Keine Lust auf Sex, Leistungsdruck und Stress beim Sex

Florian Friedrich • 23. Juli 2025

Ursachen und Gründe sexueller Lustlosigkeit

Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Ursachen sexuelle Unlust haben kann und wie Leistungsdruck und Stress Ihre Sexualität negativ beeinflussen.


Ich biete Sexualtherapie und Sexualberatung an.

I offer sex therapy and sex counseling.

Keine Lust auf Sex, Leistungsdruck und Stress beim Sex

Mögliche Ursachen für Lustlosigkeit, Desinteresse und Frust beim Sex

Sexuelle Unlust hat viele Ursachen, ist aber meist ein komplexes paardynamisches Geschehen. Sexuelle Lustlosigkeit ist weit verbreitet und sollte nur dann in einer Sexualtherapie behandelt werden sollte, wenn die betroffenen Menschen einen Leidensdruck verspüren. Asexuelle Menschen etwa bedürfen keiner Therapie, da sie mit ihrer sexuellen Unlust zufrieden und glücklich sind. Insofern müssen wir immer vorsichtig mit vorschnellen Pathologisierungen sein.

Auch ist es völlig verständlich, dass bei Stress im Beruf, in der Partnerschaft oder in der Familie sexuelle Unlust vorübergehend auftreten kann.

Wenn sich allerdings beide Partner*innen selbst oder gegenseitig Stress machen, stellt sich die Libido rasch ein. Es entsteht dann ein Teufelskreis aus wenig Lust bei Partner A, Druck von Seiten Partner Bs, noch weniger Lust bei Partner A, noch mehr Druck von Partner B. Sexuelle Unlust ist somit ein komplexes paardynamisches Geschehen und lässt sich am leichtesten im Rahmen einer Sexualtherapie bzw. Paartherapie angehen.


Fallbeispiel aus der sexualtherapeutischen Praxis

Partner A leidet darunter, weil er weniger Lust auf Sex hat und von Partner B in die Rolle des Symptomträgers ("Du hast ja nie Lust!") gedrängt wird. Vermutlich hätte Partner A auch immer wieder Lust auf Sex, aber durch den Druck von Partner B verringert sich seine Lust zunehmend. Eventuell hat er auch Schuldgefühle, weil er Partner Bs sexuelle Bedürfnisse nicht erfüllen kann, was zusätzlichen Druck und Stress bei Partner A verursacht. Auch Verlustängste, dass Partner B sich einen anderen Sexualpartner sucht, wenn Partner A weniger Lust auf Sex hat, könnten sich einstellen.

Partner B hingegen leidet unter Partner As sexueller Unlust, die Partner B als sexuelle Zurückweisung interpretiert und ist zutiefst gekränkt: Warum hat Partner A keine Lust mehr, am Anfang der Partnerschaft hatten die beiden doch jeden Tag guten Sex? Ist er, Partner B, etwa nicht mehr erotisch genug für Partner A oder hat Partner A sogar eine geheime sexuelle Affäre? Partner B versucht sich nun attraktiver zu machen, Partner A immer wieder zu verführen und spürt unheimlichen Druck und Angst vor sexueller Zurückweisung. Diesen Druck und Stress spürt auch Partner A, der sich dann noch mehr zurückzieht. Es kommt, wie oft in der Sexualität, zu einem Teufelskreis, aus dem keiner der Partner mehr von selbst auszusteigen vermag.


Lösungswege finden

Als Sexualtherapeut würde ich Partner A fragen, warum er bei so viel Druck überhaupt Lust haben sollte. In der Sexualtherapie würden beide Partner lernen, den bitteren Ernst aus der Sexualität herauszunehmen und wieder einen spielerischen Umgang mit Distanz und Nähe, mit ihren Bedürfnissen, mit Lust und Unlust, mit Zärtlichkeit, Hingabe, sexuellen Wünschen und Fantasien zu finden.


Unterdrückte Emotionen und Bedürfnisse

Viele Menschen versuchen sexuelle Schwierigkeiten durch noch mehr Leistung zu kompensieren, anstatt die Botschaft ihres Körpers und ihrer Gefühle ernstzunehmen.

Sexuelle Störungen sind fast immer auch Beziehungsstörungen. Entweder ist die Beziehung zu mir selbst, zu meinen eigenen Emotionen, Wünschen und Bedürfnissen gestört, oder es gibt Störungen in der Paardynamik und innerhalb der Partnerschaft. Konflikte müssen dann erst einmal geklärt werden, bevor sich wieder sexuelle Lust einstellen kann.

Fast alle menschlichen Probleme schlagen sich in der Sexualität in irgendeiner Form nieder, eben auch Beziehungsstörungen. Zudem gibt es in der Sexualität einen irren Leistungsdruck und Stress.


Früher litten die Menschen unter Unkenntnis, Scham und Schuldgefühlen. Heute wissen junge Menschen bereits über sämtliche Sexualpraktiken, Techniken, Spielarten, Verhütung, sexuell übertragbarer Krankheiten gut Bescheid und sind gut aufgeklärt (wenn auch sie durch die Pornografie viele Halbwahrheiten und Fehlinformationen aufgenommen haben), das Spüren der eigenen sexuellen Bedürfnisse jedoch wird ihnen nicht beigebracht, und auch viele Erwachsene ignorieren ihre Gefühle und haben z.B. trotz Unlust und Ekelgefühlen Sex, weil sie denken, performen und sexuell funktionieren zu müssen. Die Botschaft des Körpers und der Seele wird dabei völlig ignoriert. Die verschiedensten Techniken, aber auch die moderne Pharmakologie mit ihren Potenzmitteln sollen dann die Vergewaltigung der eigenen Bedürfnisse erträglicher machen. Dass mein Penis bei sexueller Unlust oder Ekelgefühlen nicht steht, darf nie und nimmer geschehen. Er hat dann mittels Sildenafil (Viagra) zu funktionieren.


Das sexuelle Sein - Hingabe und geschehen-Lassen

Unsere Sexualität ist heute vom Leistungsdruck völlig kolonialisiert. Wir sollten lernen, weniger zu tun und zu machen, sondern stattdessen mehr zu sein, uns hinzugeben und geschehen zu lassen. Dann kann Sex ein wertvoller Ausgleich und ein wichtiges Regulativ sein. Je mehr wir beim Sex leisten wollen, desto mehr werden sich sexuelle Unlust und vielfältige sexuelle Funktionsstörungen einstellen, vom vorzeitigen Orgasmus, über die Impotenz bis hin zum Vaginismus.


Aufgestaute Gefühle und Bedürfnisse

Aber auch angestaute Gefühle, wie Wut, Trauer, seelischer Schmerz können zu Schwierigkeiten in der Sexualität führen. Lasse ich meine Gefühle zu und akzeptiere sie radikal, etwa, indem ich weine, wenn ich traurig bin oder mir meine Wut zugestehe, dann werde ich nach spätestens 20 bis 30 Minuten eine wohltuende Erleichterung und Entlastung erfahren. Denn kein seelischer Schmerz tötet uns, und wir können immer damit umgehen.

Orgasmusstörungen, Impotenz und sexuelle Unlust weisen uns immer auf Gefühle und Emotionen hin, die interpersonell oder intrapersonell keinen Ausdruck erfahren und oft nicht einmal gespürt werden dürfen. Angst, Unsicherheit, zurückgehaltener Schmerz, aufgestaute Wut und Stress z.B. führen zu Muskelkontraktionen, Anspannungen und Enge, die einer freien, geilen, lustvollen, und entspannten Sexualität im Weg stehen und den Orgasmus schal und leer machen oder ihn ganz verhindern.

Einerseits liegen in der Sexualität Chancen, authentische Gefühle frei und offen zu zeigen, auszudrücken und Freiräume zu schaffen, sich zyklischen Prozessen von Anspannung und Entspannung hinzugeben, andererseits macht aber auch genau das vielen Menschen Angst. Denn wir werden verletzlicher, wenn wir uns in unserem Sosein zeigen und die Kontrolle abgeben.


Es braucht eine gute sexuelle Kommunikation

Auch braucht es in der Sexualität immer klare Aussagen über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Als Sexualtherapeut erlebe ich es häufig, dass Partner*innen oft ganz unklar sind, wenn es um das Mitteilen eigener sexueller Bedürfnisse und Wünsche geht. Der/die andere Partner*in läuft dann oft Gefahr, die eigenen Wünsche auch nicht zu äußern und dem Rätselraten zu erliegen, was dem/der anderen nun wohl gefallen könnte. Dies verursacht völlig unnötigen Stress in der Sexualität, der unerotisch ist, etwa wenn ein Mann seine Frau während des Sex immer wieder ängstlich fragt, ob ihr der Vaginalverkehr nicht weh tue oder ob sie bald einen Orgasmus habe (hier liegt es in der Verantwortung der Frau, es dem Partner mitzuteilen, wenn sie Schmerzen hat und auch, ob sie überhaupt einen Orgasmus möchte). Zudem sind klare Aussagen über die eigenen Bedürfnisse die beste Basis für Verhandlungen und Kompromisse, wenn Differenzen innerhalb der Partnerschaft und Sexualität bestehen.

Eine gute sexuelle Partnerschaft lebt vom sich miteinander Abstimmen, vom Ausprobieren, sich-Mitteilen und einander immer besser Kennenlernen.


Fragen zur eigenen Sexualität

Zur Selbsterfahrung die eigene Sexualität betreffend können Ihnen folgende Fragen helfen:

  1. Was mag und schätze ich an meiner Sexualität ganz besonders?
  2. An welche schönen, geilen, lustvollen oder erfüllenden sexuellen Erlebnisse erinnere ich mich gerne?
  3. Was sind meine Stärken als Liebhaber*in? Was kann ich sexuell besonders gut und worin liegen meine sexuellen Vorzüge? Was haben mir Sexualpartner*innen rückgemeldet, dass sie an mir geil, erotisch, lustvoll, attraktiv, begehrenswert oder positiv erleben?
  4. Was finde ich an mir selbst geil, lustvoll, schön oder attraktiv?
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