Trauma-bewusste Paartherapie und Sexualtherapie

Florian Friedrich • 20. November 2025

Mein traumatherapeutischer Ansatz in der Arbeit mit Paaren

Viele Partner*innen wuchsen bei traumatisierten Eltern mit schweren Bindungsstörungen auf und haben von diesen Bindungstraumen übernommen. Diese Beziehungswunden werden vor allem in Paarbeziehungen getriggert und erschweren als Traumafolgesymptome Partnerschaften und nahe Beziehungen.


Ich biete Trauma-bewusste Sexualtherapie und Paartherapie an.

Traumatherapeutische Paartherapie und Sexualtherapie

Gerade Bindungsschwächen und Bindungsstörungen sind pandemisch und werden von einer narzisstischen Leistungs- und Konsumgesellschaft gefördert.


Typische Symptome von Bindungstraumen in Partnerschaften sind:

  • Extreme Streits mit Impulsdurchbrüchen
  • Körperliche und emotionale Gewalt
  • Heimliches Fremdgehen und heimliche Außenbeziehungen
  • Alles totzuschweigen
  • Konflikte auszusitzen
  • Bindungsängste
  • Verlustängste und extreme Eifersucht
  • Gefühlskälte
  • Emotionale, psychische und körperliche Gewalt
  • Dem/der Partner*in Gefühle vorzuspielen
  • Nach außen hin die perfekte Fassade vorzutäuschen
  • On- und Off -Beziehungen
  • Sexuelle Funktionsstörungen und sexuelle Probleme
  • Probleme, sich selbst zu regulieren und sich auf echte Nähe, Beziehung und Sexualität einzulassen


Als Erwachsene reinszenieren wir in unseren Beziehungen und Partnerschaften meist eins zu eins, was wir in unserer Kindheit erleben mussten. So wie ich auf meinen Partner zugehe (etwa kalt und distanziert), so habe ich es als Kind von meinen Eltern erlebt (hier: kalt und distanziert), oder ich bin auch zu mir selbst distanziert, kontaktlos und kalt. Diese Bindungstraumen sind tief verinnerlichte Automatismen, die in unserem impliziten Gedächtnis abgespeichert und die uns nicht kognitiv bzw. explizit zugänglich sind. Sie müssen in einer Traumatherapie bzw. traumatherapeutischen Paartherapie erst einmal explizit gemacht werden.


Übrigens: Traumatherapeutische Paartherapie bedeutet, dass wir nur an den Bindungsstörungen, Bindungsschwächen und Traumafolgesymptomen im heute arbeiten. Die ursprünglichen Traumen müssen weder erinnert noch bearbeitet werden, was auch überhaupt nicht sinnvoll ist.



Warum ist Streiten nicht sinnvoll?

Heftiges Streiten ist nicht sinnvoll, weil wir dann in die emotionale Übererregung kommen, welche dann wiederum traumatische Bindungsmuster, Traumafolgesymptome und emotionale Flashbacks triggert. Auf diese Weise geraten wir nur noch immer tiefer in unsere Psychodynamik.

Wenn heftige Emotionen auftreten, ist es notwendig, eine Pause zu machen und den inneren Beobachter einzuschalten. D.h. ich setze mich hin, atme ein paar Mal tief durch und beobachte dann einfach nur meine körperlichen Empfindungen. Auf diese Weise kann ich mich selbst erden und regulieren.

"Bindungstheorie: Wie die Kindheit dein Liebesleben prägt"

In der traumasensitiven Paartherapie sollt Ihr übrigens nicht Eure Traumen aufarbeiten. Viele Partner*innen empfinden dies als zu intim, wenn sie vor ihrer/ihrem Partner*in über ihre biografischen Traumen sprechen. Allerdings fließen Elemente der Traumatherapie ein, wie etwa die Arbeit mit dem inneren erwachsenen Beobachter-Ich und das Üben von Selbstregulierung sowie Achtsamkeitsübungen.


Zudem ist eine Paartherapie nie sinnvoll, wenn ein*e Partner*in sich sehr toxisch und gewaltvoll verhält, etwa wenn ein*e Partner*in unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet oder ständig von Traumafolgesymptomen überflutet wird. Hier ist es schwer bis unmöglich, paartherapeutisch zu arbeiten.


Die Andersartigkeit als Triebfeder von gutem Sex

Sexuelle Anziehung in langjährigen Partnerschaften erhält sich dann, wenn Paare nicht symbiotisch sind, sondern sich immer wieder eingestehen, dass der andere anders ist und andere sexuelle Bedürfnisse hat.

Sex ist ein eigenständiges Element einer Partnerschaft. Wir sollten nicht miteinander Sex haben, weil das in einer Beziehung erwartet wird, sondern weil wir beide Lust darauf haben und geil aufeinander sind. Werden andere Themen in den Sex hineingebracht, so geht die Lust schnell verloren.

Wir müssen dabei Sicherheit und Unsicherheit bzw. Abenteuer immer wieder auspendeln, und uns Zeit, Raum, Lebensenergie und Priorität für Sexualität nehmen.

Oft brauchen wir dann nur Kleinigkeiten in der Sexualität zu verändern, und es kommt zu positiven Spiralen und Dominoeffekten.


Trauma und Sex: Traumasensible Sexualtherapie und Sexualberatung

Traumatisierte Menschen können die hohe körperliche Spannung der Erregung meist nicht halten, sondern kommen in eine extreme Übererregung oder in einen dissoziativen Freeze-Zustand, in dem sie gar nichts mehr spüren. Oder sie schämen sich für ihre starken Gefühle und Emotionen.

Hier ist es wichtig, zu lernen, sich selbst besser zu regulieren, um die hohe Spannung besser halten und containen zu können.


Übrigens: Menschen, die keine körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben, können beim Sex ebenfalls dysreguliert sein und Traumafolgesymptome zeigen. Denn auch Menschen, die als Babys und Kinder nie reguliert wurden und deshalb Entwicklungstraumen ausgebildet haben, können die oben genannten Symptome aufweisen.

Oder Sexualität triggert Bindungs- und Entwicklungstraumen in mir, und ich kann mich dann nicht auf einen Menschen einlassen, der mich liebt UND Sex mit mir hat. Ich spalte dann und habe etwa Sex nur mit Personen, die mich nicht lieben oder ich liebe Menschen und bin verliebt in sie, kann aber mit diesen keine Sexualität leben. Bindung lässt mich dann körperlich und emotional angespannt und übererregt werden oder ich falle in die Untererregung.


Übererregte und dysregulierte Menschen, die unter Bindungstraumen leiden, stehen permanent unter Strom und sind auch in der Sexualität extrem angespannt. Sie entladen zu viel Energie beim Sex und benutzen dafür ihre Sexualpartner*innen. Dies kann für den anderen extrem frustrierend und unerfüllend sein. Hier bedarf es gesunder Kompetenzen der Selbstregulierung, um nicht durch Entladung mittels Sex die Partnerschaft zu belasten oder die Partnerin zu instrumentalisieren.


Durch Sex wehren wir traumatische Ohnmacht ab

Durch Sex fühlen sich einige traumatisierte Menschen weniger hilflos und wieder pseudo-handlungsfähig und entladen die hohe Energie der Traumafolgesymptome durch Sex und Orgasmen. Damit instrumentalisieren sie jedoch ihre Sexpartner als Mittel zum Zweck. Der Sex wird dann ein Ausagieren und zum Blitzableiter.

Sex ist oft mit Themen aufgeladen, die überhaupt nichts mit Sexualität zu tun haben. Auch Konflikte, Machtkämpfe, Kränkungen und Beziehungsthemen werden über Sex ausgetragen. Dies macht Sex unsinnlich, unerotisch und wenig lustvoll. Sex ist eigentlich ein Dialog, und dieser geht rasch verloren, wenn Sex mit anderen Themen aufgeladen wird.



Die Kunst des Dranbleibens

Wenn wir Traumata erlebt haben, sollten wir umso achtsamer und aufmerksamer mit uns selbst sein, wenn wir Sexualität leben. Wir alle haben in unserer Kultur Traumaerfahrungen, die wir in die Sexualität einbringen oder dort ausagieren.

Dranbleiben an der Sexualität und an dem Prozess der Weiterentwicklung dauert lange, in der Regel Jahre. Wichtig ist es, dabei gelassen dranzubleiben. Denn es zahlt sich aus.

Podcast von Verena König: "Sexuelle Anziehung zu dem, was nicht guttut"

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