Probleme in der Partnerschaft hypnosystemisch utilisieren

Florian Friedrich • 21. Dezember 2025

Wie Beziehungskrisen zu Ressourcen für Entwicklung und Wachstum werden können

Partnerschaftliche Probleme werden häufig als Störung erlebt: etwas, das möglichst schnell gelöst, reduziert oder beseitigt werden soll. Streit, Rückzug, Eifersucht oder emotionale Distanz gelten als Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Der hypnosystemische Ansatz bietet hier eine erfrischend andere Perspektive:


Probleme sind keine Defekte – sie sind sinnvolle Reaktionen eines Beziehungssystems.

In diesem Artikel zeige ich, wie sich Probleme in der Partnerschaft hypnosystemisch utilisieren lassen – also so nutzen, dass sie zu Entwicklung, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit beitragen, statt die Beziehung weiter zu belasten.

Probleme in der Partnerschaft hypnosystemisch utilisieren

1. Der hypnosystemische Blick auf Partnerschaft

Der hypnosystemische Ansatz (maßgeblich geprägt von Gunther Schmidt, inspiriert von Milton Erickson und systemischer Therapie) verbindet zwei Grundannahmen:

  1. Systemisch: Verhalten entsteht immer im Kontext von Beziehungen und Wechselwirkungen.
  2. Hypnotherapeutisch: Aufmerksamkeit, innere Bilder, Körperzustände und unbewusste Prozesse steuern unser Erleben stärker als bewusste Einsicht.

Für Partnerschaften bedeutet das:
Konflikte sind keine individuellen Fehler, sondern
Ko-Regulationsmuster eines Beziehungssystems.


2. Was bedeutet „Utilisation“?

„Utilisation“ stammt aus der ericksonschen Hypnotherapie und meint: Alles, was da ist, wird genutzt – nichts wird bekämpft.

Übertragen auf Partnerschaftsprobleme heißt das:

  • Das Problem wird nicht pathologisiert
  • Es wird als kompetenter Lösungsversuch verstanden
  • Seine Funktion wird erforscht und nutzbar gemacht

Ein Streit, ein Rückzug oder eine Eskalation sind also kein Zeichen von Beziehungsunfähigkeit, sondern der Hinweis: Hier versucht etwas Wichtiges, gehört zu werden.


3. Probleme würdigen statt bekämpfen

Ein zentraler hypnosystemischer Schritt ist die Würdigung des Problems.

Statt:

  • „Wir streiten ständig, das zerstört alles.“

ist eine hypnosystemische Haltung:

  • „Euer System reagiert sehr schnell, wenn etwas Wichtiges bedroht ist.“

Diese Haltung verändert sofort die innere Dynamik:

  • Schuld weicht Neugier
  • Abwehr weicht Selbstbeobachtung
  • Kampf weicht Kooperation

Das Problem wird nicht gutgeheißen, aber respektiert.


4. Die positive Absicht des Problems erkennen

Jedes wiederkehrende Beziehungsmuster erfüllt – bewusst oder unbewusst – eine schützende oder regulierende Funktion und steht damit für anerkennenswerte Bedürfnisse.

Typische hypnosystemische Fragen sind:

  • „Wovor schützt euch dieses Muster?“
  • „Was würde fehlen, wenn dieses Problem plötzlich weg wäre?“
  • „Was versucht dieses Verhalten zu sichern?“

Beispiele aus der Praxis:

  • Rückzug → Schutz vor Überforderung oder emotionaler Verletzung
  • Eifersucht → Sicherung von Bindung und Bedeutung
  • Kontrolle → Herstellung von Sicherheit
  • Anpassung → Erhalt von Beziehung und Harmonie
  • Wut → Abgrenzung, Selbstbehauptung

Das Problem wird damit aus einer biografischen Perspektive verständlich – selbst wenn es heute nicht mehr hilfreich ist.

Video mit Gunther Schmidt: Die Partner:in ändern - wofür?

Gunther Schmidt, Begründer des hypnosystemischen Ansatzes, äußert sich sehr klar und zugleich wertschätzend zum Thema „den Partner ändern wollen“. Seine Haltung ist dabei weder resignierend noch belehrend, sondern konsequent beziehungs- und lösungsorientiert.

5. Externalisieren: Das Paar und das Muster

Ein weiterer zentraler Schritt ist die Externalisierung:

Das Problem ist nicht eine Person – es ist ein Muster, das beide beeinflusst.

Statt:

  • „Du bist immer so kalt.“
  • „Du bist zu emotional.“

Wird gesprochen von:

  • „Der Nähe-Distanz-Regulierung“ (bezogene Individuation nach Helm Stierlin)
  • „Der innere Alarm“
  • „Das Eskalationsprogramm“

Das hat tiefgreifende Wirkungen:

  • Das Paar verbünden sich und utilisieren das Muster
  • Schuldzuweisungen nehmen ab
  • Veränderung wird ein gemeinsames Projekt


6. Arbeit mit Aufmerksamkeit und Trancephänomenen

Hypnosystemisch bedeutet nicht zwangsläufig formale Hypnose. Vielmehr geht es um gezielte Aufmerksamkeitslenkung.

Beispiele:

  • Fokus auf Ausnahmen:
    „Wann ist dieses Problem weniger stark – und was ist dann anders?“
  • Körperorientierte Wahrnehmung:
    „Wo im Körper merkst du, dass dieses Muster gerade aktiviert wird?“
  • Zeitliche Distanz:
    „Wann hat dieses Verhalten euch früher einmal gut gedient?“

Dadurch wird das Muster:

  • bewusster
  • langsamer
  • steuerbarer

Automatik wird zu Wahlmöglichkeit.


7. Ressourcen im Problem entdecken

Hypnosystemisch wird gefragt: Welche Kompetenz zeigt sich hier – nur in einer übersteigerten Form? So kann etwa Misstrauen nach Fremdgehen zur gesunden Wachsamkeit im Dienste der Partnerschaft reframed werden. Oder hinter dem Mauern und Rückzug wird das Bedürfnis nach Zeit, Raum und Selbstregulierung geborgen.

Diese Ressourcen können dann bewusst eingeladen werden.


8. Neue Wahlmöglichkeiten statt Problembeseitigung

Der hypnosystemische Ansatz zielt nicht darauf ab, ein Verhalten „abzuschaffen“, sondern Handlungsspielräume zu erweitern.

Typische Interventionen:

  • „Du kannst dieses Muster weiterhin nutzen – und zusätzlich eine zweite Möglichkeit entwickeln.“
  • „Was wäre eine 5-%-Version dieses Verhaltens, die euch beiden besser dient?“
  • „Woran würdet ihr merken, dass euer System flexibler geworden ist?“

Schon kleine Verschiebungen verändern die Beziehungsdynamik oft deutlich.


9. Ein kurzes Fallbeispiel

Ein Paar berichtet über häufige, heftige Streitigkeiten.

Hypnosystemische Re-Framing könnte dann lauten: „Euer System reagiert sehr schnell, wenn Nähe oder Wertschätzung bedroht sind. Diese Geschwindigkeit zeigt, wie wichtig euch eure Beziehung ist.“

Utilisation:

  • Der Streit wird als Bedürfnis nach Bindung verstanden
  • Die Energie dahinter wird genutzt, um mehr Achtsamkeit für anerkennenswerte Bedürfnisse zu entwickeln
  • Eskalation wird nicht verboten, sondern ersetzt durch frühere Intervention

Das Problem verliert seine destruktive Macht, ohne bekämpft zu werden.



10. Fazit: Probleme als Entwicklungshelfer

Hypnosystemische Utilisation in der Partnerschaft bedeutet:

  • Probleme sind sinnvolle Versuche, mit Beziehung umzugehen
  • Muster entstehen aus Schutz, nicht aus Bosheit
  • Veränderung geschieht durch Würdigung, Bewusstheit und Wahlfreiheit
  • Beziehung wird nicht repariert, sondern weiterentwickelt

Oder anders gesagt: Das Problem ist nicht das Ende der Beziehung – oft ist es der Anfang eines tieferen Verständnisses.

Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
von Florian Friedrich 26. März 2026
Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.
trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse