Rituelle Gewalt, Trauma und Psychotherapie

Florian Friedrich • 14. August 2026

Rituelle Gewalt: kritisch und hypnosystemisch betrachtet // Podcast # 2

Was ist „rituelle Gewalt“? Wie sollte Psychotherapie mit Berichten über rituellen Missbrauch, organisierte Gewalt und komplexe Traumatisierung umgehen? Und wo liegen die Risiken, wenn therapeutische Deutungen zu festen Überzeugungen werden?

In dieser Podcastfolge beschäftige ich mich aus hypnosystemischer und psychotherapeutischer Perspektive mit dem kontroversen Thema rituelle Gewalt.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, reale Gewalt, sexuellen Missbrauch oder traumatische Erfahrungen zu leugnen. Menschen mit Gewalterfahrungen brauchen Schutz, Anerkennung und eine professionelle therapeutische Begleitung.

Gleichzeitig stellt sich eine wichtige fachliche Frage: Wie können wir das Erleben eines Menschen ernst nehmen, ohne jede Interpretation dieses Erlebens automatisch als objektive Tatsache zu bestätigen?

Rituelle Gewalt, Trauma und Psychotherapie

Rituelle Gewalt und Psychotherapie

Besonders bei komplexen Traumafolgen, Dissoziation und belastenden Erinnerungen können therapeutische Deutungen einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie Menschen ihre Vergangenheit verstehen.

Der Podcast beschäftigt sich deshalb unter anderem mit:

  • ritueller Gewalt und rituellem Missbrauch
  • Trauma und komplexer Traumatisierung
  • Dissoziation und dissoziativen Phänomenen
  • Erinnerungen und Erinnerungsrekonstruktion
  • Suggestion und therapeutischer Einflussnahme
  • False Memory und falschen Erinnerungen
  • therapeutischem Gaslighting
  • Bestätigungsfehlern in der Psychotherapie
  • Traumatherapie und therapeutischer Verantwortung
  • hypnosystemischer Psychotherapie
  • Bindung und therapeutischer Beziehung
  • Autonomie und Wirklichkeitsprüfung

Rituelle Gewalt – zwischen Verschwörungsnarrativen und therapeutischer Verantwortung // Podcast #2

Eine zentrale Frage lautet:

Kann man das Leiden eines Menschen vollständig ernst nehmen, ohne gleichzeitig jede Erklärung für dieses Leiden bestätigen zu müssen?


Aus hypnosystemischer Sicht geht es darum, unterschiedliche Perspektiven und Hypothesen offenzuhalten. Statt vorschnell festzulegen, was wirklich passiert ist, kann es hilfreicher sein, gemeinsam zu untersuchen: Was erlebt der Mensch heute? Was macht dieses Erleben mit ihm? Welche Bedeutungen entstehen daraus? Und welche Interventionen stärken Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Autonomie?


Wenn Therapie selbst zum Problem werden kann

Besonders kritisch wird es, wenn eine therapeutische Theorie zu einem geschlossenen Erklärungssystem wird. Wenn beispielsweise widersprüchliche Erinnerungen nicht als Anlass für weitere offene Exploration verstanden werden, sondern als Beweis für zusätzliche verborgene Ereignisse, kann sich ein selbstverstärkender Kreislauf entwickeln.

Dann besteht die Gefahr, dass Psychotherapie nicht mehr nur vorhandenes Leiden behandelt, sondern unbeabsichtigt neue Ängste, Überzeugungen oder Konflikte verstärkt.

Gerade deshalb braucht es bei kontroversen und schwer überprüfbaren Erinnerungsinhalten eine traumasensible, wissenschaftlich reflektierte und ergebnisoffene Psychotherapie.


Meine hypnosystemische Perspektive

Eine hypnosystemische Haltung versucht, Menschen weder zu entwerten noch ihnen eine bestimmte Realität aufzuzwingen.

Validierung bedeutet nicht automatisch Bestätigung.

Wir können sagen:

„Ich nehme ernst, dass du das so erlebst.“

ohne daraus automatisch zu machen:

„Deshalb muss es genau so passiert sein.“

Diese Unterscheidung kann für eine verantwortungsvolle Traumatherapie entscheidend sein.

Der Podcast richtet sich an Psychotherapeut, Psycholog, Ärzt, Traumatherapeut, Betroffene, Angehörige und alle Menschen, die sich differenziert mit ritueller Gewalt, Trauma, Dissoziation und Psychotherapie auseinandersetzen möchten.


Hinweis: Die Folge stellt eine fachliche Perspektive dar und ersetzt keine individuelle psychotherapeutische oder medizinische Behandlung.

Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
von Florian Friedrich 14. August 2026
Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.
Rituelle Sexuelle Gewalt ist eine Legende
von Florian Friedrich 14. August 2026
Das Verschwörungsnarrativ von Michaela Huber Insgesamt gibt es mindestens 20 Definitionen von Ritueller Gewalt (RG). Dieser Artikel bezieht sich auf die Verschwörungstheorie der berühmten Traumatherapeutin Michaela Huber, ein Narrativ, das leider in der Therapieszene noch immer als selbstverständlich hingenommen und zu wenig hinterfragt wird. Lesen Sie in diesem Beitrag, warum Rituelle Sexuelle Gewalt (nach Michaela Huber) und Satanic Ritual Abuse (SRA) Legenden und klassische Verschwörungstheorien sind.
Falsche Erinnerungen - False Memory
von Florian Friedrich 9. August 2026
Was sind falsche Erinnerungen? Falsche Erinnerungen werden auch als "False Memory" bezeichnet. Viele Therapeut*innen haben ihren Patient*innen bereits sexuellen Missbrauch aufgeschwätzt und damit ganze Familien zerstört. Im Rahmen einer Traumatherapie kann es rasch passieren, dass Traumasymptome vorschnell und falsch interpretiert werden und Menschen dann durch ihre Psychotherapeut*innen falsche Erinnerungen eingesät werden. Traumatisierte Betroffene werden manchmal von ihren Psychotherapeut*innen dazu gebracht, daran zu glauben, sie seien als Kinder sexuell oder sogar rituell missbraucht worden. Wenn das nicht der Fall ist, kann das für die Patient*innen und deren Angehörige äußerst schädlich sein und wiederum traumatisieren. Die Patient*innen erleben dann erneut innerliche Starre, Totstellreflexe, totale Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Nicht gegen dich, sondern anders mit dir / Podcast #1
von Florian Friedrich 9. August 2026
Warum du manchmal genau das tust, was du eigentlich nicht willst Warum tun wir manchmal Dinge, von denen wir eigentlich wissen, dass sie uns nicht guttun? Warum schreiben wir eine Nachricht, obwohl wir uns vorgenommen haben, es nicht zu tun? Warum bleiben wir in Beziehungen, obwohl wir eigentlich Abstand gewinnen möchten? Warum stehen wir uns scheinbar selbst im Weg? Vielleicht arbeitest du gar nicht gegen dich selbst. In der ersten Folge von „ Warum du manchmal genau das tust, was du eigentlich nicht willst “ gehe ich diesen Fragen aus einer hypnosystemischen Perspektive nach. Der hypnosystemische Ansatz, wie er insbesondere durch Gunther Schmidt geprägt und weiterentwickelt wurde, verbindet hypnotherapeutisches und systemisches Denken. Dabei geht es nicht nur darum, ein Problem zu beseitigen. Es geht darum, Verhalten in seinem Kontext zu verstehen, nach seiner möglichen Funktion zu fragen und vorhandene Ressourcen für Veränderung zu nutzen.