Trans*Identitäten und Hypnosystemik

Florian Friedrich • 19. April 2026

Identität im Fluss: Warum der hypnosystemische Ansatz wegweisend für die Arbeit mit trans* Personen ist

Die Begleitung von trans*identen Menschen in Therapie und Beratung erfordert mehr als nur klinisches Wissen – sie verlangt eine Haltung, die Vielfalt als Kompetenz begreift. Ein Ansatz, der hierbei besonders kraftvolle Werkzeuge liefert, ist das hypnosystemische Modell.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Verbindung von Systemik und moderner Hypnotherapie dabei hilft, Transitionsprozesse und trans*Identitäten ressourcenorientiert zu gestalten, und welche Rolle der Pionier Gunther Schmidt dabei spielt.

Ein Bild eines Schmetterlings mit den Farben der trans*Identität auf einer bunten Blumenwiese. Er symbolisiert hypnosystemische ressourcenorientierte Begleitung.

1. Die Würdigung: Gunther Schmidt und die Autonomie des Erlebens

Wer über hypnosystemische Arbeit spricht, kommt an Dr. Gunther Schmidt nicht vorbei. Als Gründer des Milton-Erickson-Instituts in Heidelberg hat er die bahnbrechende Verbindung zwischen der Systemischen Therapie und der Hypnotherapie nach Milton Erickson geschaffen.

Für die Arbeit mit trans* Personen ist Schmidts Beitrag deshalb so wertvoll, weil er den Fokus radikal auf die Selbstwirksamkeit und Autonomie der Klient*innen legt. Schmidt lehrt uns, dass jeder Mensch die Lösung für seine Ambivalenzen bereits in sich trägt. In einer Welt, die trans*Personen oft pathologisiert, bietet sein Konzept der Kompetenz-Fokussierung einen schützenden und ermächtigenden Raum.


2. Von der Problemtrance zur Lösungstrance

Trans*Personen erleben oft einen hohen Minoritätenstress. Gesellschaftliche Erwartungen, Dysphorie oder Ängste vor dem Coming-out können zu einer Problemtrance führen: Der Fokus verengt sich starr auf das, was „falsch“ oder schmerzhaft ist.

Hypnosystemische Interventionen helfen dabei:

  • Fokusverschiebung: Die Aufmerksamkeit wird weg von den Defiziten hin zu den bereits vorhandenen Überlebensstrategien und Stärken gelenkt.
  • Utilisation: Jedes Gefühl – auch die Angst – wird als Information für Bedürfnisse gewürdigt und für den Prozess nutzbar gemacht (utilisiert), statt es zu bekämpfen.


3. Arbeit mit inneren Anteilen (Seiten-Modell)

Ein Kernstück der Arbeit ist das Modell der inneren Seiten. Trans*Identität ist oft ein Prozess des Aushandelns:

  • Eine Seite sehnt sich nach Authentizität und Transition.
  • Ein andere Seite sorgt sich um Sicherheit oder soziale Zugehörigkeit.

Anstatt diese Anteile als Konflikt zu sehen, laden wir sie im hypnosystemischen Sinne zu einer inneren Konferenz ein. Ziel ist es, eine innere Kooperation zu moderieren, in der alle Seiten (auch die vorsichtigen) gewürdigt werden. Das nimmt den Druck, „schnelle“ Entscheidungen gegen einen Teil des Selbst treffen zu müssen.

Endlich Ich! - Sophie, Luca und Nora über das Leben als Transmenschen I 37 Grad

4. Körperbild und Pacing: Den Körper als Verbündeten gewinnen

Körperdysphorie ist für viele trans*Personen ein zentrales Thema. Hypnosystemische Methoden und Haltungen ermöglichen es, den Körper nicht als Feind, sondern als Ort von Empfindungen neu zu entdecken. Durch Pacing können Klient*innen lernen, Momente der Stimmigkeit im Körper zu ankern, was die Resilienz im Alltag massiv erhöht.


5. Fazit: Eine Einladung zum freundlichen Umgang mit sich selbst

Hypnosystemische Arbeit mit trans* Personen bedeutet, den/die Klient*in als Expert*in für das eigene Erleben zu würdigen. Es geht nicht um eine Diagnose, sondern um die Entfaltung eines stimmigen Lebensentwurfs. Wie Gunther Schmidt oft betont: Es geht darum, „den Unterschied zu machen, der einen Unterschied macht“.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 30. Juni 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 5. September 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 7. November 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Gemeinsame Kinder mit Narzissten: So schützt du dein Kind nach der Trennung
von Florian Friedrich 18. Juni 2026
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Ein roter, frischer Apfel liegt in zwei Händen. Der Hintergrund ist unscharf.
von Florian Friedrich 17. Juni 2026
Adipositas lässt sich mit hypnosystemischen Ansätzen und Hypnose selbstfürsorglich und selbstwirksam regulieren.
Ein Arzt spircht mit einem HIV-positiven Mann.
von Florian Friedrich 11. Juni 2026
Erfahren Sie, warum HIV-positive Männer oft länger leben als Männer ohne HIV-Infektion.