mein Selbsthass, meine Wut oder Verzweiflung so extrem stark sind, dann braucht es körperliche Ablenkungen bzw. wohldosierte körperliche „Mini-Schocks“. Bei einer so hohen inneren Spannung helfen nämlich andere Methoden der Emotionsregulation wie achtsames Atmen, Meditation, Spazierengehen, ein warmes Bad ein Gespräch mit Freund*innen wenig bis gar nicht. Schocke ich aber meinen Körper, indem ich etwa eiskalt dusche oder einen Schmerzpunkt auf meiner Hand drücke, dann komme ich fast unweigerlich aus der Hochspannung heraus und kann danach sanftere Methoden einsetzen, wie etwa eine Entspannungsübung.


Lesen Sie in diesem Beitrag, wie man aus innerer Hochspannung und Stress mit Skills herauskommen kann.

Ich bin Psychotherapeut und biete Skillstraining und Skillsgruppen an.

I am psychotherapist and provide skills training.

Emotionsregulation - Skillstraining und Skillsliste / Borderline

Film: "Was ist Dialektisch Behaviorale Therapie?"

Ein Beispiel für Skillstraining

Hier ein fiktives Beispiel:

Der alte Weg von Herrn Z., bei dem eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden war, war es, sich selbst zu ritzen, zu schneiden oder vor Wut und Hass gegen eine Wand zu schlagen, sodass es immer wieder zu Knochenbrüchen kam. In zwischenmenschlichen Beziehungen wurde er schnell laut und schrie herum. Zudem war er auch schon in Schlägereien verwickelt gewesen. Aufgrund seiner Wutausbrüche verlor er einmal sogar seinen Arbeitsplatz.

Durch das Skillstraining lernte Herr Z. zu spüren, wann er körperlich und emotional in den Hochspannungsbereich gelangte. Er setze dann Skills der Kälte und der harmlosen Schmerzreize ein und konnte dadurch seine Emotionen abschwächen, konstruktiver mit seiner Wut umgehen und in zwischenmenschlichen Konflikten angemessener reagieren.


Für wen ist das Skillstraining geeignet?

Das Skillstraining ist speziell für Menschen geeignet, die Probleme haben, ihre Gefühle und Impulse zu regulieren (etwa Personen mit Borderline-Störungen, schweren Depressionen, Essstörungen, Angst- und Panikstörungen, Traumatisierungen, Gewaltproblemen). Das Training von Skills hat das Ziel, den Alltag und Krisensituationen besser zu bewältigen, Anspannungen zu reduzieren und mehr Ruhe zu finden.

Der Vorteil von Skills ist, dass ich sie jederzeit einsetzen kann und dass ich dabei keine langfristigen Konsequenzen, wie etwa Narben oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in Beziehungen davontrage. Somit stellen Skills eine hervorragende Alternative dar, die Menschen nutzen können, anstatt sich selbst zu verletzen.


Skills haben aber auch Grenzen: Sie dienen der Emotionsregulation, helfen aus Notsituation und sind ein wertvolles Werkzeug der psychischen Ersten Hilfe. Somit gehören sie in jeden psychischen Notfallkoffer. Sie helfen aber nicht, sich selbst in seiner eigenen Identität zu finden, zwischenmenschliche Kompetenzen zu erwerben u.v.m. Dazu bedarf es psychotherapeutischer und psychologischer Begleitung.


Somit sind Skills wichtige Top-Down-Hilfsmittel, aber sie sind kein therapeutisches Wundermittel. Wenn ich Skills anwenden kann, dann beginnt erst die richtige Psychotherapie und/oder Traumatherapie.

Noch wichtiger ist nämlich die Selbstregulation, bei der ich mich Bottom-Up selbst beruhigen kann und wieder zu innerem Halt, Raum, Ruhe und Erdung finde.

Dieser Prozess geht nicht von heute auf morgen, sondern er stellt ein längerfristiges Projekt dar. Wichtig ist deshalb, dass Sie gelassen, aber konsequent an der Selbstregulation dranbleiben.


Skillsliste, um sich aus emotionalen Hochspannungszuständen zurückzuholen:

  • ein Eisgelkissen in den Nacken oder auf die Stirn legen
  • laute Musik hören
  • Wechselduschen
  • eiskaltes Duschen
  • kaltes Wasser auf den Unterarm fließen lassen
  • schreien
  • mit nackten Füßen in einem Bach stehen
  • Muskeln anspannen und loslassen
  • Krafttraining machen
  • Ammoniak oder an Stinkekäse riechen
  • Knoblauch roh essen
  • Eukalyptus-Erfrischungstücher riechen (aus der Apotheke)
  • frischen Zitronensaft trinken
  • in die Sauna gehen
  • scharfe Zahnpasta in den Mund nehmen
  • Chilischoten kauen
  • Liegestützen machen
  • Bauchmuskeltraining machen
  • joggen gehen oder sich sportlich auspowern
  • Brennesselsalbe auf den empfindlichen Unterarm streichen
     

Bei Aggressionen, Selbsthass, Hass und Wut können folgende Skills hilfreich sein:

  • auf einen Boxsack schlagen
  • in ein Kissen schreien, beißen oder darauf einschlagen
  • Sport machen
  • Liegestützen oder Crunches machen
  • joggen und sich auspowern
  • Klimmzüge machen
  • eine imaginierte Person anschreien
  • herumhüpfen
  • Türme aus Lego o.ä. bauen und dann umwerfen
  • Holz hacken
  • Therapie-Knete benutzen, die Knete zusammenpressen oder auseinanderreißen


Für Ersatzschmerzen und um den Körper zu spüren:

  • dicke Gummibänder auf die Haut schnippen
  • Kerzenwachs auf den schmerzempfindlichen Unterarm träufeln
  • einen Igelball sehr fest kneten und drücken
  • Eiswürfel oder Coolpacks auf die Haut drücken (etwa auf den Unterarm, den Nacken oder Rücken)
  • etwas Scharfes/Saures essen (Zitrone, Chilischote, Center-Shocks, Airwaves, Tabasco)
  • ganz kalt duschen
  • Nägel kauen
  • die Hände gegen einander drücken, bis die Arme zittern
  • Muskeln ganz fest anspannen und dann wieder loslassen
  • gegen Sandsack, Boxsack o.Ä. schlagen/ treten
  • etwas Scharfes oder Ekeliges riechen (z.B. Ammoniak)
  • eine Nagelbürste über die Hand reiben
  • ein Pflaster aufkleben und wieder abreißen
  • Gymnastik machen und sich dehnen
  • Headbanging
  • Finger knacken
  • Brennnesseln oder Brennesselsalbe auf den Unterarm cremen
  • sich kneifen
  • sich in der Badewanne mit einem Bimsstein abrubbeln.
  • ein Sprühverband aufsprühen, trocknen lassen und wieder abziehen
  • ein Tuch, einen Schal oder ähnliches etwas fester um die Stelle wickeln, die man sonst verletzten würde (bitte achten Sie darauf, dass die Blutzufuhr nicht unterbrochen wird!)
  • mit den Fingern die Stelle fest drücken, die man sonst verletzen würde

Erklärvideo von Dami Charf: "Selbstverletzendes Verhalten – wenn die Seele schmerzt"

In diesem Beitrag erklärt die Traumatherapeutin Dami Charf, was selbstverletzendes Verhalten bedeutet und warum Betroffene sich selbst verletzen.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
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Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.