Muss ich meine sexuelle Orientierung preisgeben?

Florian Friedrich • 4. August 2025

Das Recht auf Verschwiegenheit

Lesen Sie in diesem Beitrag, warum Sie Ihre sexuelle Orientierung nicht preisgeben oder sich outen müssen, wenn Sie schwul, lesbisch oder bisexuell sind.

Nein, denn ob ich einem anderen Menschen meine sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität mitteile oder nicht, ist meine persönliche Entscheidung. Auch das nicht-Mitteilen ist somit ein Menschenrecht. Ein Muss dazu darf es nie geben.

Muss ich meine sexuelle Orientierung preisgeben?

Der Druck, sich outen zu müssen - die repressive Entsublimierung

Heute leben wir in einer Gesellschaft, die oft (schamlose) Offenheit erwartet und Menschen geradezu unter Druck setzt, persönliche und intime Details preiszugeben. Früher gab es mehr Tabus und Verbote und Menschen wurden oft Schuldgefühle gemacht. Seit den 1970er Jahren hat sich zum Glück vieles gebessert, und wir haben mehr persönliche und juristische Freiheiten, wenn es um sexuelle Belange, Partnerschaften und die sexuelle Identität geht.


Allerdings lässt sich auch ein starker Trend beobachten, den man in den Sozialwissenschaften als „repressive Entsublimierung“ bezeichnet. Dieses hochtrabende Wort bedeutet der Zwang, sich freizugeben und frei zu zeigen (ohne es innerlich zu sein) und beschreibt eine Haltung, die das Gegenteil von personaler Freiheit darstellt. So wird man als junger Mensch oft schief angesehen, wenn man behauptet, nicht auf Sex zu stehen oder sich noch nicht bereit für Sexualität zu fühlen. Mitunter drohen diesem jungen Menschen sogar Stigmatisierung und sozialer Ausschluss. Oder es gibt die gesellschaftliche Erwartung, sich als schwuler Mann/lesbische Frau/bisexueller Mensch zu outen, „Farbe zu bekennen“, an Gay-Prides teilzunehmen und sein privates Innenleben der Öffentlichkeit preiszugeben. Mit der Freiheit ist es da nicht immer weit her, und so werden neue Zwänge geschaffen.

Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die diese gesellschaftliche Erwartung zum Coming-out stresst und unter Druck setzt. Hier gilt es dann therapeutisch zu bergen, was das authentische Bedürfnis der betroffenen Person ist.


Ein sich-Mitteilen kann zwischenmenschliche Beziehungen vertiefen

Noch einmal: Ich kann mit mir und der Welt zufrieden sein und meine Homosexualität/Bisexualität oder trans*Identität voll akzeptieren. Ob ich diese jedoch anderen Menschen mitteile, sollte immer meine ureigene und authentische Entscheidung sein. Natürlich kann das sich-Mitteilen Vorteile bringen, etwa eine Vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen, aber ich sollte mich hier nicht nach den Erwartungen der Gesellschaft richten, sondern mich immer fragen, ob eine Mitteilung privater und persönlicher Belange für mich überhaupt stimmig ist.


Die sexuelle Orientierung fällt unter den Datenschutz

Nicht umsonst gilt die sexuelle Orientierung und Identität einer Person als streng vertrauenswürdig. Sie wird rechtlich geschützt und fällt unter den Datenschutz. Vergessen wir auch nicht, dass das Gefühl der Scham eine wertvolle Funktion hat, nämlich den Schutz der Personenwürde, immerhin ist es auch nicht erstrebenswert eine „schamlose Person“ zu sein. 

Film: "Rosa von Praunheim outet homosexuelle Promis"

Andere Menschen zwangszuouten oder ihre sexuelle Orientierung weiterzuerzählen ist eine Form von psychischer Gewalt und ein Übergriff auf deren Personenwürde. Rosa von Praunheim ist hier ein Musterbeispiel für die repressive Entsublimierung. Ein Zwangsouting ist aber etwa bei Politiker*innen oder Prominenten legitim, wenn diese in der Öffentlichkeit homophob oder trans*phob auftreten.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.