Einsamkeit - was kann ich dagegen tun? Psychologische Hilfe

Florian Friedrich • 19. August 2025

Einsamkeit und Isolation sind gefährlich für unsere Psyche

Gerade Shutdowns, Lockdown, häusliche Isolation oder eine behördlich angeordnete Quarantäne lassen viele Menschen sich einsam und isoliert fühlen. Die letzten Jahre der Corona-Pandemie mit ihren Maßnahmen sind nicht spurlos an den Menschen vorübergegangen. Einsamkeit und Isolation sind nämlich gefährlich für unsere psychische und körperliche Gesundheit. In der Isolation können sich psychische Symptome entwickeln, etwa Depressionen, Angststörungen, Wahnideen, Zwänge, oder sich verstärken.


Lesen Sie in diesem Beitrag Tipps gegen Einsamkeit und sozialen Schmerz und was Sie dagegen tun können. Ich biete psychologische Hilfe und Psychotherapie an, wenn Sie unter Einsamkeit leiden.

Einsamkeit im Lockdown oder in der Quarantäne - Psychotherapie

Kinder sterben, wenn zu viel alleine gelassen werden

Grundsätzlich sind wir Menschen soziale Wesen und sehnen uns nach der Nähe zu unseresgleichen. Ein Kind kann alleine nicht überleben. Versorgt man ein Kind emotionslos mit Nahrung, so stirbt das Kind, weil es auch emotionale Nähe, Liebe und Geborgenheit benötigt. Das haben die grausamen Versuche des Staufer Kaisers Friedrich II. gezeigt, der Babys und Kleinkinder von Ammen emotionslos versorgen ließ. Die Kinder haben nicht überlebt.

Auch erwachsene Menschen sind von der körperlichen und emotionalen Nähe zu anderen abhängig. Isolation, wie sie in vielen Gefängnissen noch immer eingesetzt wird, ist eine Foltermethode und stellt eine massive Menschenrechtsverletzung dar.


Das Gefühl der Einsamkeit macht Sinn und hat unser Überleben gesichert

Entwicklungsgeschichtlich war die Angst vor Einsamkeit überlebensnotwendig, da sie den sozialen Zusammenhalt sicherte und die Entwicklung sozialer Kompetenzen förderte. Insofern hatten Menschen, die stärker unter Einsamkeit litten, höhere Überlebenschancen und mehr Nachkommen, weshalb sich die Emotion der Einsamkeit in unserer genetischen Ausstattung und unserem biologischen Erbe befindet.

Einsamkeit hat die Funktion, dass sie unsere Bindungsfähigkeit stärkt und uns motiviert, den Kontakt und die Nähe zu unseren Mitmenschen zu suchen.

In der Psychologie wird zwischen Alleinsein und Einsamkeit unterschieden. Nach einem anstrengenden Arbeitstag kann ich das Alleinsein voll und ganz genießen, es auskosten und dadurch wieder ganz zu mir finden. Alleinsein wird in der Regel als bereichernd und befreiend erlebt. Es eröffnet kreative Potenziale, stärkt unsere Selbstfindung und Individualität und sensibilisiert uns für eigene Bedürfnisse. Auch in einer Partnerschaft benötigen Partner*innen immer wieder eine gesunde Distanz und das Alleinsein, um sich danach wieder umso mehr der/dem Partner*in zuzuwenden. 

Einsamkeit hingegen ist quälend und wird als aufgezwungen bzw. unfreiwillig erlebt. Unser Körper verkrampft sich in der Einsamkeit, wir haben oft das Gefühl von Enge. Mit dem Gefühl der Einsamkeit können mitunter Trauer, Scham, Selbsthass oder sogar Suizidalität einhergehen. 



Narzist*innen sind einsam

Wenn wir erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und miteinander verbunden sind, dann fühlen wir uns weniger einsam. Die größte Einsamkeit fühlen egozentrische und egoistische Personen, weil sie sich von der Verbundenheit zu ihren Mitmenschen und vom großen Ganzen abschneiden.


Einsamkeit als gesellschaftliches Symptom

Unsere Gesellschaft fördert bestimmte schädliche Bindungsmuster bzw. Bindungsstörungen. Die meisten von uns leben heute mehr im virtuellen Raum als in der konkreten Realität. Sie erleben die Welt wie durch Milchglas, denn virtuelle Welten und Kontakte sind keine echten Beziehungen.


Einsamkeit hat ihre Ursachen auch in der Biografie

Aber auch individuelle biografische Verletzungen sind Ursachen für Einsamkeit. Bei vielen Kindern ist bereits im Kleinkindalter ein innerer Rückzug zu beobachten.

Später führen sie dann ein Leben wie durch eine Glasscheibe, d.h. sie fühlen sich zutiefst unverbunden, als ob sie nicht dazugehörten. Es entwickelt sich rasch ein Teufelskreis, denn Einsamkeit führt zu Scham, welche uns noch einsamer werden lässt, da wir uns dann noch mehr zurückziehen.

Einsamkeit ist damit auch ein Symptom von Bindungsstörungen oder Bindungstraumen. Bei schweren Traumatisierungen und Bindungsunterbrechungen in den ersten Lebensjahren können wir zudem keine Objektkonstanz ausbilden. Das ist das Grundvertrauen, dass ich mit anderen Menschen verbunden bin und dass andere Menschen immer wieder zurückkommen werden und mir nahe sind, auch wenn ich gerade örtlich von ihnen getrennt bin.


Viele Menschen haben nie die Erfahrung gemacht, anerkannt, wertgeschätzt und akzeptiert zu werden oder sich zeigen zu dürfen und so zu sein, wie sie sind. Auch dies macht uns zutiefst einsam, denn wir haben nie gelernt, wie gesunder Kontakt und gute Beziehungen gehen. Deshalb bin ich ein starker Verfechter dafür, dass es ab der Grundschule ein Schulfach gibt, welches uns viele Stunden in der Woche beibringt, wie gesunde Beziehungen sind, wie Kontakt geht und wie wir unseren Körper, unsere Emotionen und Bedürfnisse besser fühlen können.

Filmtipp: "Einsamkeit"

In diesem Kurzfilm wird der Unterschied zwischen quälender Einsamkeit und gutem Alleinsein erklärt. Sehr viele Menschen fühlen sich isoliert und einsam - und sind es auch.

Was kann ich gegen Einsamkeit tun? Tipps und Tricks

Die gute Botschaft ist, dass wir auch im Zustand der Einsamkeit eine gute Selbstfürsorge entwickeln können.

  • So können wir über die Social Media, telefonisch oder über Videoportale leicht Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen. Dies ersetzt zwar nicht die körperliche Nähe, ist aber besser als gar kein Kontakt und stellt eine Überbrückungshilfe dar. Auch Krisentelefone oder Online-Beratung und Online-Psychotherapie können Einsamkeit abmildern und erträglicher machen.
  • Ein weiterer Baustein stellt die radikale Akzeptanz von Einsamkeit dar. Ich darf mich einsam fühlen, muss das Gefühl nicht unterdrücken oder dagegen ankämpfen. Diese Haltung kann das Aushalten der Einsamkeit leichter machen. Auch ist es wichtig, sich selbst etwas Gutes zu tun, sich selbst zuzuwenden, sich selbst zu trösten oder zu belohnen, etwa durch angenehme Aktivitäten, durch Meditation oder Gebet, durch die Wiederaufnahme von Hobbys, dem Ansehen von Lieblingsfilmen aus der Kindheit u.v.m.
  • Kein Mensch ist frei von Einsamkeit, und es liegt nicht in unserer Hand, ob und wann wir uns einsam fühlen. Gefühle sind und schießen automatisch ein. Allerdings sind wir relativ frei im Umgang mit unseren Gefühlen, so auch mit der Einsamkeit. Wir können Zustände der Einsamkeit bewusst gestalten, indem wir versuchen, innerlich mehr Freiraum und Spielraum zu bekommen, uns der Einsamkeit gegenüberstellen, sie aushalten, um dann besser mit der Emotion Einsamkeit umzugehen.

Film: "Stell dich der Einsamkeit!" (ARTE)

Dieser Film stellt sich der Frage, ob auch Gutes und Kreatives aus der Einsamkeit entstehen kann.

Wie kann ich besser mit Einsamkeit umgehen?

Grundsätzlich gibt es keine Tipps und Tricks, die uns helfen können, besser mit Einsamkeit umzugehen.

Allerdings empfehle ich:

  • Ersatzkompensationen (Handy, Alkohol, Drogen, Sex) zu reduzieren
  • Kontakt zu lernen und echten Kontakt zu üben
  • zu üben, in Verbindung zu gehen
  • gesunde Beziehungen zu lernen
  • Körperkontakt zu haben, der nichts mit Sexualität zu tun hat
  • an Kuschelpartys teilzunehmen
  • an gesunden Beziehungsmustern zu arbeiten
  • mir folgende Fragen zu stellen: Wo kann ich so sein, wie ich bin? Wer nimmt mich so an, wie ich bin? Wer zeigt echtes Interesse an mir und gibt mir auch meinen Raum?
  • Zu netzwerken und sich zu verbinden
  • gute Freundschaften zu pflegen
  • eine bindungs- und beziehungsorientierte Psychotherapie zu machen.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 12. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.
Weiße Rosen in einem Rosengarten vor schneebedeckten Bergen – poetisches Bild für Selbstreflexion
von Florian Friedrich 11. September 2026
Podcast über Psychotherapie und Hypnosystemik: Selbstwert, innere Muster, Glaubenssätze und die Frage, wie wir anders mit uns selbst umgehen können.
Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 9. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
von Florian Friedrich 9. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.