Beratung, Psychotherapie oder Coaching?

Florian Friedrich • 24. Dezember 2025

Warum es in der Hypnosystemik egal ist, ob wir Beratung, Psychotherapie oder Coaching sagen

In vielen professionellen Kontexten wird leidenschaftlich darüber diskutiert, ob ein Angebot Beratung, Psychotherapie oder Coaching ist. In der Hypnosystemik nach Gunther Schmidt spielt diese Unterscheidung jedoch eine überraschend geringe Rolle. Das ist kein Zufall – sondern Ausdruck eines grundlegend anderen Verständnisses von Entwicklungsprozessen und Veränderung.

Beratung, Psychotherapie oder Coaching?

Der Fokus liegt nicht auf dem Etikett, sondern auf den Veränderungsprozessen

Die Hypnosystemik interessiert sich nicht primär für formale Kategorien, sondern für die Frage: Was ermöglicht im Inneren eines Menschen hilfreiche Selbstorganisation?

Veränderung entsteht aus hypnosystemischer Sicht nicht dadurch, dass eine Expertin etwas anwendet, sondern dadurch, dass innere Systeme in passende Zustände bzw. Lösungsmuster kommen, in denen neue Erfahrungen möglich werden. Ob dieser Prozess unter dem Titel Therapie, Coaching oder Beratung stattfindet, ist für das Nervensystem nebensächlich.


Organismus, Hirn und Nervensystem unterscheiden keine Formate

Ein zentrales hypnosystemisches Argument lautet:
Das
autonome Nervensystem reagiert nicht auf Begriffe, sondern auf Erfahrungen.

Es reagiert auf:

  • Beziehungssicherheit
  • Wertschätzung und Resonanz
  • Sinnvolle Ziele
  • Wahlfreiheit
  • emotionale Stimmigkeit
  • Unterschiedsbildung
  • Autonomie

Die Bezeichnung des Settings hat darauf kaum Einfluss – manchmal wirkt sie sogar hinderlich, wenn sie problemorientierte oder defizitäre Trancen verstärkt.


Probleme sind keine Defekte, sondern kontextabhängige Muster

In der Hypnosystemik gelten Symptome nicht als Störungen, die „behandelt“ werden müssen, sondern als:

  • erlernte Muster,
  • die in bestimmten Kontexten sinnvoll waren oder sind.

Die zentrale Frage lautet daher nicht:

„Welche Diagnose liegt vor?“

Sondern:

„In welchem Zusammenhang zeigt dieses Muster seine Logik – und welche Alternativen könnten hilfreicher sein?“

Diese Perspektive passt ebenso in Coaching- wie in Therapiekontexte.


Die wirksamen Faktoren sind formatübergreifend

Hypnosystemische Arbeit nutzt Wirkprinzipien, die in allen drei Formaten identisch sind, zum Beispiel:

  • Aufmerksamkeitsfokussierung
  • Aktivierung von Ressourcen
  • Arbeit mit inneren Bildern und Körperzuständen
  • Perspektiv- und Kontextwechsel
  • Zukunfts- und Lösungsorientierung
  • Seitenmodellen
  • Alltagstrancen

Diese Wirkfaktoren sind empirisch gut belegt – und nicht an das jeweilige Etikett gebunden.


Haltung und Methode vor dem Etikett

Ein weiterer Kernpunkt der Hypnosystemik ist die Haltung der begleitenden Person:

  • nicht-pathologisierend, sondern ressourcenorientiert und utilisierend
  • kooperativ statt hierarchisch
  • autonomiefördernd
  • würdigend und respektvoll
  • demütig

Diese Haltung ist weder exklusiv für Therapie noch für Coaching. Sie ist vielmehr eine Beziehungsqualität, die Veränderung begünstigt – unabhängig vom Setting.


Klarheit ist wichtig – aber nicht über Begriffe

Hypnosystemik bedeutet nicht Beliebigkeit. Sehr wohl wichtig sind:

  • klare Auftragsklärung
  • Transparenz über Rollen und Verantwortung
  • rechtliche und ethische Rahmenbedingungen
  • Felt Sense

Doch diese Klarheit entsteht durch Vereinbarung und Kommunikation, nicht durch die Bezeichnung auf dem Türschild.



Fazit

Aus hypnosystemischer Sicht gilt: Nicht das Setting bewirkt Veränderung, sondern die Art, wie Aufmerksamkeit, Beziehung und Bedeutung organisiert werden.

Ob wir unsere Arbeit Beratung, Psychotherapie oder Coaching nennen, ist daher zweitrangig – entscheidend ist, welche inneren Prozesse wir ermöglichen und wie wir Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit stärken.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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