Weihnachten und Trauma

Florian Friedrich • 20. Dezember 2025

Warum Weihnachten für Menschen mit Bindungstrauma schwierig sein kann – und was hilft

Weihnachten gilt kulturell als Zeit der Nähe, der Familie und der Harmonie. Für viele Menschen mit Bindungstrauma fühlt sich diese Zeit jedoch nicht warm und geborgen an, sondern angespannt, überfordernd oder schmerzhaft. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist und was Betroffene konkret für sich tun können, um gut durch die Feiertage zu kommen.

Weihnachten und Trauma

Was ist ein Bindungstrauma?

Ein Bindungstrauma entsteht, wenn frühe Bezugspersonen – meist in der Kindheit – nicht zuverlässig sicher, emotional verfügbar oder schützend waren. Nähe war dann z. B. unberechenbar, beschämend, kontrollierend oder sogar gefährlich.

Typische Folgen können sein:

  • Schwierigkeiten mit Nähe und Vertrauen
  • starke innere Alarmreaktionen bei Beziehungsthemen
  • Angst vor Zurückweisung oder Vereinnahmung
  • ein schwankendes Bedürfnis nach Nähe und Rückzug

Diese Prägungen wirken oft unbewusst weiter – besonders in Situationen, die stark an Familie, Beziehung und emotionale Erwartungen erinnern.


Warum Weihnachten alte Wunden aktiviert

1. Hohe Erwartungen an Nähe und Harmonie

Weihnachten ist emotional aufgeladen: Man sollte dankbar sein, sich freuen, verbunden fühlen. Für Menschen mit Bindungstrauma kann genau dies Druck erzeugen.

  • Wenn Nähe früher unsicher war, kann sie sich heute bedrohlich anfühlen.
  • Das Gefühl, so empfinden zu müssen wie alle anderen, verstärkt innere Scham.

Das Nervensystem reagiert dann nicht mit Freude, sondern mit Stress, Rückzug oder Überanpassung.


2. Kontakt mit der Herkunftsfamilie

Familientreffen bringen oft alte Dynamiken zurück:

  • Rollen aus der Kindheit werden reaktiviert
  • unausgesprochene Konflikte liegen in der Luft
  • Grenzen werden (unbewusst) missachtet

Selbst wenn äußerlich alles „nett“ wirkt, erinnert der Körper sich oft sehr genau daran, wie es sich früher angefühlt hat.


3. Trigger durch Rituale, Gerüche und Erinnerungen

Weihnachten ist voller sensorischer Reize:

  • bestimmte Lieder
  • Gerüche von Essen oder Kerzen
  • Rituale aus der Kindheit

Diese können das Nervensystem direkt in alte Zustände versetzen – auch ohne bewusste Erinnerung. Plötzliche Traurigkeit, Leere oder Reizbarkeit haben dann oft keinen aktuellen Auslöser, sondern einen im Körper und Autonomen Nervensystem gespeicherten.



4. Einsamkeit wird sichtbarer

Wer wenig stabile Beziehungen hat oder bewusst Abstand hält, spürt an Weihnachten oft besonders stark:

  • das Gefühl, nicht dazuzugehören
  • Vergleiche mit idealisierten Bildern von Familie
  • alte Überzeugungen wie: Mit mir stimmt etwas nicht.

Das kann sehr schmerzhaft sein – und gleichzeitig alte Bindungsverletzungen verstärken.

Podcast von Verena König: 8 Inspirationen für Weihnachten jenseits des Traumastrudels

Die Traumatherapeutin Verena König betont, dass Weihnachten

  • alte emotionale Verletzungen besonders stark aktivieren,
  • Unsicherheits- und Stressreaktionen auslösen,
  • und alte Familiendynamiken wieder hochholen kann.

Sie empfiehlt daher, die Feiertage traumasensibel zu gestalten, eigene Grenzen zu achten und bewusst Ressourcen zu nutzen, um sich sicher und verbunden zu fühlen.

Was du konkret für dich tun kannst

1. Erkenne an: Deine Reaktion ist sinnvoll

Dein Erleben ist keine Schwäche, sondern eine logische Reaktion deines Nervensystems. Du reagierst nicht „über“, sondern erinnerst dich – körperlich und emotional. Allein diese Haltung kann innerlich den Druck etwas nehmen.


2. Reduziere Erwartungen – besonders deine eigenen

Du darfst:

  • Weihnachten anders verbringen als „üblich“
  • dich nicht freuen
  • dich zurückziehen
  • Grenzen setzen

Frage dich: Was ist dieses Jahr das freundlichste und sicherste Szenario für mich?


3. Plane bewusste Pausen und Rückzugsräume

Wenn du mit anderen zusammen bist:

  • gehe zwischendurch spazieren
  • ziehe dich kurz zurück
  • erlaube dir, früher zu gehen

Kleine Selbstregulationspausen helfen, Überflutung zu vermeiden.


4. Schaffe eigene, neue Rituale

Du darfst Weihnachten neu definieren:

  • ein ruhiges Essen allein oder mit einer vertrauten Person
  • Kerzen, Musik, Schreiben, Lesen
  • etwas Wärmendes, das dir guttut

Neue Rituale können dem Körper zeigen: Jetzt ist es anders. Jetzt bin ich sicher.


5. Verbinde dich mit mindestens einer sicheren Person

Das kann sein:

  • ein Telefonat
  • eine Nachricht
  • ein Treffen ohne Feiertagsdruck

Bindungstrauma heilt nicht durch Isolation, sondern durch dosierte, sichere Beziehungen und Verbundenheit.


6. Sei besonders mitfühlend mit dir

Weihnachten kann alte Trauer sichtbar machen – über das, was gefehlt hat.

Erlaube dir:

  • zu trauern
  • wütend zu sein
  • nichts schönreden zu müssen

Selbstmitgefühl ist in dieser Zeit keine Kür, sondern eine Grundversorgung für dich.



Ein abschließender Gedanke

Wenn Weihnachten für dich schwer ist, bedeutet das nicht, dass mit dir etwas nicht bestimmt. Es bedeutet lediglich, dass dein System gelernt hat, sich zu schützen.

Vielleicht ist dieses Weihnachten nicht dazu da, alte Idealerwartungen zu erfüllen – sondern einen kleinen Schritt näher bei dir selbst anzukommen. Und das ist mehr als genug.

Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
von Florian Friedrich 26. März 2026
Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.
trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse