Rituelle Gewalt: Missbrauch in der Traumatherapie

Florian Friedrich • 15. Oktober 2026

Die drei „Red Flags“ schädlicher Traumatherapien, der soziologische Teufelskreis der Isolation und der konkrete Leitfaden für den mutigen Ausstieg zurück ins Leben.

Wenn Menschen sich in tiefen existenziellen Krisen in eine Traumatherapie begeben, bringen sie weit mehr als ihre Symptome mit. Sie bringen eine fundamentale Sehnsucht nach Linderung, Integration und Heilung mit und schenken Behandler*innen damit einen fast grenzenlosen Vertrauensvorschuss. In der Traumatherapie ist diese Bindungssicherheit das wichtigste Fundament, da schwere interpersonelle Traumata das Urvertrauen in der Tiefe erschüttern. Eine gesunde therapeutische Beziehung fungiert hierbei als elastisches Band: Sie bietet maximalen Schutz in der Krise, drängt den Klienten jedoch niemals in die Enge, sondern ermutigt zu eigenen Wegen und stärkt die Mündigkeit.

Doch genau an dieser hochsensiblen Schnittstelle kann sich ein tiefgreifender Systemfehler in der Szene einschleichen: Der Missbrauch von Bindungsautorität durch suggestive Verschwörungserzählungen wie „Rituelle Gewalt“ und „Mind Control“. Inspiriert durch Wolfgang Schmidtbauers psychologisches Standardwerk „Wenn Helfer Fehler machen“, das bereits in den 1990er-Jahren die Dynamiken von Übertragung und Gegenübertragung im Kontext der Satanic Panic in den USA analysierte, zeigt sich, wie verletzliche Menschen in geschlossene Ideologiesysteme geraten können. Wenn Behandler*innen aus eigenen blinden Flecken heraus agieren, kann der Therapieraum schleichend zu einer gefährlichen Einbahnstraße der Deutungen werden.

 Abstraktes Ölgemälde, bei dem ein klarer, warmer Lichtstrahl dichten, dunklen Nebel durchbricht – Sinnbild für das Überwinden von Gaslighting und das Zurückgewinnen der eigenen Wahrheit.

Die Bruchlinie: Reales Leid oder pseudowissenschaftliche Fiktion?

Um den Kern dieses Systemfehlers zu verstehen, ist eine Differenzierung notwendig. Wir müssen in der klinischen und forensischen Praxis zwischen zwei völlig unterschiedlichen Aussagen trennen:

  • Aussage A (Die Realität organisierter Gewalt): Die Existenz von realen, kriminellen Netzwerken, schwerer sexualisierter Gewalt und rücksichtsloser Ausbeutung von Kindern und Erwachsenen ist eine schreckliche Realität. Diese Verbrechen sind polizeilich, forensisch und gerichtlich dokumentiert. Sie haben reale Opfer, reale Ermittlungsakten und führen zu realen Urteilen. Dieses Leid darf niemals verharmlost werden.
  • Aussage B (Das Mind-Control-Narrativ): Davon strikt zu trennen ist die wissenschaftlich völlig unbelegte Behauptung, dass Täterorganisationen mittels gezielter Folter ferngesteuerte „Subpersönlichkeiten“ oder „Programme“ im menschlichen Gehirn installieren könnten, die sich über geheime Triggerworte oder Codes aktivieren lassen.

Diese extreme Behauptung entbehrt jeder empirischen und replizierbaren Grundlage in der unabhängigen Forschung. Der Missbrauch im Therapieraum beginnt genau dort, wo das reale, profane Leid der Betroffenen als Trittbrett genutzt wird, um ihnen eine science-fiction-artige Verschwörungstheorie über ihre eigene Psyche überzustülpen.



Exkurs: Die Wurzeln der „Satanic Panic“

Das Phänomen, das wir heute im deutschsprachigen Raum beobachten, ist keineswegs neu. Es ist die exakte Wiederholung der sogenannten „Satanic Panic“, die in den 1980er- und 1990er-Jahren die USA und Großbritannien erfasste.

Angetrieben von populärwissenschaftlichen Büchern, unseriösen therapeutischen Fortbildungen und dem unkritischen Einsatz von Hypnose und Tranceverfahren zur vermeintlichen Rückführungen entstand damals eine soziale Massenpanik. Tausende unbescholtene Bürger*innen wurden beschuldigt, Teil globaler, unterirdischer Satanisten-Kulte zu sein, die Babys opfern und Menschen via Mind Control programmieren.

Das historische Fazit war verheerend: Das FBI untersuchte die Vorwürfe jahrelang intensiv und stellte offiziell fest, dass kein einziger dieser rituellen Kulte existierte. In den späten 1990er-Jahren wendete sich das Blatt: Ehemalige Patientinnen erkannten, dass ihnen die Erinnerungen im Therapieraum suggeriert worden waren (False Memory). Es folgten historische Gerichtsprozesse, in denen Behandlerinnen zu millionenschweren Schadensersatzzahlungen verurteilt wurden. Das heutige Wiederaufflammen dieser Theorien zeigt, dass es sich um ein zyklisch wiederkehrendes, sozialpsychologisches Phänomen handelt, das den Berufsstand der Psychotherapie erneut tief zu diskreditieren droht.

Strukturelle Dissoziation vs. Gehirn-Programmierung

Befürworter*innen suggestiver Modelle argumentieren oft, dass die Aufspaltung der Psyche bei schweren Traumata eine anerkannte Realität sei. Das ist korrekt, doch die Wissenschaft zieht hier eine unmissverständliche Grenze auf:

  • Strukturelle Dissoziation (Wissenschaft): Die Persönlichkeit teilt sich in einen Alltagsanteil (der das Leben bewältigt) und emotionale Anteile (die das Trauma verwalten) auf. Die Wechsel zwischen den Anteilen geschehen unbewusst durch emotionale Trigger, Stress oder Überforderung. Es handelt sich um einen klugen Schutz des Organismus, um unerträgliches Leid psychisch zu überleben. Dieses Konzept ist international anerkannt (z.B. DIS, komplexe PTBS), intensiv erforscht und empirisch replizierbar.
  • Mind-Control-Programmierung (Mythos): Das Gehirn wird durch Folter gezielt wie eine Computer-Festplatte partitioniert. Die Anteile reagieren präzise, ferngesteuert und roboterartig auf geheime Passwörter, Nummern-Codes oder Handzeichen. Angeblich handelt es sich um ein künstlich von außen installiertes System zur Spionage, Sabotage oder Steuerung durch Täter*innen. Dieses Konzept ist reine Fiktion ohne jegliche empirische Evidenz in der unabhängigen Hirnforschung.
  • Die moderne Traumatherapie respektiert Anteile als neurophysiologische Manifestationen und hilft ihnen, im Hier und Jetzt neue, konstruktivere und gesunde Rollen zu finden. Sie verweigert sich jedoch der pseudowissenschaftlichen Annahme, es handle sich um künstlich manipulierte Programme.


Psychologische Kooperation: Die Erwartungskonformität der leidenden Psyche

Ein zentrales Rätsel bleibt oft: Warum stimmen Patient*innen diesen fantastischen Erzählungen im Laufe einer Therapie überhaupt zu? Die Antwort liegt in einer tiefen, unbewussten psychologischen Dynamik begründet.

Traumatisierte Menschen erleben oft ein namenloses, sinnloses Grauen in ihrer Vergangenheit. Die Psyche sucht verzweifelt nach Sinn und Struktur, wo vorher nur Chaos war. Wenn eine anerkannte therapeutische Autorität nun ein fertiges, hochkomplexes Erklärungsmodell wie das Mind-Control-Narrativ anbietet, greift die leidende Psyche diese Erklärungen oft dankbar auf.

Dazu kommt ein enormer Entlastungseffekt: Die Vorstellung, von außen programmiert und ferngesteuert worden zu sein, befreit das Opfer augenblicklich von der drückenden Last der Scham und der quälenden Selbstbeschuldigung. Wer ferngesteuert wurde, trägt keine moralische Verantwortung für das Erlebte oder für eigene, dysfunktionale Verhaltensweisen in der Gegenwart.

Behandlerinnen missverstehen diese spürbare emotionale Erleichterung der Patientinnen fast immer als historischen Beweis. Sie unterliegen dem fatalen klinischen Fehlschluss: Weil es der Klientin mit dieser Erklärung besser geht, muss die rituelle Programmierung wahr sein. In der Realität ist die Erleichterung jedoch nur der Beweis dafür, dass ein psychologischer Schutzmechanismus gegriffen hat. Es entsteht eine unbewusste Allianz aus der suggestiven Erwartung der Fachperson und der Sehnsucht des Klienten nach Entlastung – eine Echokammer, in der sich Wunsch und Suggestion gegenseitig füttern.



Die drei Red Flags schädlicher Traumatherapien

Eine manipulative Therapiedynamik schleicht sich meist subtil ein. Sie basiert eigentlich nie auf böser Absicht, sondern vielmehr auf unbewussten Dynamiken, unreflektierten Traumafolgesymptomen oder dogmatischen Denkschulen der Behandlerinnen. Klientinnen können eine solche schädigende Fremdbestimmung an drei klaren Warnzeichen (Red Flags) erkennen:

  1. Systematische soziale Isolation: Führt eine Therapie dazu, dass Kontakte zu Eltern, Geschwistern, alten Freunden oder dem Partner sukzessive abgebrochen werden, ist höchste Vorsicht geboten. Geschieht dies nicht aufgrund real erlebter, nachweisbarer Gewalterfahrungen, sondern weil die therapeutische Fachperson hinter jedem alltäglichen Konflikt ein geheimes, unsichtbares Täternetzwerk vermutet, wird eine künstliche, ungesunde Enge erzeugt. Die betroffene Person wird sozial komplett isoliert und gerät in eine existenzielle Abhängigkeit vom therapeutischen System.
  2. Chronische Zunahme von Paranoia und Angst im Alltag: Eine integer geführte Traumatherapie zielt konsequent auf die Stabilisierung und Erdung im Hier und Jetzt ab. Sie nutzt die sichere Bindung, um das überreizte autonome Nervensystem zu beruhigen. Wenn eine Therapie jedoch das genaue Gegenteil bewirkt – wenn der Alltag für die Klientin kaum noch bewältigbar wird, weil sie hinter vorbeifahrenden Autos, alltäglichen Begegnungen oder harmlosen Symbolen Geheimbünde und Signale von Täterzirkeln vermutet –, dann heilt diese Behandlung nicht. Sie re-traumatisiert oder verstärkt die Traumafolgesymptomatik massiv.
  3. Erosion der eigenen Wahrnehmung (Therapeutisches Gaslighting): Das gravierendste Warnzeichen ist die systematische Entwertung des eigenen Erlebens. Wenn eine Klientin in der Sitzung berechtigte Zweifel äußert („Ich weiß nicht, ob das überhaupt passiert ist, das fühlt sich für mich nicht real an“) und die therapeutische Person dies mit manipulativen Phrasen abwehrt („Das ist nur die Abwehr Ihres programmierten, abgespaltenen Anteils, der die Wahrheit vertuschen will“), ist die Grenze zur psychologischen Indoktrination überschritten. Den Betroffenen wird das Recht abgesprochen, ein mündiges, wahrnehmendes Subjekt in der Gegenwart zu sein.

Mein Podcast: Trauma, Macht und Suggestion: Der Ausstieg aus schädlichen Therapiedynamiken

Der Teufelskreis der Isolation

Diese drei Warnzeichen existieren nicht isoliert voneinander – sie greifen in einem malignen Teufelskreis ineinander. Das Zusammenspiel aus therapeutischem Gaslighting und sozialer Isolation erzeugt eine perfekt geschlossene, paranoide Schleife: Erst erfolgt die therapeutische Suggestion, das Umfeld gehöre zum Kult. Daraufhin bricht der Klient soziale Kontakte ab und isoliert sich. Die reale psychologische Folge ist extreme Einsamkeit und Angst. Zuletzt erfolgt die Fehlinterpretation der Therapie, diese Symptome seien der Beweis für den Druck des Kults.

Wenn die Therapeutin behauptet, das private Umfeld des Klienten sei heimlich in rituelle Zirkel verstrickt, bricht der Klient aus Angst den Kontakt ab. Die daraufhin zwangsläufig einsetzende extreme Einsamkeit, soziale Instabilität und zunehmende Angst im Alltagsleben sind völlig normale psychologische Reaktionen auf Isolation.

In einer manipulativen Dynamik wird diese Symptomverschlechterung jedoch sofort ideologisch umgedeutet: Die Therapeutin nutzt die gestiegene Angst des Klienten als vermeintlichen Beweis dafür, dass die dunklen Eliten im Außen den psychischen Druck erhöhen. Das System stabilisiert sich selbst, indem es seine eigenen Schäden als Bestätigung der Theorie deklariert.


Selbstgemachte Traumatisierung und die Fehldeutung des Widerstands

In der Medizin und Psychologie bezeichnet man Schäden, die nicht durch die ursprüngliche Erkrankung, sondern direkt durch die Behandlung oder die Fehlprognose des Behandlers verursacht werden, als iatrogene Schäden. Im Kontext suggestiver Therapien sprechen wir von einer handfesten iatrogenen Traumatisierung durch die systematische Suggestion von Scheinerinnerungen (False Memories).

Möchten Betroffene eine solche suggestive Therapie abbrechen, weil sie spüren, dass die permanente Fixierung auf Verschwörungs- und Folternarrative ihre Lebensfreude erstickt, wird dieser Schritt im paranoiden Erzählmuster umgedeutet. Es wird behauptet, die vermeintlichen Täterprogramme oder Täterimplantate im Inneren der Psyche hätten die Oberhand gewonnen, um die Heilung zu verhindern. Ehemalige Klient*innen berichten in ihrer Not, dass ihnen regelrecht angedroht wurde, sie würden im Außen sofort wieder Opfer schwerster Gewalt werden, wenn sie den schützenden Raum dieser spezifischen Therapie verlassen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und die umfangreiche internationale Forschung zur Bindungstheorie entlarven diesen Denkfehler jedoch unmissverständlich: Der Wunsch, eine Therapie zu beenden oder Selbstwirksamkeit im Umgang mit der eigenen Biografie zu bewahren, ist in den allermeisten Fällen kein Widerstand. Es ist das gesunde, kompetente und oft rettende Aufbegehren des menschlichen Organismus gegen eine schädigende Fremdbestimmung.


Die wissenschaftliche Haltung: Die 5 Kernfragen der Evidenz

Um therapeutische Behauptungen von empirischer Realität zu trennen, hilft die konsequente Anwendung des wissenschaftlichen Filters anhand von fünf zentralen Fragen:

  1. Was davon ist dokumentiert? Dokumentiert sind in diesen Fällen ausschließlich verstörte Familien, iatrogene Schäden und reale interpersonelle emotionale Gewalt durch Indoktrination – jedoch keine geheimen Kulte, die Personen systematisch programmieren.
  2. Was davon ist plausibel? Neurobiologisch plausibel ist die Abspaltung von Emotionen und Erinnerungen (Dissoziation) als Schutz vor Grauen. Absolut implausibel ist das Erschaffen hochfunktionaler, triggergesteuerter Programme und Implantate.
  3. Was ist wissenschaftlich untersucht? Erforscht sind der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler), die Dynamik von Autosuggestion und die hohe Suggestibilität des menschlichen Gedächtnisses.
  4. Welche unabhängigen Belege gibt es? Für die Existenz von rituellen Mind-Control-Netzwerken gibt es weltweit bis heute keinen einzigen unabhängigen, kriminalistischen oder wissenschaftlichen Beleg.
  5. Welche alternativen Erklärungen existieren? Die Entstehung dieser Narrative lässt sich vollständig durch therapeutische Erwartungskonformität, suggestive Fragetechniken und das menschliche Bedürfnis nach Sinnstiftung erklären.


Die Charta der unveräußerlichen Patient*innenrechte

Echte Bindungssicherheit braucht klare, verlässliche und ethische Grenzen. Kein Traumamodell und kein ideologisches Glaubenssystem der Welt darf die fundamentalen Rechte von Klient*innen relativieren. Jeder Mensch im therapeutischen Setting besitzt unveräußerliche Rechte:

  • Das Recht auf eigene Interpretation und Widerspruch: Wenn Sie einer Deutung oder Hypothese der therapeutischen Person explizit widersprechen („Ich glaube nicht, dass das passiert ist“), hat eine professionelle Fachperson dies bedingungslos zu akzeptieren. Eine therapeutische Hypothese ist niemals eine historische Tatsache.
  • Das Recht auf geschlossene Türen in der eigenen Biografie: Sie haben das absolute Recht, jegliche Erinnerungsarbeit an eine vermeintlich dunkle Vergangenheit schlichtweg abzulehnen. Das bewusste Ruhenlassen schmerzhafter oder diffuser biografischer Phasen kann eine hochkompetente Überlebensstrategie des Organismus sein.
  • Das Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung: Es steht Ihnen zu jedem Zeitpunkt frei, sich bei Zweifeln eine völlig unabhängige fachliche Einschätzung von außen einzuholen.
  • Das absolute Recht auf sofortiges Beenden einer Therapie: Sie können eine Therapie zu jedem beliebigen Zeitpunkt und ohne jede Rechtfertigung abbrechen. Sie schulden der Fachperson kein Mitlaufen mit deren persönlichen Überzeugungen.


Die hypnosystemische Perspektive: Heilung ohne Beweisführung

Aus einer modernen, hypnosystemischen und ressourcenorientierten Perspektive brauchen wir die menschliche Psyche nicht als starre Maschine oder partitionierte Computer-Festplatte verstehen, die von außen ferngesteuert oder programmiert werden kann. Das widerspricht auch der modernen Hirnforschung. Sogenannte „innere Anteile“ oder „Seiten“ sind vielmehr lebendige, neurophysiologische Netzwerke und Manifestationen der eigenen Psyche. Sie dürfen im realen Alltag konstruktivere Rollen finden.

Für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben im Hier und Jetzt ist es überhaupt nicht notwendig, die eigene Vergangenheit lückenlos historisch aufzuarbeiten und zu rekonstruieren – was ohnehin unmöglich ist. Der Ausstieg aus einer suggestiven Abhängigkeit hinterlässt im ersten Moment oft eine schmerzhafte Leere. Doch genau in dieser Leere liegt die größte Chance, die eigene Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen. Das Zurückfordern der Deutungshoheit über die eigene Lebensgeschichte ist der entscheidende Schritt, um vom passive Objekt einer therapeutischen Denkschule wieder zum souveränen, mündigen Erwachsenen der eigenen Gegenwart zu werden.



Leitfaden für den Ausstieg: Schritt für Schritt zurück zur Autonomie

Wenn Sie vermuten, in einer suggestiven Therapiedynamik gefangen zu sein, können Ihnen folgende Schritte helfen, die Kontrolle über Ihr Leben zurückzugewinnen:

  • Denkpause einlegen: Sie müssen eine Therapie nicht sofort offiziell abbrechen. Sagen Sie die nächsten Termine ab, um emotionalen Abstand zu gewinnen und das autonome Nervensystem zu beruhigen.
  • Außenkontakte reaktivieren: Suchen Sie in Ihrem für Sie stimmigen Tempo wieder den Kontakt zu Menschen, von denen die Therapie Sie isoliert hat. Erklären Sie ihnen, dass Sie eine schwierige Phase durchmachen. Ein echtes soziales Umfeld reagiert meist mit Erleichterung und Unterstützung.
  • Tagebuch führen: Schreiben Sie auf, was Sie im Hier und Jetzt wirklich fühlen, sehen und erleben. Verankern Sie sich in der Realität der Gegenwart. Wenn Ihr Körper sagt: „Das fühlt sich falsch an“, vertrauen Sie diesem Signal.
  • Zweitmeinung einholen: Suchen Sie eine psychologische Beratungsstelle oder eine*n approbierte*n Psychotherapeut*in, die/der explizit nach den Leitlinien der wissenschaftlichen evidenzbasierten Medizin arbeitet und keine Verbindung zu esoterischen oder ideologischen Netzwerken hat.
  • Rechte wahrnehmen: Erklären Sie den Abbruch per E-Mail oder Brief, falls Sie sich einem persönlichen Gespräch nicht gewachsen fühlen. Sie sind rechtlich zu keiner Rechtfertigung oder Abschlussstunde verpflichtet.

Ratgeber für Angehörige: Was tun bei Indoktrination?

Wenn ein Familienmitglied oder eine nahestehende Person in eine suggestive Dynamik gerät und Sie plötzlich mit dem Vorwurf konfrontiert werden, heimlich Teil eines Täterzirkels zu sein, bricht für Angehörige eine Welt zusammen. Folgendes Verhalten ist in dieser hochgradig paranoiden Phase entscheidend:

  • Keine aggressiven Gegenbeweise liefern: Wenn Sie wütend argumentieren oder logische Beweise erzwingen wollen („Ich war an dem Tag nachweislich gar nicht dort!“), wird dies vom indoktrinierten System des Klienten sofort als Täterstrategie zur Vertuschung verbucht. Es verstärkt die Paranoia.
  • Die emotionale Brücke halten: Signalisieren Sie unerschütterliche Bindungsbereitschaft auf der Gefühlsebene. Sagen Sätze wie: „Ich teile diese Erinnerung nicht und sie macht mich unendlich traurig, aber ich sehe, wie sehr du gerade leidest, und ich bin für dich da, wenn du mich brauchst.“
  • Über das Hier und Jetzt sprechen: Lenken Sie Gespräche weg von der vermeintlichen rituellen Vergangenheit und verankern Sie die Person in der profanen Realität der Gegenwart (Alltagsthemen, Natur, handfeste Aktivitäten). Das entzieht dem paranoiden System die emotionale Nahrung.
  • Eigenschutz aktivieren: Suchen Sie sich selbst psychologische Hilfe oder wenden Sie sich an Initiativen wie False Memory Deutschland, um nicht an der iatrogenen Dynamik zu zerbrechen.



Offizielle Anlaufstellen und Hilfe bei therapeutischem Missbrauch

Wenn Sie Hilfe benötigen oder eine Beschwerde einreichen möchten, finden Sie bei folgenden offiziellen Stellen unabhängige Unterstützung:

Österreich:

Deutschland:

Schweiz:

FAQ – Häufige Fragen zu manipulativen Therapiedynamiken

Woran erkenne ich, ob mein Therapeut suggestiv arbeitet?
Suggestives Arbeiten beginnt dort, wo Fragen Ihnen eine Antwort aufdrängen, statt den Raum für eigene Wahrnehmungen zu öffnen (z. B. „Kann es sein, dass Ihr Vater Sie rituell missbraucht hat, Sie es aber nur vergessen haben?“ statt „Was fühlen Sie, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?“). Wenn Ihr Zweifel systematisch umgedeutet wird, liegt Suggestion vor.


Ist jeder Abbruch einer Therapie ein Zeichen von Widerstand?
Nein. In einem schädlichen System ist der Therapieabbruch kein unbewusster Abwehrmechanismus gegen die Heilung, sondern im Gegenteil ein Akt gesunder Selbstfürsorge und Autonomie. Es ist das Signal Ihres Körpers, sich aus einer ungesunden Abhängigkeit zu befreien.


Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, in einer therapeutischen Ideologie zu stecken?

Nutzen Sie Ihr Recht auf eine unabhängige zweite Meinung. Suchen Sie eine beratende Stelle oder eine andere psychotherapeutische Fachkraft auf, die sich explizit von Verschwörungsnarrativen distanziert. Sie dürfen die aktuelle Therapie zudem jederzeit fristlos und ohne Rechtfertigung beenden.



Muss ich meine traumatische Vergangenheit lückenlos aufdecken, um gesund zu werden?

Nein. Das ist ein weitverbreiteter therapeutischer Mythos. Die moderne Traumatherapie zeigt, dass Stabilisierung und das Finden neuer, gesunder Kompetenzen der wesentliche Baustein der Integration sind. Erinnerungen müssen nicht historisch bewiesen oder rekonstruiert werden, um emotionale Heilung oder Linderung zu finden.

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich • 12. Oktober 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
Ein abstraktes Aquarellbild mit einem sanften Farbverlauf.
von Florian Friedrich • 9. Oktober 2026
Wie gelingt Therapeuten der Ausstieg aus dem Dogma ritueller Gewalt? Ein praxisnaher Leitfaden über Loyalitätskonflikte, iatrogene Schuld und Selbstfürsorge.
Nahaufnahme von einem Richtertisch aus dunklem Holz.
von Florian Friedrich • 9. Oktober 2026
Wenn Traumatherapie zur Weltanschauung wird: Florian Friedrich über die Gefahr iatrogener Scheinerinnerungen und Justiz vs. Psychotherapie.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich • 8. Oktober 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.