Hypnosystemik und Transition: Dein Zukunfts-Ich als Anker

Florian Friedrich • 19. April 2026

Wie die Begegnung mit deinem Zukunfts-Ich neue Kräfte freisetzt

Die Entscheidung für den eigenen Weg der Transition erfordert Mut, Ausdauer und eine starke Verbindung zu sich selbst. Doch oft verdecken Dysphorie, bürokratische Hürden oder gesellschaftlicher Druck die Sicht auf das Ziel. Die hypnosystemische Methode des „Wunsch-Ichs der Zukunft“ nach Gunther Schmidt bietet hier einen revolutionären Ansatz: Sie macht die stimmige Zukunft schon heute körperlich erlebbar.


In der therapeutischen Begleitung von trans*Frauen und trans*Männern geht es um weit mehr als nur um das Abarbeiten von medizinischen und diagnostischen Schritten. Es geht um die Rückgewinnung der Deutungshoheit über das eigene Leben. Die Hypnosystemik verbindet dabei die Logik des Verstandes mit der Weisheit des Unwillkürlichen.


Lese in diesem Beitrag, wie du dein zukünftiges-Ich als Anker nutzen kannst, der dich optimal auf der Reise deiner Transition unterstützt.

Hypnosystemische Methode nach Gunther Schmidt: Trans* Person visualisiert ihr Wunsch-Ich der Zukunft für mehr Selbstwirksamkeit in der Transition.

Was ist das „Wunsch-Ich der Zukunft“?

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine hochwirksame Imaginationsübung aus der Hypnosystemik. Das Gehirn unterscheidet in seinen tiefen Schichten kaum zwischen einer realen Erfahrung und einer intensiv vorgestellten. Wenn wir uns also als trans*Frau oder trans*Mann mit allen Sinnen vorstellen, wie wir in fünf oder zehn Jahren leben, lernt unser Nervensystem: Dieser Zustand ist möglich und sicher erreichbar.


Warum dieser Ansatz für trans* Personen so wertvoll ist:

  1. Vom Mangel in die Fülle: Statt sich auf das zu konzentrieren, was körperlich oder rechtlich noch fehlt, fokussiert die Übung auf die bereits vorhandene Essenz der Identität.
  2. Identitäts-Kontinuität: Man erkennt, dass das Zukunfts-Ich kein fremder Mensch ist, sondern bereits in der Gegenwart erfahrbar ist.
  3. Stressreduktion: Das unwillkürliche System schaltet von Überlebensmodus (Kampf gegen Dysphorie) auf Gestaltungsmodus um.


Schritt für Schritt: Die Begegnung mit deinem weisen Zukunfts-Selbst

Die Methode nach Gunther Schmidt folgt einer klaren Struktur, die du in einer spezialisierten Begleitung oder – mit etwas Übung – auch für dich selbst nutzen kannst.


1. Die Imagination im Angekommen-Sein

Stell dir vor, du wachst an einem Morgen in der Zukunft auf. Alle wesentlichen Schritte deiner Transition liegen hinter dir. Du bist einfach du. Nun aktiviere deine Sinne:

  • Visuell: Wie sieht dein Körper aus, wenn du an dir herabblickst? Welchen Ausdruck hat dein Gesicht im Spiegel? Als trans*Mann: Wie nimmst du deine maskuline Präsenz wahr? Als trans*Frau: Wie nimmst du deine feminine Silhouette wahr?
  • Auditiv: Wie klingt deine Stimme? Wie reagieren andere auf den Klang deiner Stimme?
  • Kinästhetisch: Wie fühlt sich deine Körperhaltung an? Spürst du einen neuen Stolz in der Brust, eine andere Erdung in den Füßen? Wie fühlt sich die Kleidung an, die genau zu dir passt?


2. Der Rat des zukünftigen Wunsch-Ichs?

Dies ist der Kernmoment nach Gunther Schmidt. Du trittst in einen Dialog mit dieser Version deiner selbst. Du als heutige Person fragst dein weises Zukunfts-Ich:

  • „Was ist das Wichtigste, das ich jetzt wissen muss?“
  • „Welche meiner heutigen Sorgen kann ich getrost loslassen?“
  • „Was hat dir in den schwierigsten Momenten am meisten geholfen, etwa bei Stigmatisierung und Diskriminierung?“


Häufige Erkenntnisse: Trans* Männer berichten oft von einer tiefen, ruhigen Kraft ihres Wunsch-Ichs, die ihnen sagt: „Steh zu dir, dein Fundament ist fest.“ Trans*Frauen erleben oft eine milde Güte ihres Zukunfts-Ichs: „Sei sanft mit dir, du musst nichts beweisen, du bist bereits genug.“


3. Der Ressourcentransfer (Body-Anchoring)

Damit das Gefühl nicht verpufft, wird es geankert. Wo im Körper spürst du die Zuversicht deines Zukunfts-Ichs am stärksten? Vielleicht als Wärme im Herzraum oder als Kraft in den Schultern. Verbinde dieses Gefühl mit einer kleinen Geste (z. B. dem Berühren eines Ringes oder dem festen Aufstellen der Füße). Dieser Anker ist dein Notfall-Kit für den Alltag.

Interview mit Gunther Schmidt: "Wer Angst hat, hat Zukunft"

Die neurobiologische Wirkung: Warum Hypnosystemik funktioniert

Durch diese Arbeit aktivieren wir das Belohnungssystem und reduzieren die Aktivität der Amygdala (unser Angstzentrum). Wenn du als trans*Person vor einer Herausforderung stehst – sei es ein Coming-out oder eine Operation –, kannst du über den Anker die biochemische Antwort deines Körpers verändern. Du handelst nicht mehr aus der Angst des Noch-nicht-Ganz-Seins, sondern aus der Souveränität deines Zukunfts-Ichs.


Fazit: Dein Weg, deine Identität, deine Regie

Die Transition ist kein medizinischer Prozess, dem man ausgeliefert ist. Sie ist eine aktive Selbstwerdung. Die hypnosystemische Begleitung hilft trans*Frauen, trans*Männern und nicht-binären Menschen, die innere Mentor*in zu finden, die sie sicher durch alle Stürme leitet.

Du musst nicht warten, bis die Außenwelt dich bestätigt. Die Frau oder der Mann, die/der du sein willst, lebt bereits in dir. Es ist Zeit, mit ihr oder ihm Kontakt aufzunehmen.


Journaling-Übung: Dein Dialog mit dem Zukunfts-Ich

Nimm dir zehn bis 15 Minuten Zeit an einem ungestörten Ort. Nutze die folgenden Fragen, um die Verbindung zu deinem Wunsch-Ich zu vertiefen. Schreibe die Antworten am besten handschriftlich auf. Das aktiviert die neurologischen Prozesse der Selbstreflexion noch intensiver.


Phase 1: Die Ankunft in deiner Zukunft

  • Der Morgen: Wenn du in 5 Jahren aufwachst und dich absolut stimmig fühlst – was ist das erste Gefühl, das du beim Aufschlagen der Augen wahrnimmst?
  • Die Präsenz: Wenn du aufstehst und durch den Raum gehst: Wie fühlt sich dein Gang an? Welche Energie strahlt dein Körper aus (z. B. Ruhe, Stolz, Sanftheit, Kraft)?
  • Der Alltag: Welches Detail in deinem Alltag zeigt dir am deutlichsten, dass du angekommen bist? (Z. B. der Klang deiner Stimme beim Bestellen eines Kaffees, das Gefühl von Kleidung auf deiner Haut oder die selbstverständliche Anrede durch andere).

Phase 2: Der Rat deiner inneren Mentor*in

Stell dir nun vor, dein Zukunfts-Ich setzt sich dir gegenüber. Es blickt dich mit tiefer Wertschätzung und Liebe an, denn es weiß genau, was du gerade durchmachst.

  • Die Botschaft: Wenn dein Zukunfts-Ich nur drei Worte an dein heutiges Ich richten dürfte, welche wären das?
  • Die Entlastung: Welche Sorge, die dich heute viel Energie kostet, sieht aus der Sicht deines Zukunfts-Ichs eigentlich ganz klein aus?
  • Die Kraftquelle: Welche Eigenschaft besitzt dein Zukunfts-Ich bereits im Überfluss, die du heute besonders gut gebrauchen könntest? (Z. B. Gelassenheit gegenüber Kommentaren von außen oder Vertrauen in den Heilungsprozess).

Phase 3: Den Transfer besiegeln

  • Das Symbol: Wenn dein Zukunfts-Ich dir ein kleines Geschenk oder Symbol überreichen würde, das dich an deine Kraft erinnert – was wäre das?
  • Der erste Schritt: Welchen winzigen Schritt empfiehlt dir dein Zukunfts-Ich für die nächsten 24 Stunden, um deine Identität ein Stück weit mehr zu feiern?



Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Die Transition ist eine Reise zu dir selbst – und manchmal hilft ein Kompass, um in stürmischen Zeiten die Richtung nicht zu verlieren. Möchtest du lernen, wie du die Kraft deines Zukunfts-Ichs im Alltag verankerst? Als Coach und Therapeut begleite ich dich mit hypnosystemischen Methoden auf deinem Weg zu mehr Stimmigkeit und Selbstvertrauen.

Ein Bild eines Schmetterlings mit den Farben der trans*Identität auf einer bunten Blumenwiese.
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Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
von Florian Friedrich 26. März 2026
Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.
trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.