Hypochondrien und Krankheitsängste überwinden

Florian Friedrich • 1. September 2025

Hypochondrien sind Angststörungen

Zentral bei vielen Angststörungen ist es, dass die betroffenen Menschen ihre Ängste vermeiden und dadurch langfristig die Angststörung aufrechterhalten. Kurzfristig ist es ja auch angenehmer und leichter, wenn ich etwa bei einer Hypochondrie zehn verschiedene Ärzt*innen anrufe und mir versichern lasse, dass ich keine schwere Erkrankung habe. Allerdings gibt dieses Vermeidungsverhalten jedes Mal der Angst neue Nahrung. Ich verspüre dann vielleicht für ein paar Stunden Erleichterung, danach kommen meine Krankheitsängste allerdings umso stärker zurück. Bei der Vermeidung werde ich nämlich darin bestärkt, dass ich meine Angst nicht aushalten und sie nur durch Rückversicherungen bei Ärzt*innen und Expert*innen ertragen könne.

Dies schwächt mein Selbstbewusstsein und meine Selbstwirksamkeit. Der Auslöser der Krankheitsängste wird so immer bedeutender, meine Gefühle von Hilflosigkeit, Kontrollverlust und meine „Angst vor der Angst“ werden zunehmend intensiver.


Lesen Sie in diesem Beitrag Tipps zur Selbsthilfe, wie Sie Hypochondrien bzw. Krankheitsängste besser in den Griff bekommen, einen guten Umgang damit entwickeln oder diese sogar überwinden können.

Hypochondrien und Krankheitsängste überwinden

Was ist das typische Vermeidungsverhalten?

  • Ein unkontrollierter Konsum von Gesundheitsforen und exzessive Internetrecherchen - oft viele Stunden am Tag
  • Das Vermeiden von gewissen Medien, um nur ja nichts von schwerwiegenden Krankheiten zu lesen und damit konfrontiert zu werden
  • Zu viele Arztbesuche
  • Zu wenige Arztbesuche bzw. das Vernachlässigen wichtiger Vorsorgeuntersuchungen
  • Ein permanentes Bodychecking
  • Wiederholte Untersuchungen (etwa bei HIV-Hypochondrie jede Woche einen HIV-Test machen und dann dem Testergebnis nicht vertrauen)


Der Weg aus der Hypochondrie: die Angstexposition

Bei der Angstkonfrontation/Angstexposition geht es darum, sich mit den eigenen Ängsten und Sorgen zu konfrontieren und sich sogar den schweren Ängsten bewusst auszusetzen. Sie machen dabei die Erfahrung, dass die Angst vor der Angst oft schlimmer ist als die befürchtete Situation und finden im Laufe der Zeit inneren Halt, Selbstwirksamkeit, mehr Selbstsicherheit und Zuversicht. Irgendwann lässt nämlich jede Angst nach, weil der Körper durch den Parasympathikus automatisch wieder Entspannung einleitet.

Wir können uns körperlich, emotional und psychologisch an die Angst gewöhnen. Wenn ich mich meiner Angst und der angstmachenden Situation bewusst wiederholt aussetze, so nimmt die Stärke der Angst in der Situation mit jeder Angstexposition kontinuierlich ab, d.h. die Kurve meiner Angst wird immer flacher. In diesem Prozess entwickelt sich ein guter Umgang mit der Hypochondrie.


Wichtige Angstexpositionen sind:

  • Mit dem Bodychecking aufzuhören
  • Das Rückversicherungsverhalten zu beenden
  • Nur noch seriöse Arztberichte zu lesen oder anzusehen
  • Auf unnötige Untersuchungen und Ärzt*innenhopping zu verzichten
  • Krankheitsbefürchtungen zu Ende zu denken, mir in der Fantasie vorzustellen und zu imaginieren, dass ich an einer schweren Erkrankung leide (Angstkonfrontation in Gedanken)
  • Nur noch seriöse Arztberichte und Gesundheitsberichte zu lesen
  • Gespräche über die gefürchtete Krankheit mit anderen zu führen

Film: "Illness anxiety disorder - Hypochondriasis. Fear of having a serious disease"

Erfahren Sie in diesem Film, wie die Hypochondrie medizinisch-psychiatrisch, psychotherapeutisch und soziotherapeutisch behandelt werden kann.

Folgende Fragen können Ihnen bezüglich Angstkonfrontation weiterhelfen:

  • Was genau an dieser Krankheit macht mir solche Angst?
  • Welche realen Folgen hätte es für mich, wenn ich die Krankheit hätte?
  • Was genau würde sich ändern?
  • Welche Nachteile für das Leben (etwa soziale Stigmatisierungen, die passieren könnten) habe ich dann zu erwarten?
  • Gibt es Menschen, die dann für mich da wären?
  • Könnte ich es aushalten, wenn ich diese Krankheit hätte? Wie könnte ich es aushalten? Wenn nein, warum nicht?
  • Was könnte mir dann trotzdem Halt, Zuversicht, Kraft und Freude im Leben bereiten?
  • Wie habe ich bisher schwierige Krisen gemeistert?
  • Was könnte ich dann tun, damit es mir besser geht?
  • Wie könnte ich mich dann gut um mich selbst kümmern (Selbstfürsorge)? Was brauche ich dabei von mir selbst? Was von meinem sozialen Umfeld oder Hilfenetzwerken?

Podcast von Verena König: "ngst und Panik auf dem Heilungsweg - verstehen und transformieren"

Die Traumatherapeutin Verena König erklärt, warum Angst und Panik häufig alte mobilisierte Überlebensenergie sind.

Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 12. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.
Weiße Rosen in einem Rosengarten vor schneebedeckten Bergen – poetisches Bild für Selbstreflexion
von Florian Friedrich 11. September 2026
Podcast über Psychotherapie und Hypnosystemik: Selbstwert, innere Muster, Glaubenssätze und die Frage, wie wir anders mit uns selbst umgehen können.
Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 9. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
von Florian Friedrich 9. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.