EMDR in der modernen Traumatherapie

Florian Friedrich • 10. Dezember 2025

Die innovative Methode zur Traumaverarbeitung

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), zu Deutsch Desensibilisierung und Neubearbeitung durch Augenbewegungen, ist eine anerkannte und wirksame psychotherapeutische Methode, die primär zur Behandlung von Traumafolgestörungen, insbesondere der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), eingesetzt wird. Sie hat die Behandlung von Traumata revolutioniert, indem sie schnelle und nachhaltige Ergebnisse ermöglicht.


Wichtig: Ich selbst bin kein zertifizierter EMDR-Therapeut. Ich integriere allerdings bilaterale Stimulation in meine hypnosystemische Arbeit.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information.

EMDR in der modernen Traumatherapie

Was ist EMDR und wie funktioniert es?

Das Herzstück der EMDR-Therapie ist die bilaterale Stimulation des Gehirns, meist durch geführte Augenbewegungen. Während der/die Klient*in sich auf eine belastende Erinnerung konzentriert, folgt er/sie den Fingern des Therapeuten/der Therapeutin mit den Augen, die sich abwechselnd nach links und rechts bewegen. Diese Stimulation scheint einen Prozess im Gehirn zu aktivieren, der der natürlichen Informationsverarbeitung im REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) ähnelt.

Die Theorie besagt, dass traumatische Erlebnisse im Gehirn nicht richtig verarbeitet und isoliert gespeichert werden, wodurch sie bei Triggern immer wieder intensive emotionale und körperliche Reaktionen auslösen können. Die bilaterale Stimulation hilft dem Gehirn, diese blockierten Erinnerungen nachträglich zu verarbeiten, sie in das bereits Erlebte zu integrieren und von den intensiven negativen Emotionen zu entkoppeln. Die Erinnerung verblasst an emotionaler Intensität, und der/die Klient*in kann eine neue, angemessenere Perspektive auf das Geschehen entwickeln.



Anwendungsgebiete von EMDR

Obwohl EMDR vor allem für die Behandlung von PTBS bekannt ist, wird die Methode auch bei einer Reihe weiterer psychischer Belastungen eingesetzt, insbesondere wenn diese auf belastende Lebenserfahrungen zurückzuführen sind:

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Angst- und Panikstörungen
  • Depressionen, besonders wenn sie traumatisch bedingt sind
  • Starke Trauer nach Verlusterlebnissen
  • Chronische Schmerzen
  • Psychophysische Erschöpfungssyndrome (z. B. Burnout)
  • Folgen von Bindungstraumatisierungen und komplexen Traumata aus der Kindheit

EMDR-Therapie: Schluss mit belastenden Erinnerungen? | Terra Xplore mit Biologin Jasmina Neudecker

Der Ablauf einer EMDR-Sitzung

Eine EMDR-Behandlung folgt in der Regel einem strukturierten, achtphasigen Protokoll, das von qualifizierten Therapeut*innen angewendet wird.

  1. Anamnese und Behandlungsplanung: Zunächst wird die Krankengeschichte des Patienten/der Patientin erfasst und ein detaillierter Behandlungsplan erstellt. Die Ressourcen der Klient*innen werden eingeschätzt, um einen sicheren Rahmen zu gewährleisten.
  2. Vorbereitung: Der Therapeut erklärt die Methode und sorgt für eine vertrauensvolle, sichere Umgebung.
  3. Einschätzung (Assessment): Das spezifische Zielereignis (das Trauma) wird identifiziert, und die damit verbundenen negativen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen werden bewertet.
  4. Desensibilisierung: Dies ist die Kernphase. Der /die Klient*in konzentriert sich auf das Trauma, während die bilaterale Stimulation (Augenbewegungen, Taps oder Töne) angewendet wird. Der/die Therapeut*in leitet mehrere Sequenzen an, die jeweils etwa 30 bis 60 Sekunden dauern.
  5. Installation: Positive, stärkende Glaubenssätze werden verankert, um die negativen zu ersetzen.
  6. Körpertest (Body Scan): Der/die Klient*in überprüft, ob im Körper noch Restspannungen vorhanden sind.
  7. Abschluss: Die Sitzung wird beendet und der/die Klient*in stabilisiert.
  8. Nachprüfung (Reevaluation): Zu Beginn jeder neuen Sitzung wird der Fortschritt der vorherigen Sitzung überprüft.


Wissenschaftliche Anerkennung und Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von EMDR ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt und gilt als eine der am besten untersuchten psychotherapeutischen Methoden zur Traumabehandlung. In Deutschland ist EMDR seit 2015 für die Behandlung von PTBS durch die gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und wird bei dieser Indikation auch bezahlt. Forschungsergebnisse zeigen, dass bereits nach wenigen Sitzungen bei einem Großteil der Klient*innen eine deutliche Entlastung eintritt.


Wer bietet EMDR an?

Aufgrund der intensiven Auseinandersetzung mit tief verankerten traumatischen Erlebnissen erfordert die Anwendung von EMDR eine spezielle Qualifikation und Erfahrung im Bereich der Traumatherapie. Es wird dringend empfohlen, sich ausschließlich an approbierte Psychotherapeut*innen zu wenden, die Fortbildungen im Bereich der Traumatherapie absolviert haben.



Meine Arbeit mit bilateraler Stimulation:

Wie oben schon geschrieben, arbeite ich mit bilateraler Stimulation, mit rhythmischen Augenfolgebewegungen, sensorischen Verarbeitungshilfen, mehrkanaliger Reizverarbeitung und rechts-links-aktivierenden Interventionen und integriere diese in den Prozess meiner Traumaarbeit.

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