Hass im Netz und wie ich ihm begegne

Florian Friedrich • 4. November 2026

Die Psychodynamik der Satanic-Ritual-Abuse (SRA) -Bubble

Es erfordert unheimlich viel Mut, das eigene berufliche Fundament infrage zu stellen. Eine weitaus größere Kraft erfordert es jedoch, den unbestechlichen Blick nach innen auf die eigene Fachlichkeit und den klinischen Umgang mit traumatisierten Klient*innen zu richten. Sobald empirische Evidenz, wissenschaftliche Leitlinien und kriminologische Fakten ein emotional hochgradig aufgeladenes Glaubenssystem in seiner Stabilität bedrohen, verlässt ein Teil der Akteur*innen schlagartig den Boden des fachlichen Diskurses. An die Stelle wissenschaftlicher Argumentation treten im digitalen Raum persönliche Herabwürdigungen, Täter*innen-Retter*innen-Spaltungen und psychologische Ferndiagnosen.

Hinter diesem Phänomen des systematischen Online-Hasses gegen rationale Kritiker*innen steckt eine tiefgreifende klinische, systemische und neurobiologische Psychodynamik, die sich präzise sezieren lässt. Lesen Sie zudem in diesem Beitrag, wie ich Hass und Anfeindungen im Netz für mich konstruktiv begegne.

Ein glasklares Kristallprisma wird von einem neutralen weißen Lichtstrahl getroffen, dessen Spiegelung an der Wand jedoch als verzerrte, zackige dunkelrote Schatten und paranoide Linien erscheint.

Mein Podcast: Epilog: Hass im Netz und wie ich Diffamierungen vonseiten der Rituellen-Gewalt-Bubble begegne

Die Neurobiologie der Aggression im virtuellen Raum

Um zu verstehen, warum die sachliche Forderung nach wissenschaftlichen Beweisen im Netz mit massiver Aggression beantwortet wird, ist die Polyvagaltheorie nach Stephen Porges heranzuziehen.

Zum Vorwurf ich hätte eiskalte Täteraugen:

Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem, das sich infolge realer, schwerer biografischer Traumatisierungen in einem dauerhaften Zustand von Kampf, Flucht oder Erstarrung befindet, weist eine grundlegend veränderte Neurozeption auf. Die Umwelt wird ununterbrochen nach potenziellen Lebensbedrohungen gescannt. In dieser permanenten Hypervigilanz wird ein neutraler, wissenschaftlich distanzierter und unbewegter Blick automatisch als kalt, bedrohlich und feindselig fehlinterpretiert. Portraitfotos oder andere Aufnahmen von mir werden so zu einem Projektionsraum für paranoide Verfolgungsmythen.

Zu den Unterstellungen ich sei selbst pädophil oder würde von geheimen satanistischen Sekten für meine Podcasts bezahlt:

Diese Hasskommentare im Netz gegen mich resultieren nicht aus einer bösartigen Natur der Akteur*innen. Sie stammen in der Regel von Menschen, die reale Gewalt erfahren mussten und nun von einer dogmatischen Traumatherapieszene systematisch instrumentalisiert werden. Die Abwertungen im Internet sind das direkte Symptom einer schweren iatrogenen Schädigung: Den Betroffenen wurde im Therapieraum eine künstliche Verfolgungstrance eingeredet. Diese besagt, dass jede*r, der*die nach wissenschaftlichen Beweisen fragt, ein*e Feind*in, ein*e Täter*innen-Helfer*innen oder ein*e Leugner*in organisierter Gewalt sei. Wenn Menschen mich im Netz diffamieren, verteidigen sie keine wissenschaftliche Wahrheit – sie kämpfen in einer manipulierten, induzierten Panik um ihr psychisches Überleben.


Die unbewusste Spaltung und die Verdinglichung von Traumametaphern

Die psychische Dynamik dieser Angriffe lässt sich klinisch als Phänomen der projektiven Identifikation entschlüsseln. Das SRA-Paradigma (Satanic Ritual Abuse) basiert strukturell auf einer radikalen inneren Spaltung, die traumatisierten Menschen von außen übergestülpt wird. Auf der einen Seite steht das absolut Gute – repräsentiert durch dogmatische Behandler*innen in der Rolle der Retter*innen. Auf der anderen Seite operiert das absolut Böse in Gestalt im Untergrund agierender Täter*innen.

Taucht ein*e rationale*r Kritiker*in auf und hinterfragt dieses Weltbild durch den Verweis auf wissenschaftliche Standards, bricht im autonomen Nervensystem der manipulierten Betroffenen existenzieller Stress aus. Um die mühsam stabilisierte Spaltung aufrechtzuerhalten, muss das paranoide System den*die Kritiker*in dämonisieren und mit den Attributen des Bösartigen, des Narzissmus oder des „Gaslightings“ belegen. Wer Beweise fordert, wird vom System kurzerhand selbst für krank erklärt – ein tragischer Versuch eines manipulierten Kollektivs, sich gegen jede Form der Realitätsprüfung zu immunisieren. Dies entlarvt den totalen argumentativen Notstand jener therapeuteninduzierten Netzwerke.


Hier greift das Phänomen der Verdinglichung von Symptomen, also von inneren Metaphern und Bildern. Das menschliche Gehirn generiert in Zuständen tiefer Trance, Regression oder extremer emotionaler Not hochgradig symbolische Bilder. Das unerträgliche Gefühl innerer Zerrissenheit oder emotionaler Fremdsteuerung wird von Klient*innen oft in dem Bild ausgedrückt, von etwas Dunklem rituell kontrolliert oder „programmiert“ zu werden.

Ein*e wissenschaftlich sauber arbeitende*r Therapeut*in versteht dieses Bild als das, was es ist: eine sehr valide, zutreffende psychische Metapher für erlittene Hilflosigkeit. Ein suggestiv arbeitendes System hingegen nimmt diese Metapher wörtlich, ontologisiert sie und redet der schwer verletzten Klient*in ein, dass eine reale Satansekte dahinterstecken muss. Ein*e Behandler*in, der*die im Therapieraum künstlich Anteile spaltet und diese nicht wieder integriert, entlässt Klient*innen in eine chronische Alltagstrance und fixiert sie in einer traumatischen Trance.

How Drama and Theater Can Rewire Limiting Beliefs with Bessel van der Kolk

Das darstellerische Handwerk als präziser Filter für Suggestionen

Zum Vorwurf, ich sei als Schauspieler Meister der Lüge, Täuschung und Manipulation

Der Vorwurf, eine schauspielerische Biografie mache die wissenschaftliche Aufklärungsarbeit zu einer bewussten Lüge oder einem inszenierten Theaterstück, bricht an der klinischen Realität zusammen. Tatsächlich ist diese biografische Facette ein wertvolles Instrument zur phänomenologischen Realitätsprüfung. Sowohl die Schauspielkunst als auch die Hypnotherapie basieren auf derselben neurobiologischen Fähigkeit des Gehirns zur gezielten, bewussten Affekt- und Tranceinduktion.

Als Schauspieler*in lernt man das Handwerk der bewussten Affektmodulation. Man weiß exakt, wie man durch Aufmerksamkeitsfokussierung, Körperarbeit und Subtext im eigenen autonomen Nervensystem biologisch echte Reaktionen wie Herzrasen, Tränen oder Angst hervorrufen kann – ohne dass eine reale historische Ursache existiert. Das Gehirn nutzt hierbei die Funktion der Spiegelneurone und Phänomene der somatischen Resonanz.

Ein*e Traumatherapeut*in, der*die über keinerlei Gespür für diese darstellerische und interaktionelle Induktionskraft der Psyche verfügt, fällt im Therapieraum auf jedes hypnotische Phänomen herein. Er*sie erzeugt durch die eigene paranoide Erwartungshaltung unbewusst eine Resonanzschleife im Nervensystem der Klient*in, verwechselt dieses reinszenierte Drama mit einer historischen Realität und zementiert damit den iatrogenen Schaden.

Schauspielerische Erfahrung schult das Gehör für diese Zwischentöne. Sie erlaubt es, während einer Psychotherapie hochpräzise und auf dem Boden einer wissenschaftlichen Methodenkritik zu differenzieren, wo ein Mensch ein authentisches, fragmentiertes historisches Trauma berichtet und wo ein therapeutisch induziertes Artefakt reinszeniert wird. Große Traumatherapeut*innen, wie etwa Bessel van der Kolk empfehlen Behandler*innen daher ausdrücklich, sich mit Rollenspielen und Improvisationstheater zu beschäftigen, da diese Methoden wesentliche Bausteine zur Heilung und Integration von Traumafolgesymptomen darstellen, und sie arbeiten auch selbst mit ihren Klient*innen mit den Methoden des Improvisationstheaters, des Tanzes und des Rollenspiels.


Desinformation im Internet und der Verlust äußerer Orientierung

Zum Vorwurf, ich würde Opfer schädigen

Die digitale Realität verschärft die Paranoia durch den Missbrauch künstlicher Intelligenz, was zu einer Erosion der kollektiven Realitätsprüfung führt. Im Internet verbreitete, massenhaft manipulierte Videos entlarven sich bei genauerer Prüfung als reine technologische Fiktion – als KI-generierte Deepfakes. Bubbles, die an rituelle Gewalt glauben, spielen diese Fälschungen gezielt in die Kanäle von Betroffenen ein, um das archaische Narrativ einer permanenten Bedrohung künstlich zu füttern.

In Phasen totaler Verunsicherung flüchtet die menschliche Psyche in die Regression und sucht Halt in geschlossenen Schwarz-Weiß-Erzählungen, die ein einfaches Erklärungsmodell bieten: Gut gegen Böse, Licht gegen absolute Finsternis. Reale, oft interfamiliäre Gewalt hinterlässt eine unerträgliche, sinnlose Leere und tiefe Scham. Die Annahme einer weltweiten, organisierten Struktur füllt diese Leere mit einer kosmischen Bedeutung: Man ist kein isoliertes Opfer familiärer Gewalt mehr, sondern eine Schlüsselfigur in einem globalen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Das Verschwörungsnarrativ fungiert als fataler, aber hochwirksamer Bindungsersatz.


Wird dieses fragile Konstrukt durch wissenschaftliche Evidenz erschüttert, bedroht dies in der Wahrnehmung der Betroffenen ihr existenzielles Bindungssystem. Die Aggression gegen den*die Kritiker*in bzw. mich ist der panische Versuch, diesen dysfunktionalen Bindungsersatz vor dem Einsturz zu bewahren. Das System nutzt innerhalb dieser geschlossenen Bubbles Schuld und Scham als systemisches Kontrollinstrument (Moral Injury): Wer zweifelt, so das interne Dogma, verrät die Opfer.

In Teilen des traumatherapeutischen Marktes hat sich zudem eine Struktur entwickelt, die man metaphorisch als Trauma-Vampirismus bezeichnen kann. Behandler*innen, die ihren Klient*innen immer absurdere Verschwörungsszenarien suggerieren, erschaffen eine künstliche, vollkommene Abhängigkeit und generieren ein geschlossenes System aus Dauertherapien, Spezialsupervisionen und hochpreisigen Fortbildungen.


Die systemische Umkehrung des wahren Opferschutzes

Wahrer Opferschutz ist zwingend evidenzbasiert. Wer Ermittlungsbehörden auf die Jagd nach imaginierten Satansekten und anderen Phantomen schickt, entzieht realen Opfern von schwerem sexuellem Missbrauch wertvolle Ressourcen der Strafverfolgung und sabotiert die Aufklärung realer pädokrimineller Strukturen.

Das größte Drama dieser Diffamierungskampagnen betrifft die Opfer von Fehltherapien. Betroffene, die durch suggestive Aufdeckungsmethoden und erzwungene Diagnosen schweren Schaden erlitten haben, werden in vermeintlichen Schutzräumen (Safe Spaces) systematisch mundtot gemacht und als Täter*innen-Nahstehende diffamiert, sobald sie das Kollektiv verlassen wollen. Den wahren Opfern von suggestiven Fehlbehandlungen wird das Recht abgesprochen, gehört und gesehen zu werden. Damit wird das traumatische Erlebnis, in der eigenen Biografie nicht bezeugt zu werden, reinszeniert.


Umso bedeutender ist die institutionelle Konsensbildung: Das Aktionsbündnis Psychotherapie hat öffentlich schwere Fehler in der bisherigen Social-Media-Moderation eingeräumt. Der Verein hat sich unmissverständlich von der wissenschaftlich unhaltbaren Mind-Control- und Programmierungshypothese distanziert und klargestellt, dass die Perspektive von Opfern schädlicher Suggestiv-Therapien gleichberechtigt in den fachlichen Diskurs gehört. Sachliche Standhaftigkeit, Redlichkeit und wissenschaftliche Präzision setzen sich am Ende durch und bewegen Institutionen zum Umdenken. Wir stehen hier auf dem festen Boden eines breiten, leitlinienkonformen Konsenses, der eine klare Kehrtwende einläutet.


Meine Antwort: Wissenschaftliche Präzision als ethisches Credo

Aus diesen Dynamiken leitet sich ein unumstößliches professionelles Prinzip ab: Je hasserfüllter, unsauberer und persönlicher die Angriffe der Gegenseite werden, desto fundierter, präziser, ruhiger und wissenschaftlicher sollte meine fachliche Antwort ausfallen. Die reflexartigen Diffamierungen und paranoiden Feindbilder im virtuellen Raum dürfen niemals mit Gegenangriffen oder gleicher Münze beantwortet werden. Eine solche Eskalation würde lediglich die destruktiven Resonanzschleifen bedienen, auf denen die iatrogene Dynamik geschlossener Systeme strukturell basiert.

Wissenschaftliche Redlichkeit und klinische Klarheit sind in diesem Kontext kein steriler Selbstzweck, sondern der einzig wirksame Schutz für traumatisierte Menschen. Wir schulden es den Opfern von Gewalt, den sicheren Boden der Realität niemals zu verlassen. Jede Abwertung von außen fungiert daher als direkter Impuls, die eigene methodische Sauberkeit noch rigider zu überprüfen, Argumente noch präziser zu untermauern und die psychotherapeutische Integrität kompromisslos zu wahren. Wahre Standhaftigkeit zeigt sich darin, die Einladung in die Welt des Hasses bewusst auszuschlagen und stattdessen in der Welt der Verbundenheit, des freundlichen Umgangs mit Unterschieden und der unerschütterlichen Realitätsprüfung zu bleiben.



Fazit: Die Wiederentdeckung der Ambiguitätstoleranz

Mündige Klient*innen spüren in einer echten therapeutischen Beziehung den fundamentalen Unterschied zwischen Drama, Verschwörungsgeschichten und der echten, interaktionellen Sicherheit einer evidenzbasierten Therapie. Professionelle Psychotherapie muss zurück zur Ambiguitätstoleranz finden – also zur Fähigkeit, Unsicherheiten, Widersprüche und das Nichtwissen im therapeutischen Raum auszuhalten, anstatt das komplexe Erleben in eine paranoide Monokultur zu pressen.

Je hasserfüllter, unsauberer und persönlicher die Angriffe der Gegenseite werden, desto fundierter, ruhiger und wissenschaftlicher muss die fachliche Antwort ausfallen. Wir schulden es den Opfern von Gewalt, den sicheren Boden der Realität niemals zu verlassen, das Nichtwissen mutig zu containen und die psychotherapeutische Integrität kompromisslos zu schützen.

FAQ: Häufige Fragen zu Online-Hass und SRA-Bubbles

Warum reagiert die SRA-Bubble so aggressiv auf wissenschaftliche Kritik?

Wissenschaftliche Kritik bedroht das mühsam aufrechterhaltene Weltbild der Betroffenen. Da ihr reales Trauma untrennbar mit dem SRA-Verschwörungsmythos verschweißt wurde und dieser als Bindungsersatz dient, wird ein rationaler Einwand vom autonomen Nervensystem als existenzbedrohender Angriff gewertet. Die Aggression ist ein direktes Symptom iatrogener Schädigung.


Was versteht man unter projektiver Identifikation im Kontext von Online-Hass?

Die projektive Identifikation ist ein unbewusster Abwehrmechanismus. Um die eigene, innere Spaltung zwischen dem „absolut Guten“ und dem „absolut Bösen“ aufrechtzuerhalten, projiziert das paranoide System unerträgliche Spannungen auf den*die Kritiker*in. Der*die wissenschaftliche Überbringer*in der Nachricht wird dämonisiert, um das eigene Weltbild vor dem Einsturz zu schützen.


Warum ist die schauspielerische Ausbildung eine Ressource in der Traumatherapie?

Schauspielerische Erfahrung schult das Gehör für emotionale Zwischentöne und das Verständnis von unbewussten Affektmodulationen und Tranceinduktionen. Sie erlaubt es dem*der Therapeut*in, hochpräzise zu differenzieren, wo ein Mensch ein authentisches, historisches Trauma berichtet und wo ein therapeutisch induziertes, suggestives Artefakt reinszeniert wird.


Wie wird künstliche Intelligenz zur Manipulation von Traumabetroffenen genutzt?

Durch KI-generierte Deepfakes werden im digitalen Raum gefälschte Beweise erzeugt. Diese Medien werden gezielt in Betroffenen-Bubbles gestreut, um paranoide Narrative der permanenten Verfolgung künstlich aufrechtzuerhalten, was zu einer kontinuierlichen Retraumatisierung durch die Szene selbst führt.


Warum schaden SRA-Mythen dem realen Opferschutz?

SRA-Mythen binden wertvolle Ressourcen von Ermittler*innen, Opferschutzverbänden und Justizbehörden durch die Jagd auf fiktive Kulte. Dadurch fehlen diese Kapazitäten bei der Verfolgung und Aufklärung real existierender, pädokrimineller Netzwerke, was den realen Opfern von Gewalt akut schadet.

Über den Autor

Florian Friedrich ist niedergelassener Psychotherapeut und Traumatherapeut in Salzburg. Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der Begleitung komplexer Traumafolgestörungen, körperorientierten Ansätzen sowie der klinischen Hypnose und Hypnosystemik nach Gunther Schmidt. Mit seiner Arbeit und seinem Fachpodcast setzt er sich aktiv für eine transparente, allparteiliche und streng wissenschaftlich fundierte Traumatherapie außerhalb ideologischer Bubbles ein.

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