Was ist das Seitenmodell in der Hypnosystemik?

Florian Friedrich • 12. Dezember 2025

Ein wesentlicher Baustein im hypnosystemischen Ansatz

Das Seitenmodell von Gunther Schmidt ist ein Kommunikations- und Reflexionsmodell aus der systemisch-lösungsorientierten Kurztherapie und dem Hypnosystemischen Ansatz. Es dient dazu, innere Anteile einer Person übersichtlich darzustellen und besser mit ihnen zu arbeiten. Schmidt nutzt das Modell u. a. zur Utilisation, zur Ressourcenaktivierung und zur Entscheidungsfindung.


Grundidee

Ein Mensch besteht nicht aus einem einheitlichen Ich, sondern aus verschiedenen „Seiten“ (inneren Anteilen), die in unterschiedlichen Situationen aktiv werden. Diese Seiten können diverse Bedürfnisse, Gefühle, Überzeugungen und Handlungstendenzen haben.



Das Seitenmodell macht sichtbar:

  • Welche inneren Seiten gerade präsent sind
  • Welche Anteile im Konflikt stehen
  • Welche Seiten Unterstützung, Würdigung oder Halt brauchen
  • Welche Ressourcen-Seiten gestärkt werden können
Was ist das Seitenmodell in der Hypnosystemik?

Aufbau des Modells

Typischerweise werden mehrere Seiten unterschieden, z. B.:

  • Problemseite – die Seite, die belastet ist, Symptome zeigt oder Schwierigkeiten benennt.
  • Lösungs- oder Zielseite – die Seite, die weiß, was eigentlich gewünscht ist.
  • Beobachtungsseite – eine distanzierte, wertschätzende Meta-Perspektive; zentral in der Hypnosystemik.
  • Positive Absicht der Seiten – jede Seite wird als hilfreich gedacht (systemische Grundhaltung: Alle Seiten haben eine positive Funktion).
  • Ressourcenseiten – Kompetenzen, innere Stärken, Unterstützerfiguren.


Im therapeutischen Dialog werden diese Seiten räumlich oder symbolisch angeordnet und angesprochen – oft körperlich im Raum oder imaginativ.


Wozu dient das Seitenmodell?

  • Innere Konflikte klären (z. B. „Ich will etwas tun, aber eine andere Seite bremst mich“).
  • Symptome würdigen, statt sie zu bekämpfen.
  • Selbststeuerung stärken: Über die Beobachtungsinstanz kann man bewusst zwischen Seiten wechseln.
  • Ressourcen aktivieren: Hilfreiche Seiten werden zugänglich gemacht.
  • Bewusste Entscheidungen treffen.



Beispiel

Eine Klientin möchte den Job wechseln, traut sich aber nicht:

  • Seite 1: „Ich will endlich raus hier, das tut mir nicht gut.“
  • Seite 2: „Das ist zu riskant, bleib lieber in Sicherheit.“
  • Beobachtungsseite: „Beide Seiten wollen etwas Gutes – wie kann ich sie in Einklang bringen?“
  • Ressourcenseite: Mut, Kreativität, Unterstützerfiguren.
trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 30. Juni 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 5. September 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 7. November 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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