Elternmanagement bei ADHS

Florian Friedrich • 2. Januar 2026

Wenn das Familienleben ständig unter Strom steht - ein praktischer Weg zu mehr Ruhe, Beziehung und Wirksamkeit

Eltern von Kindern mit ADHS kennen diesen Alltag nur zu gut:
Der Morgen beginnt hektisch, Hausaufgaben enden im Streit, scheinbar einfache Aufforderungen führen zu Eskalationen – und am Abend bleibt oft das Gefühl zurück, wieder einmal nicht genug als Elternteil gewesen zu sein.

Viele Eltern fragen sich irgendwann:

  • Warum funktioniert das bei anderen Familien scheinbar mühelos?
  • Warum weiß mein Kind genau, was es tun soll – und tut es trotzdem nicht?
  • Was machen wir falsch?

Die ehrliche Antwort lautet: Gar nichts.  Denn ADHS ist keine Frage von Erziehung, sondern eine besondere Art der Selbststeuerung. Und genau hier setzt das Elternmanagement an.

Hypnosystemisches Elternmanagement bei ADHS

ADHS verstehen – jenseits von Schuld und Erschöpfung

Kinder mit ADHS sind nicht unwillig, respektlos oder faul. Ihr Gehirn arbeitet einfach anders:

  • Ihre Aufmerksamkeit ist sprunghaft, nicht dauerhaft steuerbar
  • Impulse sind schneller als das Nachdenken
  • Gefühle kommen intensiver und unmittelbarer
  • Stress blockiert anstatt zu motivieren

Was von außen wie Nicht-Wollen aussieht, ist häufig ein Nicht-Können in diesem Moment.

Ein zentraler Gedanke des hypnosystemischen Ansatzes (nach Gunther Schmidt), den ich hier vertrete, lautet deshalb:
Verhalten ist keine Charaktereigenschaft – sondern ein Lösungsversuch, der seinen Preis hat. Das bedeutet: Ihr Kind macht nichts gegen Sie. Es versucht, mit seinen inneren Zuständen zurechtzukommen.


Was bedeutet hypnosystemisches Elternmanagement?

Der hypnosystemische Ansatz verbindet zwei wichtige Perspektiven:

Systemisch

  • Verhalten entsteht immer im Zusammenhang bzw. in einem Kontext
  • Beziehungen, Erwartungen, Stress und Umgebung wirken mit
  • Veränderung betrifft nie nur das Kind, sondern das ganze System, Familie und Schule

Hypnotherapeutisch

  • Aufmerksamkeit folgt Bildern, Gefühlen und inneren Zuständen
  • Sprache wirkt – besonders die Sprache naher Bezugspersonen
  • Selbstwirksamkeit entsteht über innere Erfahrungen, nicht über Druck

Für Eltern bedeutet das, dass Kämpfen, Korrigieren oder Antreiben wenig hilfreich sind. Stattdessen helfen Haltgeben, Strukturieren und Sicherheit-Vermitteln.


Die wichtigste Veränderung beginnt bei den Eltern

So paradox es klingt: Nicht das Verhalten des Kindes ist der entscheidende Hebel – sondern der innere Zustand der Erwachsenen. Kinder mit ADHS orientieren sich stark am emotionalen Klima. Ein gestresstes, hilfloses oder ärgerliches Nervensystem der Bezugspersonen überträgt sich unmittelbar.

Hypnosystemisch gesprochen: Eltern sind der äußere Regulator, solange das Kind noch keine stabile innere Selbstregulation hat. Deshalb ist Selbstfürsorge kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit.

Ein einfacher innerer Satz kann im Alltag Wunder wirken: „Ich bin der sichere Hafen oder der Fels in der Brandung“.


Beziehung vor Verhalten – warum Nähe der Schlüssel ist

Viele Erziehungsratgeber setzen auf Konsequenzen, Regeln und Kontrolle.
Bei ADHS-Kindern führt das jedoch oft zu:

  • Machtkämpfen
  • Rückzug
  • emotionaler Eskalation

Der hypnosystemische Ansatz setzt bewusst vor dem Verhalten an.

Ein Kind kann sich nur dann regulieren, wenn es sich:

  • gesehen
  • verstanden
  • emotional verbunden fühlt

Das heißt nicht, alles zu erlauben. Aber es heißt: Erst kommt die Beziehung, dann die Orientierung.

Ein einfacher Perspektivwechsel: Anstatt zu sagen „Mein Kind provoziert mich.“ wäre es konstruktiver: „Mein Kind zeigt mir, dass es gerade überfordert ist.“



Der Alltag zu Hause: weniger Chaos, mehr Klarheit

Der Morgen – wenn jede Minute zählt

Der Morgen ist für viele Familien mit ADHS-Kindern besonders belastend.
Das Problem ist selten mangelnder Wille – sondern
Überforderung durch zu viele Reize. Helfen können hier die immer gleiche Reihenfolge, Rituale und Strukturen, visuelle Hilfen (Bilder, Pläne, Farben) und kurze, klare Schritte

Statt: „Zieh dich endlich an, wir sind spät dran!“ wäre es sinnvoller zu sagen: „Schau mal, wir sind bei Schritt zwei. Sag mir Bescheid, wenn du fertig bist.“ Struktur und Halt ersetzen dann ermüdende Diskussionen.

Was ist ADHS? | Eure Fragen | ARTE Family

Hausaufgaben – Lernen ohne Dauerkonflikt

Das Gehirn von Menschen mit ADHS lernt nicht linear. Personen mit ADHS brauchen Bewegung, Pausen und Wahlmöglichkeiten.

Hypnosystemisch wirksam sind kleine Entscheidungen, etwa dem Kind Wahlmöglichkeiten anzubieten und es zu fragen: „Willst du erst Mathematik oder Deutsch? Am Tisch oder auf dem Boden?“ So erlebt das Kind Kontrolle über den Prozess und nicht nur Druck.

Wichtig ist hier, das Kind weniger für das Ergebnis zu ermuntern, sondern vielmehr für seinen Einsatz: „Ich habe gesehen, wie du drangeblieben bist – das war anstrengend und anerkennenswert.“


Wut, Tränen, Überforderung – wenn nichts mehr geht

In emotionalen Ausnahmezuständen ist das Kind nicht erreichbar. Erklärungen, Moralpredigten oder Strafen verschärfen die Situation nur noch mehr.

Was dann hilft:

  • ruhig bleiben (auch wenn es schwerfällt)
  • wenig Worte
  • körperliche Präsenz oder wertschätzender Abstand

Ein starker Satz für solche Momente wäre etwa „Dein Gefühl ist gerade groß. Ich bin da.“

Erst wenn Ruhe, Halt und Selbstwirksamkeit zurückkehren, kann über Lösungen gesprochen werden.


Schule: zwischen Anpassung und Verständnis

Viele ADHS-Kinder erleben Schule als Ort ständiger Korrektur:

  • „Sitz still“
  • „Pass auf“
  • „Stör nicht“

Das nagt immens an ihrem Selbstwert.

Eltern können hier eine wichtige Gegenstimme sein, etwa durch Gespräche mit Lehrkräften auf Augenhöhe, durch den Fokus auf das, was hilft, nicht auf das, was stört und durch Verständnis für Bewegung, Pausen und Strukturbedarf. Hypnosystemisch gedacht ist Bewegung kein Problem – sondern oft eine Lösung.


Sprache formt Wirklichkeit – besonders zu Hause

Kinder hören nicht nur, was wir sagen, sondern wie wir über sie denken.

Sätze wie: „Du kannst dich nie konzentrieren“ oder „Warum bist du immer so …“, prägen innere Bilder.

Hilfreicher sind beschreibende, entlastende Formulierungen:

  • „Dein Kopf ist gerade sehr schnell“
  • „Das ist gerade schwer für dein Gehirn“

So bleibt das Kind kompetent, auch wenn das Verhalten in seinen Auswirkungen als schwierig erlebt wird.


Kleine Rituale, große Wirkung

Hypnosystemische Arbeit lebt von Wiederholung und Ritualen:

  • kurze Abendrückblicke: „Was ist dir heute gelungen?“
  • kleine Erfolgsmomente sichtbar machen
  • gemeinsame Reset-Momente bei Stress

Diese scheinbar kleinen Dinge stärken langfristig:

  • Selbstvertrauen
  • emotionale Sicherheit
  • Kooperationsbereitschaft



Zum Schluss: Eine Einladung an Eltern

Eltern von ADHS-Kindern leisten täglich enormes, oft unsichtbar. Elternmanagement bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, bewusst, mitfühlend und klar zu begleiten. Vielleicht ist der wichtigste Gedanke dieser: Mein Kind braucht keine bessere Version von sich – sondern Erwachsene, die ihm helfen, sich selbst zu verstehen.

Und auch Eltern dürfen sich daran erinnern: Wir können immer wieder die Beziehung zu unseren Kindern aktiv gestalten.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.