Entwicklungstrauma und Schocktrauma - der Unterschied

Florian Friedrich • 19. November 2025

Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungstrauma und Schocktrauma?

Was sind Schocktraumen?

Ein Schocktrauma bzw. eine Posttraumatische Belastungsstörung ist ein singuläres Ereignis, welches ich als bedrohlich, überwältigend und unfassbar erlebe. Es liegt außerhalb der menschlichen Erfahrung. Es kommt zu einer massiven Erschütterung meiner subjektiven Welt, und alle meine Bewältigungs- und Copingmechanismen versagen. Ich fühle mich auf einmal total unsicher, verliere den Grund und Boden und gerate rasch in eine körperliche und psychische Übererregung. Als Schutzreaktionen bleiben mir nur noch Totstellreflex, Dissoziation und innere Fragmentierung. Das Entsetzen ist die Grundlage eines jeden Schocktraumas und ich bleibe im Entsetzen stecken.

Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungstrauma und Schocktrauma?

Das Schocktrauma bleibt in sich abgeschlossen, und die Traumafolgesymptome können durch verschiedene traumatherapeutische Methoden und Haltungen geheilt oder zumindest gemildert werden. Typische Schocktraumen sind Unfälle, Naturkatastrophen, Zeugenschaft schwerer Unfälle (Sekundärtraumata) und einmalige Erfahrungen von körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Auch eine Trennung, eine medizinische Operation, eine Sportverletzung, ein Sturz oder der Abort eines Kindes können Schocktraumen sein.


Bei der Arbeit an Schocktraumen arbeite ich nur mit Personen, die ich berühren darf, um sie zu regulieren. Dies impliziert nämlich eine gute Beziehung und Bindung, die es bei Schocktraumen unbedingt braucht. 

"Warum Trauma mehr ist, als eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)"

Was sind Bindungs- bzw. Entwicklungstraumen?

Entwicklungs- und Bindungstraumen hingegen finden in der Traumatologie noch immer viel zu wenig Beachtung. Traumafolgesymptome entwickeln sich hier dann, wenn Menschen vorgeburtlich, perinatal, in ihren ersten Lebensjahren und später keine ausreichend stabile Bindung erleben bzw. die unsicheren, destruktiven, ängstlichen, ambivalenten oder chaotischen Bindungsmuster ihrer Bezugspersonen lernen und übernehmen. Wenn ich mich als Kind nie gesehen fühle, Stunden lang schreien muss und dabei Todesangst erlebe, weil meine Eltern nicht kommen und mich regulieren, wenn ich alleine gelassen werde, nahe Bezugspersonen verliere, Tage lang durch Anschweigen bestraft werde, von meinen Eltern parentifiziert oder massiv beschämt werde, bilden sich später meist spezifische Symptome und gravierende Langzeitfolgen aus. Auch Hospitalisierungen und Aufenthalte in Internaten können zu Entwicklungstraumen führen.


"Entwicklungstrauma" als Begriff ist ambivalent, weil "Trauma" so dramatisch und spektakulär klingt. Wir können hier anstatt von "Trauma" auch von "Wunden und Verletzungen" sprechen.



Was sind typische Symptome von Entwicklungstraumen?

  • Eine Permanente innere Anspannung und Unruhe
  • Gefühle von Schuld und toxischer Scham
  • Emotionale Flashbacks
  • Dysregulation
  • Shutdown und innere Untererregung
  • Sich nicht zu fühlen und zu spüren, d.h. keinen Kontakt zum eigenen Körper, den Emotionen und Bedürfnissen zu haben
  • Gefühle innerer Leere und sich wie abgeschnitten zu fühlen
  • Die Welt wie durch Glas oder Watte zu erleben
  • Selbsthass und Selbstwertprobleme
  • Burnout und Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Angststörungen und Phobien
  • Schwierigkeiten, stabile Bindungen und Partnerschaften einzugehen oder aufrechtzuerhalten
  • Sexsucht

"Die Auswirkung von frühen Verletzungen auf unsere Beziehungen"

Viel mehr Personen sind von Traumen betroffen, wenn wir Bindungs-, Beziehungs- und Entwicklungstraumen berücksichtigen. Ein Blick auf Tinder, Planetromeo, Grindr und diverse Datingportale kann uns hierbei die Augen öffnen. Ich persönlich kenne mehr Menschen, die unter Entwicklungstraumafolgesymptomen leiden als nicht davon Betroffene und Personen mit einem sicheren Bindungsstil. Auch der Klimawandel ist ein typisches Symptom für eine traumatisierte Gesellschaft, die völlig kontaktlos zu ihrer Umwelt ist.


Die Arbeit an Entwicklungstraumen erfordert Geduld, Zeit und ein gesellschaftliches Umdenken

Für die Krankenkasse gebe ich gerne die Diagnose "F62.0 Andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung", damit meine Patient*innen möglichst viele Stunden erhalten. Ich beantrage hierfür meist einmal 100 Stunden, realistisch sind bei sehr starker Dysregulation aber 400 bis 600 Stunden. Ich bin oft verwundert, wie wenig Sensibilisierung hier im Gesundheitssektor vorhanden ist und wenn Sozialversicherungsträger davon ausgehen, dass Menschen mit schweren Bindungstraumen nach nur 50 bis 100 Stunden geheilt seien.


Das Ziel der Traumatherapie ist es, mit mir selbst und meiner Mitwelt wieder in eine echte Beziehung bzw. in guten Kontakt zu kommen und mich besser regulieren zu können. Dies erfordert Zeit, Geduld, Dranbleiben und auch Gnade mit mir selbst. Wir sollten uns von marktschreierischen Heilsversprechungen radikal distanzieren. Ich bin immer empört und verärgert, wenn manche selbsternannten Heiler*innen in nur einem Wochenendkurs rasche Hilfe und Heilung versprechen.

Über Trauma und Beziehungen - Verena König im Gespräch mit Dami Charf

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 13. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
Rituelle Gewalt und Mind Control  - Podcast
von Florian Friedrich 13. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Im Zentrum steht eine transparente menschliche Kopf-Silhouette.
von Florian Friedrich 13. September 2026
Rituelle Gewalt, Mind Control und False Memory: Warum therapeutische Erklärungen sorgfältig geprüft werden müssen In der Psychotherapie begegnen Fachleute immer wieder Menschen mit intensiven Ängsten, körperlichen Reaktionen, Erinnerungslücken, Albträumen oder schwer einzuordnenden inneren Zuständen. Solche Erfahrungen können zutiefst belastend sein und verdienen eine ernsthafte therapeutische Begleitung. Gleichzeitig stellt sich eine zweite, fachlich anspruchsvolle Ebene: Welche Bedeutung wird diesen Erfahrungen gegeben? Gerade dort, wo es um rituelle Gewalt, Mind Control oder vermeintlich verdrängte Erinnerungen geht, können Erklärungsmodelle eine besondere Macht entwickeln. Aus einer zunächst möglichen Hypothese kann schrittweise eine Gewissheit werden. Und aus einer Gewissheit kann schließlich eine umfassende Erklärung für die eigene Lebensgeschichte entstehen.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 12. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.