Ehrenrunden in der Hypnosystemik

Florian Friedrich • 10. Dezember 2025

Warum wir bestimmte Muster wiederholen – und wie wir sie würdigen und utilisieren können

„Warum passiert mir das schon wieder?“ – Eine Frage, die viele Menschen stellen, wenn sie feststellen, dass sich bestimmte Schwierigkeiten oder Muster in ihrem Leben wiederholen. In der hypnosystemischen Arbeit gibt es dafür einen besonderen Begriff: Ehrenrunden.


Ehrenrunden sind ein zentrales Konzept, das von Dr. Gunther Schmidt, dem Begründer der Hypnosystemik, geprägt wurde. Und sie bieten eine komplett andere, überraschend wertschätzende Perspektive auf menschliches Verhalten.

Ehrenrunden in der Hypnosystemik

Was sind Ehrenrunden?

Ehrenrunden beschreiben Wiederholungen von Denk-, Fühl- oder Verhaltensmustern, die scheinbar „schon längst hinter uns liegen sollten“, aber dennoch erneut auftauchen. Statt sie als Rückfall, Scheitern oder Versagen zu interpretieren, versteht die Hypnosystemik sie als:

👉 Wiederholte Versuche des inneren Systems, etwas Wichtiges zu schützen oder zu erfüllen.

Das heißt:
Wenn ein Muster wiederkommt, dann hat es eine gute Absicht – auch wenn es sich unangenehm oder hinderlich anfühlt.


Warum treten Ehrenrunden auf?

Ehrenrunden entstehen häufig dann, wenn:

  • eine Situation alte innere Alarmanlagen bzw. neuronale Netzwerke aktiviert
  • ein früherer Schutzmechanismus erneut Sinn zu machen scheint
  • eine neue Herausforderung unbewusste Unsicherheiten berührt
  • innere Anteile bzw. Seiten glauben, sie müssten „auf Nummer sicher gehen“

Hypnosystemisch betrachtet versucht das innere System also konsistent, loyal und schutzorientiert zu reagieren – selbst dann, wenn das Verhalten heute nicht mehr hilfreich ist.

Kurz gesagt:
➡️
Ehrenrunden sind eine Kompetenz, die nur noch nicht optimal aktualisiert ist.


Die wertschätzende Haltung der Hypnosystemik

Während andere Modelle Rückschritte pathologisieren, betrachtet die Hypnosystemik Ehrenrunden als natürliche Phänomene menschlicher Entwicklung. Es geht nicht darum, sich die Wiederholung schönzureden, sondern ihre gute Absicht zu würdigen.


Hypnosystemisches Grundprinzip:

Jedes Verhalten erfüllt in einem bestimmten Kontext eine sinnvolle Funktion.

Diese Haltung ermöglicht es Klient*innen, nicht in Selbstkritik zu versinken, sondern neugierig auf die innere Dynamik zu schauen.


Wie können Ehrenrunden utilisiert werden?

1. Würdigen statt bekämpfen

Das ist der wichtigste Schritt.
Wenn etwas wiederkommt, will es nicht „stören“, sondern „schützen“.

Eine typische hypnosystemische Frage wäre:

  • „Wovor möchte dieses Muster bzw. diese Seit dich gerade bewahren?“

2. Die gute Absicht sichtbar machen

Oft sind Muster entstanden, um früher:

  • Orientierung zu geben
  • Kontrolle zu behalten
  • Nähe oder Distanz zu regulieren
  • Bedrohung zu vermeiden

Wenn die Funktion klarer wird, entsteht Raum für Alternativen.

3. Neue Optionen anbieten

Die Hypnosystemik arbeitet stark ressourcenorientiert und nutzt Methoden wie:

  • innere Aufstellungsarbeit
  • Tranceprozesse
  • Zukunftsprojektionen („Wie würde ein kleiner Schritt in Richtung deiner gewünschten Version aussehen?“)
  • somatische Marker

Ziel ist, dem inneren System bessere Strategien anzubieten, die dieselbe positive Absicht erfüllen – nur hilfreicher.

4. Selbstempathie entwickeln

Statt zu denken: „Ich schaffe es wieder nicht“, kommt ein neuer Gedanke: „Ah – ein Teil von mir meint es gut mit mir. Er braucht gerade Sicherheit.“

Diese freundliche Seite gegenüber sich selbst verändert die innere Dynamik enorm.


Warum der Begriff „Ehrenrunde“ so kraftvoll ist

Er reframed das Geschehen vollständig:

  • Ehrenrunden ehren den bisherigen Weg.
  • Sie zeigen, dass ein System treu arbeitet.
  • Sie erlauben, Entwicklung ohne Druck zu betrachten.
  • Sie fördern eine Haltung von Würde, Respekt und Selbstzuwendung.

Und: Der Begriff nimmt den Stress heraus, perfekt funktionieren zu müssen. Lernen passiert eben nicht linear – sondern prozessartig in Entwicklunsspiralen.


Fazit: Ehrenrunden sind Entwicklungshelfer

Ehrenrunden gehören zum Leben dazu. Sie sind kein Rückfall, sondern ein Hinweis:
Ein innerer Teil arbeitet noch nach alten Landkarten und braucht Orientierung.

Die hypnosystemische Sichtweise eröffnet damit einen Weg, Muster nicht als Probleme, sondern als Einladungen zu verstehen – als Chance, sich selbst besser kennenzulernen und zugleich zu würdigen.

Wer Ehrenrunden als solche erkennt, gewinnt Selbstwirksamkeit, innere Klarheit und oft erstaunlich viel Gelassenheit.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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