Sich aus toxischen Partnerschaften lösen

Florian Friedrich • 27. Dezember 2025

Warum brauchen Menschen oft so lange, sich aus toxischen Partnerschaften zu lösen?

Das liegt an einer Mischung aus psychologischen, emotionalen und sozialen Faktoren, die eng mit unserem Bindungssystem und Gehirnchemie verknüpft sind. Hier ist eine kurze Erklärung.

Sich aus toxischen Partnerschaften lösen

1. Bindungsmuster und Angst vor Verlust

Menschen, die ängstlich gebunden sind, fürchten oft Ablehnung oder Trennung stärker als das eigene Unglücklichsein. Selbst wenn die Beziehung toxisch ist, überwiegt die Angst, allein zu sein. Unser Gehirn interpretiert Bindung manchmal stärker als Sicherheit als Schmerz, den wir aktuell erleben.

2. Emotionale Abhängigkeit und Belohnungssystem

Toxische Beziehungen sind oft wie eine Achterbahn: kurze Momente intensiver Zuneigung oder Liebe wechseln mit Konflikten und Enttäuschungen. Diese kleinen Belohnungen aktivieren das Dopamin-System im Gehirn, ähnlich wie bei Suchtverhalten. Menschen bleiben oft in der Hoffnung, dass das nächste Hoch kommt, obwohl die Beziehung insgesamt schädliche Auswirkungen auf sie hat.

3. Verzerrte Wahrnehmung und Hoffnung auf Veränderung

Toxische Partner versprechen oder zeigen manchmal Veränderung – das erzeugt kognitive Dissonanz: Man sagt sich, dass alles besser wird, obwohl die Realität anders aussieht. Die Hoffnung auf Verbesserung kann jahrelang halten, weil das Gehirn Veränderungen überschätzt, wenn Liebe und Nähe im Spiel sind. Auch gibt es in unserer Kultur viele Ideale, dass man durch Liebe einen Partner, der sich gewaltvoll verhält, heilen könne. Denken Sie etwa an das Märchen bzw. die Walt-Disney-Verfilmung von "Die Schöne und das Biest". Ich habe immer wieder Männer und Frauen in meiner Praxis sitzen, die diesem Ideal über Jahrzehnte hinweg auf den Leim gegangen sind.

4. Selbstwertprobleme und Schuldgefühle

Viele Opfer toxischer Beziehungen internalisieren die Schuld: „Wenn ich besser wäre, würde er/sie bleiben“ oder „Ich muss das aushalten“. Das schwächt die Fähigkeit, Grenzen zu setzen oder die Beziehung zu verlassen.

5. Sozialer und praktischer Druck

Gemeinsame Wohnung, Kinder, Freunde, Familie oder finanzielle Abhängigkeit erschweren den Schritt. Manchmal bleiben Menschen aus gesellschaftlicher Erwartung, obwohl innerlich schon klar ist, dass die Beziehung ungesund ist.

6. Trauma-Bindung

Wer toxische Muster wiederholt erlebt, kann eine Trauma-Bindung entwickeln: intensive emotionale Bindung an jemanden, der einen verletzt. Das Gehirn verknüpft Nähe mit Schmerz, was den Ausstieg extrem erschwert.



Fazit

Menschen bleiben oft lange in toxischen Beziehungen, weil Angst, Bindung, Suchtmechanismen und soziale Faktoren zusammenwirken. Das bedeutet nicht Schwäche – es ist ein normales menschliches Verhalten. Der Schlüssel liegt darin, die Muster zu erkennen, Selbstwert zu stärken und schrittweise emotionale und praktische Distanz zu gewinnen.

Podcast von Verena König: "Wie du dich aus toxischen Verbindungen lösen kannst"

In dem obigen Video findest Du wesentliche Anregungen, die  Verena König empfiehlt, sich aus toxischen Beziehungen zu lösen:


Verstehen, warum man bleibt

König betont, dass toxische Bindungen oft tief im Unbewussten verankert sind. Selbst wenn man bewusst erkennt, dass die Beziehung schädlich ist, kann ein innerer Mechanismus weiterhin festhalten – insbesondere, weil frühere Bindungserfahrungen (z. B. Kindheitstraumata) unwillentlich wiederholt werden. Das Selbstbild und emotionale Muster wirken weiter, auch wenn der Verstand „schon längst gehen möchte“.


Den Schlüssel im Inneren finden

Der eigentliche Schlüssel zur Lösung liegt laut ihr nicht nur im äußeren Trennen, sondern darin, das eigene innere Erleben zu verstehen und zu transformieren. Das heißt:

  • sich der eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Verletzungen bewusst werden,
  • die Muster hinterfragen, die zu toxischen Beziehungen geführt haben,
  • und lernen, diese nicht mehr unwillkürlich zu reproduzieren.


Bewusstsein allein reicht nicht

Allein zu wissen, dass die Beziehung toxisch ist, reicht oft nicht zum Loslassen – weil das Unbewusste alte Muster weiterhin bestätigt haben möchte. König betont, dass es darum geht, diese inneren Überzeugungen, die tief in uns sitzen, zu bearbeiten.


Die Beziehung zu sich selbst stärken

Ein weiterer zentraler Punkt ist, dass die Beziehung zu sich selbst eine wichtige Rolle spielt: Nur wer lernt, auf die eigene Wahrnehmung zu vertrauen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, kann konsequent Grenzen setzen und schädliche Bindungen verlassen.


Trennung als Prozess verstehen

König sagt, dass eine Trennung oft kein einmaliger Akt ist, sondern ein Prozess:

  • Zuerst die Erkenntnis,
  • dann die Entscheidung,
  • und schließlich die Umsetzung eigener Bedürfnisse und das konsequente Setzen von Grenzen.
    Wichtig ist, dass dieser Prozess zeitlich und emotional Raum bekommt.



Nervensystem und Trauma berücksichtigen

In Königs Buch und Podcast spielt die Verbindung zwischen Trauma, Nervensystem und Bindungsmustern eine große Rolle: toxische Beziehungsmuster sind oft Ausdruck eines überlebensbezogenen Reaktionssystems, das früher einmal notwendig war – aber im Erwachsenenleben nicht mehr dient. Indem man beginnt, das Nervensystem bewusst wahrzunehmen und zu regulieren, kann man die automatischen Reaktionsmuster nach und nach verändern.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.