Machen Traumafolgesymptome dick?

Florian Friedrich • 20. Dezember 2025

Übergewicht muss nicht mit Trauma zu tun haben

Viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen stellen sich irgendwann beschämt die Frage: „Warum nehme ich zu, obwohl ich mich so sehr anstrenge, abzunehmen?“ Oder: „Was stimmt nicht mit mir?“

Die wichtigste Antwort vorweg:

Nein. Traumafolgesymptome machen nicht automatisch dick. Aber sie können beeinflussen, wie dein Körper mit Stress, Essen, Schlaf und Energie umgeht.

Machen Traumafolgesymptome dick?

Trauma betrifft nicht nur die Psyche, sondern den ganzen Körper

Ein Trauma ist keine Erinnerung, die einfach „vorbei“ ist. Es ist eine Erfahrung, bei der dein Nervensystem gelernt hat: Die Welt ist nicht sicher.

Wenn dieser Alarmzustand lange anhält, bleibt dein Körper im Überlebensmodus. Das ist keine Schwäche und kein Versagen – sondern eine Schutzreaktion.

Dieser Modus kann auch dein Gewicht beeinflussen.


Warum sich das Gewicht nach Trauma verändern kann

1. Dauerstress im Körper

Wenn dein Körper ständig unter Stress steht, schüttet er mehr Stresshormone aus (z. B. Cortisol). Diese Hormone können:

  • den Appetit steigern
  • Fett leichter speichern (besonders am Bauch)

Das passiert automatisch, nicht, weil du etwas „falsch machst“.


2. Essen als Beruhigung

Essen – besonders Süßes oder Fettiges – kann kurzfristig beruhigen. Viele Menschen essen nicht aus Hunger, sondern weil ihr Körper Entlastung sucht.

Das ist kein Kontrollverlust, sondern ein Versuch, sich selbst zu regulieren.


3. Gestörtes Hunger- und Sättigungsgefühl

Nach Traumatisierungen spüren viele Menschen ihren Körper schlechter:

  • Hunger kommt plötzlich oder sehr stark
  • Sättigung wird kaum wahrgenommen

Wenn du deinen Körper nicht gut spürst, ist es schwer, normal zu essen.


4. Schlafprobleme

Schlechter Schlaf verändert die Ausschüttung von Hormonen, die Hunger und Sättigung steuern. Wer wenig schläft, hat oft:

  • mehr Appetit
  • weniger Gefühl für „genug“


5. Erschöpfung statt Bewegung

Trauma kostet Energie. Viele Betroffene fühlen sich müde, leer oder wie eingefroren. Weniger Bewegung ist dann keine Faulheit, sondern ein Zeichen von Überforderung.


6. Gewicht als Schutz

Manche Menschen nehmen unbewusst zu, weil mehr Gewicht sich sicherer anfühlt:

  • weniger Aufmerksamkeit von außen
  • mehr Abstand
  • mehr Stabilität

Das geschieht nicht absichtlich – sondern auf einer tiefen, unbewussten Ebene.


Wichtig: Nicht alle nehmen zu

Manche Menschen nehmen nach Trauma zu, andere ab, wieder andere schwanken stark. Es gibt kein typisches Trauma-Gewicht. Dein Körper reagiert auf seine Weise.


Warum Diäten oft nicht helfen

Wenn die Ursachen Stress, Angst oder innere Unsicherheit sind, lösen Diäten das Problem nicht. Sie können sogar zusätzlichen Druck erzeugen.

Was dein Körper zuerst braucht, ist:

  • Sicherheit
  • Beruhigung
  • Stabilität

Wenn dein Nervensystem sich reguliert, kann sich auch dein Gewicht verändern – ohne Kampf.



Was ist emotionales Essen?

Emotionales Essen ist ein häufiges Symptom bei Entwicklungstrauma, ein Bewältigungsmechanismus, der genutzt wird, um mit ungelösten Gefühlen oder emotionalem Schmerz umzugehen.

Das Bedürfnis nach Essen kann entstehen, wenn in der Kindheit emotionale Bedürfnisse nicht erfüllt wurden, z. B. nach Sicherheit, Nähe oder Selbstwert – und Essen wird dann genutzt, um ein Gefühl von Komfort, Beruhigung oder Sättigung zu erzeugen, das in Beziehungen fehlte.

Dieses emotionale Essen kann sich später auch in Gewichtszunahme oder Übergewicht äußern, weil das Essverhalten nicht nur mit Hunger, sondern mit Gefühlen, Bindung und Regulation verknüpft ist (z. B. „Essen hilft, innere Leere und Unzufriedenheit zu füllen“).

Warum Stress dich FETT macht (Dami Charf im Interview)

Was stattdessen helfen kann

  • Traumatherapie oder traumasensible Begleitung
  • Freundlicher Umgang mit dem eigenen Körper
  • Regelmäßiger Schlaf und feste Tagesstrukturen
  • Sanfte Bewegung statt Leistungsdruck
  • Lernen, Körpersignale wieder wahrzunehmen
  • Selbstregulierung und das Herstellen von innerer und äußerer Sicherheit
  • Gesunde zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Kontakte


Zum Schluss

Dein Körper ist nicht dein Feind. Wenn er sich verändert hat, dann nicht, um dich zu sabotieren – sondern um dich zu kurzfristig schützen, auch wenn ein hohes Gewicht langfristig schädliche Auswirkungen haben kann.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.