Lesung: DIE GEISTERSCHMIEDE VON KULUB (Karl May)

Florian Friedrich • 9. Februar 2025

Gelesen von Florian Friedrich

Hören Sie meine Lesung von DIE GEISTERSCHMIEDE VON KULUB.

Es gibt die Theorie, dass Karl May mit diesem Gedicht eine homosexuelle Vergewaltigung während der Zeit des Zuchthauses zu verarbeiten suchte.

Lesung: DIE GEISTERSCHMIEDE VON KULUB (Karl May)

"Zu Märdistan, im Walde von Kulub

Liegt einsam, tief versteckt, die Geisterschmiede.

Da schmieden Geister?"

"Nein, man schmiedet sie!

Der Stumm bringt sie geschleppt, um Mitternacht,

Wenn Wetter leuchten, Tränenfluten stürzen.

Der Haß wirft sich in grimmiger Lust auf sie.

Der Neid schlägt tief ins Fleisch die Krallen ein.

Die Reue schwitzt und jammert am Gebläse.

Am Blocke steht der Schmerz, mit starrem Aug

Im rußigen Gesicht, die Hand am Hammer.

Da, jetzt, o Scheik, ergreifen dich die Zangen.

Man stößt dich in den Brand; die Bälge knarren.

Die Lohe zuckt empor, zum Dach hinaus,

Und Alles, was du hast und was du bist,

Der Leib, der Geist, die Seele, alle Knochen,

Die Sehnen, Fibern, Fasern, Fleisch und Blut,

Gedanken und Gefühle, Alles, Alles

Wird dir verbrannt, gepeinigt und gemartert

Bis in die weiße Glut - - -"

"Allah, Allah!"

"Schrei nicht, o Scheik! Ich sage dir, schrei nicht!

Denn wer da schreit, ist dieser Qual nicht wert,

Wird weggeworfen in den Brack und Plunder

Und muß dann wieder eingeschmolzen werden.

Du aber willst zum Stahl, zur Klinge werden,

Die in der Faust der Parakleten funkelt.

Sei also still!

Man reißt dich aus dem Feuer - -

Man wirft dich auf den Amboß - - hält dich fest.

Es knallt und prasselt dir in jeder Pore.

Der Schmerz beginnt sein Werk, der Schmied, der Meister.

Er spuckt sich in die Fäuste, greift dann zu.

Hebt beiderhändig hoch den Riesenhammer - - -

Die Schläge fallen. Jeder ist ein Mord,

Ein Mord an dir. Du meinst, zermalmt zu werden.

Die Fetzen fliegen heiß nach allen Seiten.

Dein Ich wird dünner, kleiner, immer kleiner,

Und dennoch mußt du wieder in das Feuer - -

Und wieder - - immer wieder, bis der Schmied

Den Geist erkennt, der aus der Höllenqual

Und aus dem Dunst von Ruß und Hammerschlag

Ihm ruhig, dankbar froh entgegenlächelt.

Den schraubt er in den Stock und greift zur Feile.

Die kreischt und knirscht und frißt von dir hinweg

Was noch - - -"

"Halt ein! Es ist genug!"

"Es geht noch weiter, denn der Bohrer kommt,

Der schraubt sich tief - - -"

"Sei still! Um Gottes willen!"

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