Zwänge und Zwangsstörungen überwinden

Florian Friedrich • 3. Mai 2023

Die innere Einstellung ändern

Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, fühlen sich ihren Zwängen hilflos ausgeliefert, als ob der Zwang mit ihnen durchgehe. Daher ist es wichtig, die eigene innere Einstellung zu ändern, wenn der Zwang zu Besuch ist.


Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie einen besseren Umgang mit Ihren Zwängen finden können und diese dadurch abmildern, manchmal sogar überwinden können.

Wie kann ich Zwänge und Zwangsstörungen überwinden?

Eine andere Haltung einüben und Stellung zu den Zwängen nehmen

Es kann sehr hilfreich sein, eine andere innere Haltung zu den Zwangshandlungen und zum eigenen Verhalten einzunehmen und immer wieder zu üben. Nehmen Sie zur Ihrem eigenen Verhalten Stellung und sagen Sie sich vor, was Sie von ihrem zwanghaften Handeln halten, etwa so:

„Heute ist es etwas besser/oder schlechter mit meinen zwanghaften Handlungen und Ritualen. Ich glaube das ist deshalb, weil …“


Mit dieser inneren Stellungnahme kann ich auch für mich selbst klären, wie oft es für mich sinnvoll und wichtig ist, eine Zwangshandlung auszuführen. Überschreite ich meine von mir festgelegte Zahl, so kann ich mir innerlich vorsagen:

„Dreimal zu kontrollieren ist für mich sinnvoll und wichtig. Ich fühle mich dann sicherer. Wenn ich es aber jetzt viermal oder noch öfters tue, dann ist es nicht mehr notwendig. Ich brauche das jedoch jetzt für mich, damit ich mich beruhige und meine Angst abnimmt. Weil ich dadurch innere Sicherheit herstellen kann, aber nicht, weil es sachlich begründet oder nötig ist.“


Sich Zwangshandlungen selbst verschreiben und bewusst erlauben

Wenn alle Stricke reißen, dann gibt es auch noch folgende Möglichkeit: Ich erlaube mir meine Zwangshandlungen und Rituale und akzeptiere mich dabei so, wie ich bin. Bevor der innere Druck und Stress so stark werden, dass ich ihnen nachgeben muss und ich mich total ausgeliefert fühle, tue ich es lieber mit innerer Zustimmung. Ich kann eine Zwangshandlung auch freiwillig tun und nehme ihr dadurch den Charakter des inneren Zwangs.


Freiwillige Zwänge als Ausdruck der Selbstannahme

Der Grund dieser Freiwilligkeit ist, dass ich dabei eine liebevolle, selbstannehmende Haltung üben kann, die ja gerade bei Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, in der Regel fehlt. Ich stärke dabei die Beziehung zu mir selbst, halte meine innere Freiheit aufrecht und mache dabei die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Ich begebe mich aus der Opferrolle meiner Zwangshandlungen und kann sogar mit den Symptomen spielen.
Es handelt sich hierbei um eine Form von
Selbstdistanzierung, um dem Aufschaukeln der Zwangshandlungen und Zwangsrituale entgegenzuwirken. Dabei erlebe ich weniger Versagen, Enttäuschung und Depressivität, sondern ein Mehr an innerer Freiheit und Distanz zu meinem Symptom, den Zwangshandlungen.


Ein Erleben von Freiheit trotz des Zwangs

Einerseits geht es um das Aushalten des Zwanges und der Impulse, sich selbst durch Zwangshandlungen abzusichern, andererseits führe ich den Zwang freiwillig durch. Dieser Wechselschritt kann mir helfen, besser und gestärkter mit mir selbst umzugehen, und mein Lebensraum wird dadurch geweitet. Ich erlebe dann innere personale Freiheit trotz des Zwanges bzw. meiner Zwangshandlungen.

In der Existenzanalyse gibt es das Motto: „Ich soll nicht mehr tun, als ich kann“. Dann brauche ich eben eine halbe Stunde, um mein Haus zu verlassen, weil ich 50-mal kontrolliere, ob die Haustüre auch wirklich verschlossen ist, aber ich tue es mit innerer Zustimmung.

Film: "Gewaltfantasien und Angst vor Erbrechen: Ein Leben mit Zwangsstörungen"

In Deutschland leiden mindestens zwei Prozent aller Menschen unter Zwängen und Zwangsstörungen.


Das paradoxe Vorgehen: Ich lasse mich selbst nicht im Stich

Ich nehme dabei meine Zwangshandlungen als ein Symptom an, das ich heute, in dieser Stunde, dringend brauche und das manchmal auch einen schicksalhaften Charakter hat. Dabei handelt es sich um eine Verminderung meines Leides und meiner inneren Not. Dieses paradoxe Vorgehen ist immerhin besser als mich unfreiwillig meinen Zwängen hinzugeben und auszuliefern und wieder einmal die Erfahrung zu machen, dass ich scheitere. Ich lasse mich, wenn ich mich freiwillig meinen Zwangshandlungen hingebe, selbst nicht im Stich, stehe dabei zu mir und zu meinen Zwängen und nehme mich jetzt, in diesem Moment, einmal so an, wie ich bin. Das muss ich nicht mögen, aber ich kann versuchen, mich radikal zu akzeptieren. 
Existentiell und für das Leben gesehen ist es wichtiger, sich selbst nicht im Stich zu lassen und zu mir selbst zu stehen, als keine Zwangshandlungen mehr auszuführen.


Zwänge mit innerer Zustimmung ausleben

Der Ablauf von freiwilligen Zwangshandlungen kann folgender sein:

1. Ich gehe meinen Zwängen und Zwangshandlungen freiwillig vorweg. Ich lebe meine Zwänge mit innerer Zustimmung aus, anstatt dass ich dadurch gezwungen werde. Ich achte allerdings dabei, wie ich meine Zwangshandlungen erlebe und übe, mich dabei selbst anzunehmen und mir die innere Zustimmung zu geben. Das Ganze kann wie ein Urlaub vom innerlich-gegen-sich-selbst-Ankämpfen sein.
Ich achte dabei aber trotzdem genau auf meinen Körper, meine Emotionen und Gedanken und lebe meine Zwänge solange aus, bis es uninteressant wird.


2. Der zweite Schritt (dieser sollte an einem anderen Tag sein) ist ein
bewusstes Dagegenhalten gegen meine Zwangshandlungen. Ich übe und experimentiere dabei schrittweise mit der Haltung des inneren distanzierten Beobachters, wie es ist, den Zwang auszuhalten. Dabei erlaube ich mir selbst, jederzeit dem Zwang nachzugeben und interessiere mich zugleich, was in mir kognitiv, emotional und körperlich geschieht, wenn ich das Aushalten übe.

Ich brauche mich dabei nicht sosehr auf meine Ängste und Unsicherheiten zu konzentrieren, sondern lege stattdessen den inneren Fokus auf meine Kraft und Stärke, welche mir helfen, meinen Zwang auszuhalten, und auf das, was dabei in mir geschieht. Auch kann ich beobachten, was mir noch besser helfen kann, meinen Zwang auszuhalten (etwa eine gute Tiefenatmung oder positive Affirmationen, Imaginationen und Mantren). Ich konzentriere mich dabei ganz auf die Gegenwart, auf das Hier und Jetzt. Dabei kann ich neue Halt gebende Erfahrungen sammeln, die mich von meiner Zukunftsangst weglenken.


Ich versuche es, solange es geht, und gebe dem Zwang nicht nach. Ich erlebe dieses Opponieren ganz bewusst und beobachte mich mit innerer Distanz: Was tut sich da in mir?

Wenn ich es nicht mehr aushalte, dann verschreibe ich mir wieder freiwillig mein Symptom, meine Zwangsrituale und Zwangshandlungen. Ich tue das aus innerer Einsicht und aus eigener Motivation, um mich selber liebevoller anzunehmen, auch und sogar wegen meiner Zwänge. Ich erlebe dann innere und personale Freiheit trotz des Zwangs. 

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.