Homophobie - Wege aus dem Trauma

Florian Friedrich • 20. November 2025

Verinnerlichte Homophobie als ein Entwicklungstrauma

Internalisierte bzw. verinnerlichte Homophobie meint, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle sich für ihre eigene Homosexualität schämen und manchmal sogar selbst hassen. Deshalb handelt es sich bei diesem Phänomen auch um ein typisches Entwicklungstrauma.

In diesem Beitrag möchte ich Wege aus dem Trauma aufzeigen.

Homophobie - Wege aus dem Trauma

Was sind die Folgen von Homophobie?

Gefährlich ist, dass die Opfer homophober Sozialisation und Diskriminierung diese in ihr Inneres hineinnehmen und verinnerlichte Homonegativität entwickeln. Sie erleben dann Gewalttaten und Benachteiligungen als gerechtfertigt und so, als ob sie die psychische oder körperliche Gewalt verdient hätten. Die Betroffenen fühlen sich innerlich gespalten zwischen ihren authentischen Bedürfnissen nach Identität, Liebe, Partnerschaft und Sexualität und ihrer schweren Selbstentwertung sowie ihrer Ablehnung.

Menschen, die ihre eigene (Homo-)Sexualität ablehnen, legen häufiger ein selbstschädigendes Verhalten an den Tag: Drogenmissbrauch, bewusste oder unbewusste Selbstverletzungen, aber auch Sexsucht und ungeschützten Sexualverkehr, bei dem das Risiko einer Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten eingegangen wird.

Die betroffenen Personen sind ständig unter Stress und in psychophysiologischer Übererregung. Oft erkranken sie psychosomatisch und entwickeln ein schlechteres Immunsystem, leiden unter Angst- und Panikstörungen und missbrauchen Substanzen.


Ein Beispiel:

Herr Z. wurde in den 1950er Jahren geboren und so erzogen und sozialisiert, dass er verinnerlichte, dass Homosexualität nicht nur eine schwere psychische Erkrankung sei, sondern auch ein strafrechtliches Verbrechen und eine Sünde.

Heute ist er schon 30 Jahre lang mit einer Frau verheiratet, die er geheiratet hat, weil es von seiner Familie und der Gesellschaft erwartet worden war. Er hat drei erwachsene Kinder. Von seiner homosexuellen Orientierung weiß niemand. Oft fühlt er sich einsam, isoliert und allein und versucht diese innere Leere durch anonyme Sexualkontakte zu füllen.

Eine fixe Partnerschaft mit einem Mann hätte Herr Z. zwar gerne, allerdings ist seine Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung viel zu groß, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Er lehnt ja innerlich seine Homosexualität sogar selber ab und hat wenig Selbstbewusstsein.

Bericht: LGBTI-Personen in Europa sehen sich zunehmend Gewalt ausgesetzt

Wie kann man verinnerlichte Homophobie überwinden?

Wichtig ist es, dass wir eine innere, erwachsene Beobachter-Instanz in uns etablieren, mit der wir unsere eigenen homonegativen Gefühle, Emotionen, Gedanken und Impulse auf einer Metaebene wohlwollend beobachten und integrieren lernen, um dann konstruktiv und selbstfürsorglich mit uns umzugehen.



Verinnerlichte Homophobie als Überlebensstrategie

Im Grunde genommen sind eigene homophobe Seiten nicht unser Feind, sondern sie waren einst Selbstschutz- und Überlebensstrategien unserer Psyche, d.h. sie waren Beschützer, Bodyguards und Freunde in einer unerträglichen gesellschaftlichen, sozialen und psychischen Situation. Das Symptom der verinnerlichten Homophobie war zugleich eine hochkompetente Lösung. Da Körper und Psyche ökonomisch, d.h. auch faul sind, bewahren sie Altbewährtes und zwar auch dann, wenn es im Jetzt nicht mehr adaptiv oder sinnvoll ist oder uns sogar schweren Schaden zufügt.


Fragen, die Dir hier helfen können, sind:

  • Was war das Sinnvolle an der internalisierten Homonegativität? Wovor hat sie Dich beschützt und bewahrt?
  • Was wäre passiert, wenn Du früher Deine Homosexualität völlig frei ausgelebt hättest? Was ist Dir durch das Verheimlichen erspart geblieben?


Die positive Nachricht ist hier: Durch üben, üben und üben können wir unsere alten homonegativen Muster umlernen, überschreiben und adaptieren. Dies erfordert freilich Geduld, Zeit und Training, wie wenn wir ein neues Handwerk erlernten.


Was mag diese Homonegativität für Menschen bedeuten, die auch noch in einem politischen System leben, wo Homosexualität verfolgt oder nicht wirklich frei gelebt werden kann, etwa in Russland, Polen oder Bulgarien?

Man muss eigentlich nur in unsere eigene Vergangenheit zurückblicken und ältere LGBS fragen, die noch strafrechtliche Verfolgungen, Inhaftierungen und Gewalt erlebt haben. Wenn mir Kerker, Folter, Polizeigewalt und juristische Diskriminierung drohen, dann bilden sich bei fast jedem/jeder Betroffenen schwere Traumafolgesymptome aus.

Diese unerträgliche Situation aus äußerer Bedrohung durch systemische Gewalt und dem "Feind in den eigenen Reihen" (verinnerlichte Homophobie) kann eigentlich niemand gesund überstehen.

Die betroffenen Menschen können sich in der Regel nicht einmal in ihren Familien oder im Freundeskreis outen und fühlten sich zutiefst einsam, isoliert, hilflos und verlassen. In der Regel sind sie gezwungen, Scheinehen einzugehen und ein belastendes Doppelleben zu führen. Die Homosexualität bzw. Bisexualität muss in diesen Ländern das ganze Leben lang geheim gehalten werden.


LGBs in diesen Ländern werden ihr ganzes Leben lang gezwungen, eine falsche Identität vorzuspielen. Sie müssen Heterosexualität vortäuschen, da ihnen ansonsten das soziale Aus, oft auch Folter, Totschlag oder Todesstrafe drohen.

Der Psychoanalytiker Arno Gruen beschreibt in seinen Werken präzise, wie sich auf diese Weise ein falsches Selbst ausbildet.

Der/die Betroffene errichtet zum Selbstschutz eine Fassade, spürt seine/ihre Bedürfnisse und Emotionen kaum noch und wird umso anfälliger für Ideologien, radikale Weltbilder und Schwarz-Weiß-Erleben. Später wird er/sie dann zum Rationalisieren neigen und seine/ihre Kränkungen, Verletzungen und Traumatisierungen an andere weitergeben oder durch verschiedene Abwehrmechanismen überkompensieren.

Doku: "Homophobie und Freiheitsdrang - Polen zwischen Tabu und Aufbruch"

Was braucht es aus gesellschaftspolitischer Sicht, damit sich Menschen ihrer homosexuellen Bedürfnisse nicht mehr schämen müssen?

Eine Erziehung zu Selbstliebe und Selbstannahme beginnt im Elternhaus, und zwar schon ganz früh, nämlich vorgeburtlich.

Das ist natürlich schwer oder völlig unmöglich, wenn Eltern selbst Entwicklungstraumen haben und nie erleben durften, dass sie liebenswert sind. Dann werden sie ihre eigenen Traumen, ihre Selbstablehnung und ihren Hass im Außen bekämpfen, nämlich an ihren Kindern, die eine andere sexuelle Orientierung haben. Wenn ich in mir selbst keine Heimat habe, dann werde ich immer projektiv Minderheiten und den Anderen/die Andere bekämpfen.

Deshalb brauchen wir unbedingt eine Pädagogik, die uns ab dem Kindergarten bis ins Erwachsenenalter schult, dass wir unsere Emotionen, unseren Körper und unsere authentischen Bedürfnisse fühlen, darunter auch unsere sexuellen und partnerschaftlichen Bedürfnisse.

Es braucht Emotions- und Bedürfniskunde unbedingt als Schulfach. Denn wir werden in unserem Schulsystem nur noch auf Leistung getrimmt, aber nicht auf das Spüren.

Diese Selbstoptimierung kolonialisiert unseren Körper, unsere Psyche, unsere Beziehungen und unsere Sexualität.

Bei starker verinnerlichter Homophobie im Erwachsenenalter erachte ich eine bindungs- und körperorientierte Traumatherapie als unabdingbar, um ein erfülltes Leben führen zu können. Ich kann mit einer Psychotherapeutin / einem Psychotherapeuten das Fühlen und Spüren nachlernen.

Zusätzlich sind natürlich alle Beratungsangebote für LGBTIQA*, Selbsthilfegruppen, soziale Netzwerkarbeit und Angebote der Gemeinwesenarbeit genauso wichtig und unterstützend.


Florian Friedrich arbeitet als Psychotherapeut in der Aidshilfe Salzburg und in eigener Praxis. Er hat die Schwerpunkte körper- und bindungsorientierte Traumatherapie und LGBTIQA*.

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 13. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
Rituelle Gewalt und Mind Control  - Podcast
von Florian Friedrich 13. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Im Zentrum steht eine transparente menschliche Kopf-Silhouette.
von Florian Friedrich 13. September 2026
Rituelle Gewalt, Mind Control und False Memory: Warum therapeutische Erklärungen sorgfältig geprüft werden müssen In der Psychotherapie begegnen Fachleute immer wieder Menschen mit intensiven Ängsten, körperlichen Reaktionen, Erinnerungslücken, Albträumen oder schwer einzuordnenden inneren Zuständen. Solche Erfahrungen können zutiefst belastend sein und verdienen eine ernsthafte therapeutische Begleitung. Gleichzeitig stellt sich eine zweite, fachlich anspruchsvolle Ebene: Welche Bedeutung wird diesen Erfahrungen gegeben? Gerade dort, wo es um rituelle Gewalt, Mind Control oder vermeintlich verdrängte Erinnerungen geht, können Erklärungsmodelle eine besondere Macht entwickeln. Aus einer zunächst möglichen Hypothese kann schrittweise eine Gewissheit werden. Und aus einer Gewissheit kann schließlich eine umfassende Erklärung für die eigene Lebensgeschichte entstehen.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 12. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.