Trans*Identität und Selbstbefriedigung

Florian Friedrich • 28. Oktober 2025

Tipps für Psychotherapeut*innen und Behandler*innen

In diesem Beitrag möchte ich behandelnden Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und Ärzt*innen Informationen, Tipps und Fragen zur Selbsterfahrung bereitstellen, damit sie mit dem Thema Selbstbefriedigung bei trans*Personen besser umgehen können. Besonders für trans*Jugendliche ist Masturbation nämlich ein schwieriges Thema und erfordert viel Behutsamkeit und Feingefühl.

Trans*Personen und Masturbation - Tipps für die Therapie

Trans*Personen gehen ganz unterschiedlich mit Sex und Masturbation um

Aufgrund ihrer Geschlechtsdysphorie tun sich viele trans* (transidente, transgender, transsexuelle, non-binäre, genderfluide und diverse) Jugendliche äußerst schwer mit Sexualität, Selbstbefriedigung und dem lustvollen Erkunden des eigenen Körpers.

In der Psychotherapie ist es deshalb immer sinnvoll, Jugendliche behutsam und deren Grenzen respektierend zu ermutigen, ihren Körper zu erkunden.

Viele trans*Menschen leben bereits vor hormonellen und operativen Maßnahmen ihre Selbstbefriedigung und Sexualität lustvoll und erfüllend aus. Dies kann mitunter sogar eine wichtige Selbsterfahrung sein.

Manche Jugendliche decken sich etwa ihre Geschlechtsorgane mit einem Tuch ab und befriedigen sich unter diesem Tuch selbst, wobei sie sich währenddessen vorstellen, dass sie sich schon in ihrem Wunschgeschlecht befinden. Hier bin ich immer wieder überrascht, wie kreativ Menschen mit ihrer Geschlechtsdysphorie umgehen und von selbst auf hypnotherapeutische Methoden und heilsame Imaginationen stoßen.


Eine feine Gratwanderung zwischen Tabuisierung und therapeutischer Übergriffigkeit

Festzuhalten sei an dieser Stelle, dass es trans*Menschen gibt, die so viel Ekel, Abneigung, Selbsthass und Groll auf ihren Körper empfinden, dass ihnen Selbstbefriedigung oder Paarsexualität völlig unmöglich sind. Dies ist zu akzeptieren und ein Hinweis darauf, wie stark die Geschlechtsdysphorie bzw. trans*Identität ist.

Die Beschäftigung mit Selbstbefriedigung in der Arbeit mit trans*identen Jugendlichen ist eine Gratwanderung zwischen Tabuisierung und Überforderung der Jugendlichen (etwa durch grenzüberschreitendes Nachbohren und Konfrontieren).


Es ist ein Fallstrick, wenn ich als Psychotherapeut*in das Thema Selbstbefriedigung in der Arbeit mit trans*Personen tabuisiere, weil ich hier aufgrund eigener Schamgefühle zu befangen bin.

Das Wichtigste ist, dass unsere trans*Klient*innen spüren, dass wir authentisch und offen über Selbstbefriedigung und Sexualität sprechen können.

Ich selbst teile meine Offenheit gerne in folgenden Worten mit:

"Du weißt ja, dass ich auch Sexualberatung und Sexualtherapie anbiete. Wenn du also Fragen zu Liebe, Erotik, Partnerschaft, Selbstbefriedigung oder Sexualität hast, dann kannst du diese Fragen hier in diesem sicheren Rahmen immer ansprechen. Ich weiß z.B. von anderen trans*Jugendlichen, dass Selbstbefriedigung ein großes, manchmal auch sehr belastendes Thema sein kann."

Manchen trans*Jugendlichen hilft auch die Frage, wie sie sich selbst in Träumen, in erotischen Phantasien, in Imagination etc. erleben.


Sexualität und Masturbation sind keine Voraussetzungen für ein positives Gutachten

Es ist jedenfalls kein Grund, ein Gutachten bzw. eine Stellungnahme für Pubertätsblocker, Hormontherapien oder chirurgische Maßnahmen zu verweigern, wenn trans*Jugendliche keine Erfahrungen mit Sexualität haben.

Sexualität, Partnerschaften, Erotik, Liebe und Lust lassen sich nämlich nicht ärztlich oder therapeutisch verordnen. Dies wäre gewaltvoll und psychisch übergriffig. Das Wesentliche für ein positives Gutachten ist ein stabiles trans*identes bzw. geschlechtsdysphorisches Selbsterleben.


Fragen zur Selbsterfahrung

Wichtige Fragen, die Ihnen als Therapeut*in, Ärzt*in, Psycholog*in oder Pädagog*in in der Arbeit mit trans*Jugendlichen helfen können und welche Ihre eigene Sexualität betreffen, können sein:


  • Wie erlebe ich mich und meinen Körper bei der Selbstbefriedigung?


  • Wie stehe ich überhaupt selber zur Selbstbefriedigung?


  • Wie ist es mir selbst als Jugendliche*r mit meinem Körper und meiner Autoerotik gegangen?


  • Möchte ich überhaupt über Selbstbefriedigung und Sexualität sprechen? Wo sind hier meine eigenen Grenzen?


  • Was wurde mir als Kind und Jugendliche*r über Masturbation beigebracht? Wurden mir deshalb Strafängste und Schuldgefühle manipuliert?


  • Wurde ich religiös oder evangelikal erzogen? Wenn ja: Wie hat dies meine eigene Beziehung zu meinem Körper und zu meiner Autoerotik beeinflusst?


  • Kann ich mir das einmal vorstellen, im Körper des Gegengeschlechts Sex zu haben? Wie fühle ich mich dabei? Was löst dies in mir aus?


  • Habe ich mich schon einmal im Gegengeschlecht fantasiert, wenn ich Sex hatte oder mich selbst befriedigt habe?


  • Gibt es Zonen meines Körpers, die ich während der Selbstbefriedigung oder Paarsexualität abstoßend oder ekelig empfinde und für die ich mich schäme?


  • Kenne ich Selbstekel, der sich auf meinen Körper bezieht, oder Abneigung und Wut auf meinen Körper oder gewisse körperliche Merkmale?


  • Hatte ich nach der Selbstbefriedigung schon einmal Scham- oder Schuldgefühle?


  • Hatte ich nach Paarsexualität schon einmal Ekelgefühle?


  • Gibt es Körperzonen, die ich im Ganzkörperspiegel nicht gerne betrachte? Wenn ja, welche?
trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.