Mag. Florian Friedrich, BA

Psychotherapeut (Existenzanalyse)

Traumatherapeut

in Salzburg / Hamburg



Wichtig: Ich bin in meiner Praxis und auf meiner Warteliste schon komplett voll und kann daher niemanden mehr aufnehmen (eine Ausnahme sind Supervisionen).

Asperger, Autismus und Beziehungen

Florian Friedrich • Sept. 20, 2023

Was sind die Besonderheiten von Menschen mit ASS in Partnerschaften?

Lesen Sie in diesem Artikel über Autismus, Asperger und Beziehungen.


Personen mit ASS (Autismus-Spektrum-Störungen) haben in sozialen Beziehungen und Partnerschaften oft wesentlich weniger Erfahrungen als ihre neurotypischen Altersgenossen, und zwar über die gesamte Lebensspanne hinweg.

Gründe dafür sind:

  • eingeschränktere bzw. andere soziale Kompetenzen und Soft Skills
  • ein Unverständnis für nonverbale Signale, wie Mimik, Blickkontakt, Flirten
  • eine Schwäche beim Mentalisieren, das ist die Fähigkeit, die Perspektive der anderen zu übernehmen


Das Verhalten von Personen mit ASS wirkt deswegen manchmal auf neurotypische Menschen ungewöhnlich oder sogar unangemessen. Hier wird ersichtlich, dass es Personen mit ASS oft an den wesentlichen Grundbedingungen mangelt, intime und sexuelle Beziehungen einzugehen, aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Asperger, Autismus und Beziehungen

Film: "Was ist das Asperger Syndrom?"

Dennoch haben die meisten von ASS Betroffenen den innigen Wunsch nach Partnerschaften, Liebesbeziehungen, Nähe und Sexualität, und viele haben darin auch Erfahrung. Wird kein*e Partner*in gefunden, so hat dies meist mangelnde soziale Fähigkeiten zur Ursache.


Manche wenige von ASS-Betroffene bevorzugen das Leben als Single und nennen als Hauptgrund, dass der Kontakt mit anderen Menschen sie zu viel Kraft koste, anstrenge und erschöpfe. Es scheint so, als würden intime Beziehungen die Grenzen der Belastung von Personen mit ASS manchmal überschreiten.

Eine Empfindlichkeit, was Reize und externe Stimuli betrifft und eine eingeschränkte Kompetenz, auf die Wünsche und Bedürfnisse anderer einzugehen oder diese zu erfüllen, dürften Gründe hierfür sein.

Aber auch

  • Ängste, die Anforderungen an Sexualität und Partnerschaft nicht erfüllen zu können,
  • kein Wissen, wo ein*e Partner*in kennengelernt werden kann,
  • wie Partnerschaften funktionieren und
  • wie ein angemessenes Verhalten in einer Beziehung aussehen könnte

werden als Gründe angegeben.

Filmtipp: "Liebe mit ADS und Autismus"

Partner*innensuche und Dating

Manche Personen mit ASS verstehen nicht, warum um die Partner*innensuche so viel Aufhebens und Hypes gemacht werden. Sie würden am liebsten zu einem anderen Menschen hingehen und ihn einfach ganz direkt fragen, ob er ihr*e Partner*in sein möchte. Ein klares "Ja" oder "Nein" würde ihnen genügen.


Viele Betroffene möchten auch gar nicht flirten und brauchen nicht die ganze Aufregung rund um die Partner*innensuche und das sich-Kennenlernen. Sie erleben die Aufregung, Nervosität, körperliche Anspannungen, Verliebtheit und Schmetterlinge im Bauch eher als negativ, belastend und überfordernd, während neurotypische Personen diese Phase als positiv empfinden.


Neurotypische Menschen geben in der Phase der Verliebtheit wegen der Angst vor Ablehnung und Zurückweisung oft nur ihre positiven Facetten von sich Preis und zeigen sich von ihrer besten Seite. Persönliche Schwächen, Makel und Neurosen werden zunächst verschwiegen. Auch idealisieren sie ihr Gegenüber und wollen nur das Beste in ihm/ihr sehen. Dies kann Menschen mit ASS verwirren, weil ihnen dieses nicht-Zeigen von Schwächen und das Idealisieren und idealisiert-Werden fremd sind und völlig unlogisch erscheinen.


Flirten und Dates - die Schwierigkeiten

Schwierigkeiten für Menschen mit Asperger und Autismus können sein:

  • nicht zu wissen, was Flirten genau ist und wie die sozialen Regeln beim Flirten sind bzw. wie Flirten funktioniert
  • das Mitteilen oder nicht-Mitteilen von ASS und wann der rechte Zeitpunkt dafür ist
  • nicht zu wissen, wie Dates ablaufen und was hier passieren soll
  • nicht zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, eine andere Person anzusprechen und um ein Date zu bitten bzw. die Beziehung zu vertiefen
  • nicht zu wissen, wo ich andere Menschen kennenlernen kann, die mich daten möchten
  • nicht zu wissen, wie ich ein Date ablehnen kann, wenn mich eine andere Person darum bittet, ich aber keine Date mit ihr möchte
  • keinen Small Talk führen zu können, d.h. Unterhaltungen schlafen schnell ein; Menschen mit ASS verstummen dann mitunter
  • als Person mit ASS ausgelacht oder verspottet zu werden, wenn man um ein Date bittet oder einem Date zusagt
  • sich vor sexuellen, sexualisierten oder körperlichen Übergriffen nicht schützen zu können
  • sexualisierte Gewalterfahrungen


Partnerschaften können schwierig und überfordernd sein

Viele Menschen mit ASS leben bereits in einer Partnerschaft, und manche von ihnen fühlen sich damit überfordert. Hier ist es dann bedeutsam, die Schwierigkeiten und Überforderungen zu benennen, zu verstehen, Lösungen und einen guten Umgang damit zu finden. Denn es ist nicht notwendig, gleich an eine Trennung zu denken, wenn es zu Konflikten, Streitigkeiten, Unstimmigkeiten und Überforderungen in einer Partnerschaft kommt.

Andere Betroffene wiederum wünschen sich eine Partnerschaft und haben keinen Plan, wie sie diese angehen könnten.


Manche von Autismus und Asperger Betroffene haben nur unklare Vorstellungen davon, was eine Partnerschaft genau ist, welche Auswirkungen eine Beziehung konkret auf das Leben hätte und welche Rolle sie selbst in einer Partnerschaft hätten bzw. was ein*e Partner*in von ihnen erwarten könnte. Unklarheiten, Idealerwartungen, verzerrte Vorstellungen und zu hohe Ansprüche können in einer Psychotherapie hinterfragt und geklärt werden.


Vielen Menschen, die überfordert sind und Trennungsimpulse fühlen, helfen auch Pro- und Contra-Listen bezüglich einer Partnerschaft.

Hilfreich können des Weiteren Rückzugsräume und freie Zeiten von dem/der Partner*in sein, so genannte "autistische Safe Places oder Räume", die es auch innerhalb einer Partnerschaft immer wieder braucht.


Viele Personen mit ASS bevorzugen eine Partnerschaft mit einem Menschen, der auch von Asperger oder Autismus betroffen ist. Spezifische Probleme, die in einer Liebesbeziehung mit einer neurotypischen Person auftreten, können dadurch vermieden werden. Beziehungen zwischen zwei ASS-Partner*innen sind oft zufriedener als gemischte Partnerschaften.

Beide Partner*innen haben nämlich viel Verständnis für die Bedürfnisse nach Alleinsein, Rückzug und Abschottung und fühlen sich deswegen nicht gekränkt oder zurückgewiesen. Sie können zudem besser miteinander kommunizieren.


Sexualität und sexuelle Schwierigkeiten

Menschen mit ASS sollten verinnerlicht haben, dass in einer Partnerschaft immer genau abgeklärt werden muss, wie häufig und wann sexuelle Kontakte stattfinden. Es ist völlig in Ordnung, wenn eine* Partner*in keine Lust oder gar kein Interesse an Sexualität hat. Der/die andere Partner*in darf mich nie zu sexuellen Kontakten zwingen.


Mythen und Fehlannahmen zu Partnerschaften und Sexualität

Folgende Fehlannahmen und Mythen sind in der Gesellschaft weit verbreitet:


1. Mythos: Wenn ich mich einsam, depressiv oder leer fühle, dann liegt das daran, dass ich noch nie eine Partnerschaft hatte. Diese Probleme werden sich alle schlagartig auflösen, wenn ich eine*n Partner*in gefunden habe. 

Fakt:

Unglückliche Menschen oder Personen mit psychischen Beschwerden sind in einer Partnerschaft nicht mehr oder weniger glücklich und zufrieden denn als Singles.

Ernstere psychische Probleme und Beschwerden lassen sich nicht durch eine Partnerschaft lindern oder heilen. Dies ist häufig nur durch Lebenserfahrung oder durch eine Psychotherapie möglich. Viele Menschen, die psychische Probleme haben, leiden unter Bindungs- und Beziehungsstörungen. Sie sind zwar am Anfang einer Liebesbeziehung extrem verliebt. Doch schon bald zeigen sich wieder die alten psychischen Beschwerden, Schemata und Muster. Viele beenden dann vorschnell eine gute Partnerschaft.


2. Mythos: Sinn und Glück im Leben haben nur Menschen, die in einer Partnerschaft leben.


3. Mythos: Nur Menschen mit Asperger und Autismus haben Probleme eine*n passende*n Partner*in zu finden.

Fakt:

Viele neurotypische Menschen tun sich ebenfalls schwer, eine*n passende*n Partner*in zu finden.

Ein großer Teil von ihnen ist viele Jahre lange Single. Auch Datingplattformen führen nicht immer rasch zum Erfolg, sondern sind mit viel Ärger und Frust verbunden. Zudem erleben etliche Menschen emotionale, psychische oder sexualisierte Gewalt in einer Partnerschaft.

Wir leben in einer sehr narzisstischen, individualisierten und egozentrischen Zeit. Dies erschwert es, Partnerschaften auf einem erwachsenen Niveau zu führen. Viele Personen haben nämlich allzu hohe Idealerwartungen an eine Partnerschaft, unrealistische Vorstellungen und trennen sich zu vorzeitig, wenn es zu alltäglichen Konflikten kommt. Auch unter Neurotypischen sind Bindungs- und Beziehungsstörungen weit verbreitet und sie können sich nicht gut auf eine Liebesbeziehung einlassen.

FAZIT: Es brauch oft viel Zeit und Geduld, um eine gesunde Partnerschaft zu finden. Dies erfordert ein gelassenes Dranbleiben während der Zeit der Suche nach einem/einer Partner*in.


4. Mythos: Eine Partnerschaft kann man nur haben, wenn man mit dem/der andere*n auch Sexualität hat.

Fakt:

Zufriedene Partnerschaften sind auch völlig ohne Sex möglich.

Es gibt viele Menschen, die eine Partnerschaft ohne sexuelle Handlungen führen. Diese platonischen und freundschaftlichen Partnerschaften sind genauso wertvoll und gut wie sexuelle Liebesbeziehungen, wenn es für beide Partner*innen passt. Darüber hinaus gibt es auch asexuelle Menschen. Das sind Personen, die wenig bis gar keine sexuelle Libido haben und nie Sex praktizieren.


5. Mythos: Es ist nur dann Sex, wenn es zu einer Penetration kommt.

Starke Schmerzen - Psychologische Schmerztherapie
von Florian Friedrich 07 Mai, 2024
Was sind chronische Schmerzen und Schmerzstörungen? Chronische Schmerzen und Schmerzstörungen sind oft die Folge von akuten starken Schmerzen, etwa nach Verletzungen. Der Schmerz kann etwa dann chronisch werden, wenn der akute Schmerz nicht ausreichend behandelt wurde. In diesem Fall beginnt der akute Schmerz sich zu verselbständigen. Die Ursache des Schmerzes ist oft schon gar nicht mehr vorhanden, dennoch bestehen die chronischen Schmerzen weiterhin. Dies hängt mit dem Schmerzgedächtnis zusammen. Wenn z.B. immer wieder Schmerzsignale im Rückenmark und im Gehirn ankommen, kann es zu einer Übersensibilisierung gegenüber leichten Schmerzen kommen, die dann als starker Schmerz erlebt werden. Hierbei handelt es sich also nicht um „eingebildete“ Schmerzen, sondern um einen real gegebenen Schmerz. Das Gehirn hat nämlich einen falschen und kontraproduktiven Umgang mit Schmerzen gelernt. Hypnotherapie, hypnosystemische Ansätze und Hypnose Im Rahmen meiner Schmerztherapie arbeite ich mit hynosystemischen Ansätzen und mit Hypnose. Dabei würdigen wir Ihre Tapferkeit und Ihre Stärke. Im Rahmen der Schmerztherapie lernen Sie, von Ihren Schmerzen weniger überflutet zu werden und weniger Hilflosigkeit zu erleben. Stattdessen können Sie die Erfahrung machen, noch kompetenter und wieder handlungsfähig im Umgang mit Ihren Schmerzen zu werden.
Erste Hilfe bei Binge-Eating/Tipps bei Essanfällen
von Florian Friedrich 06 Mai, 2024
Was ist Binge-Eating? Beim Binge-Eating handelt es sich um wiederholte Essanfälle, die als unfreiwillig erlebt werden. Die betroffenen Personen nehmen dabei gewaltige Mengen an Nahrung zu sich (etwa mehrere Torten), führen aber – im Gegensatz zur Essstörung der Bulimie – kein Erbrechen herbei. Beim Binge-Eating handelt es sich um eine Essstörung, welche zur Folge hat, dass die betroffenen Menschen schnell an Gewicht zunehmen. Die Menschen erleben sich als dem Essanfall ausgeliefert, wie unter einem inneren, gigantischen Zwang, große Mengen an Essen in sich hineinzustopfen und die Kontrolle über das Essverhalten (was und wie viel ich esse) zu verlieren. Danach fühlen die davon betroffenen Personen meist Scham, Selbstekel, schwere Schuldgefühle, Depressionen oder Selbsthass. Erfahren Sie in diesem Beitrag Tipps, was Ihnen als Erste Hilfe helfen kann, gut mit sich selbst umzugehen, wenn der Essanfall zu Besuch ist. Ich biete Psychotherapie bei Essstörungen (Magersucht, Bulimie, Binge-Eating) an.
Orientierung und Reorientierung in der Traumatherapie
von Florian Friedrich 06 Mai, 2024
Traumatisierte Menschen können sich nicht gut orientieren Leiden wir unter Traumafolgesymptomen, so verfallen wir oft in Starre oder in die totale Übererregung, die eine gute Orientierung verhindern. Viele Betroffene sind auch hochsensitiv und hypersensibel. Ein mangelnder Filter von Reizen führt dann immer wieder zu Hochstress, Überaktivierung und Erstarrung. Wir können nur lernen und neue korrigierende Erfahrungen verkörpern, wenn wir gut orientiert sind und uns sicher fühlen.
Cross-Dressing - Psychotherapie Salzburg/Hamburg/München
von Florian Friedrich 03 Mai, 2024
Was ist Cross-Dressing und ist es krank? Cross-Dressing bezeichnet das Tragen der Kleidung vom Gegengeschlecht, um sich zeitweilig dem anderen Geschlecht zugehörig zu erleben. Dabei besteht jedoch kein Wunsch nach dauerhafter Geschlechtsangleichung oder nach chirurgischen Eingriffen. Meist denken wir bei Cross-Dressern an Personen mit männlichem Geburtsgeschlecht. Es gibt jedoch auch Cross-Dresser, deren zugewiesenes Geschlecht weiblich ist. Der medizinisch-psychiatrische Begriff " Transvestit " für Cross-Dresser wird manchmal als abwertend empfunden. Er sollte daher nicht vorschnell als Bezeichnung für einen Menschen verwendet werden. " Transe " ist ebenfalls eine abwertende oder sexualisierte Bezeichnung. Gelegentlich verwenden trans* (trans*idente, transsexuelle, transgender, non binäre) Personen oder auch Drag Performer*innen „Transe“ als ironische Selbstbezeichnung. Vermeiden Sie allerdings, mit diesem Begriff über eine Person zu sprechen, da dies als kränkend erlebt werden kann. Cross-Dresser sehen sich mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert, etwa der Unterstellung, dass sie trans*ident seien oder eine andere sexuelle Orientierung hätten. Viele Cross Dresser sind allerdings heterosexuell. Cross-Dressing hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, sondern ist ein davon unabhängiges, eigenständiges Phänomen. Ein Mann, der Frauenkleider trägt, tut dies unabhängig davon, ob er schwul, bisexuell oder heterosexuell ist. Ich biete psychologische Hilfe, Coming-Out-Beratung und Angehörigengespräche bei Cross-Dressing und Transvestitismus an - auch online.
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